BORBECK. „Der Weg zur Kulturhauptstadt 2010 ist das beherrschende Thema der Kulturpolitik“, erklärte Susanne Asche, Kulturbeauftragte der CDU-Ratsfraktion in der Stadt Essen, am Dienstag, 24. Juni, bei ihrem Vortrag beim Wissenschaftlichen katholischen Studentenverein UNITAS Ruhrania. In ihrer anschaulichen Präsentation „Essen auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2010“ skizzierte sie vor rund 30 Besuchern im „Feldschlösschen“ an der Flurstraße in Essen-Borbeck die Wegstrecke von der Internationalen Bauausstellung IBA-Emscherpark 2004 über die Entscheidungen im Bundesrat bis zum Beschluss in Brüssel 2006 und der Gründung der Projekt-GmbH „Ruhr 2010“.

Bereits Satellitenbilder zeigten die herausgehobene Stellung des Ruhrgebiets in ganz Europa, „einem der dichtesten Kulturräume“, wie Susanne Asche betonte. Am Beispiel der Universitäts-, Theater- und Opernlandschaft, historischer Bauwerke und im Bau befindlicher Kulturstätten zeigte sie die Hintergründe der erfolgreichen Bewerbung auf. Diese „trete enorme Investitionen los“, so die für Altenessen tätige Ratsfrau, die auch die Fußball-Spielstätten zu den kulturell wichtigen Plätzen im Revier zählte. Viele Orte erzählten den enormen Wandel der schwerindustriellen Industrielandschaft zu einem „der reichsten Kulturräume“, die das Bild des Ruhrgebiets veränderten. Die Europäische Auszeichnung ersten Ranges müsse aber nachhaltige Wirkung entfalten: „Sie darf 2011 nicht zu Ende sein“, erklärte Susanne Asche und unterstrich die Rolle stärkerer kultureller Bildung. „Wir brauchen mehr Integration und Identifikation in der neuen Metropole Ruhr“.

Für Mitte Oktober stünde die Veröffentlichung ausgewählter Kulturprojekte an, für die zahlreiche Bewerbungen aus der 53 Städte und Kommunen zählenden Trägerstruktur eingegangen seien. Schwerpunkte der Planung seien bislang etwa das Thema „Kultur am Fluss/Wege zum Wasser“ im Bereich der „Emscherinsel“, sie lägen im Bereich der Autobahn A 40 und bei den „Folkwang-Atollen“ in der Ruhr. Medienkunst werde im Gasometer präsentiert, doch bereite den Planern das Thema „Zweite Stadt“ in bis zu 1000 Meter Tiefe unter Zeche Zollverein noch Kopfzerbrechen. Die Theater hätten sich bereits auf das gemeinsame Thema „Odyssee“ verständigt, die Museen kooperierten, ebenso seien unter dem Label „TWINS2010.COM“ enge Kontakte zu den 140 Partnerstädten weltweit aufgenommen worden.

In der Stadt Essen als Hauptstadt des Projekts arbeite das installierte Kulturhauptstadtbüro mit Beirat und Arbeitsausschuss an der Optimierung des Marketings, der Entwicklung der touristischen Infrastruktur, der Information und Motivation und Einbeziehung der Bürgerschaft. Man wolle die Aktivitäten und Netzwerke nachhaltig vorantreiben, unterstrich die Ratsfrau: „Wir brauchen mehr Kultur für alle und Kultur ist Stadtentwicklung.“ Kultur sei Ausdruck und Aufgabe der gesamten Bürgergesellschaft. Dies müsse auch die Stadtteile erreichen, antwortete sie auf kritische Nachfragen zur Rolle der Bezirke. In diesem Zusammenhang bestanden Diskutanten auch auf einer deutlicheren Herausstellung der europäischen Komponente. „Die UNITAS hatte Recht, dass sie seinerzeit die Benennung der Universität nach Robert Schuman forderte“, hieß es etwa. Auch zu möglichen Formen der Darstellung des im Mittelpunkt der Bewerbung stehenden Kulturwandels gab es Bedenken, ebenso zur Integrationsleistung, die das Revier auszeichne. Weitere Fragen ergaben sich zum Wesen der Kultur insgesamt, nicht zuletzt zur Rolle und Einbindung der Kirche als entscheidender Trägerin von Kultur, auch in Stadt und Region. Hier seien noch intensivere Abstimmung nötig, erklärte Frau Asche, freute sich aber über die Ausstellung des Domschatzes in der Kohlenwäsche auf Zollverein. „Die Zeit wird aber knapp“, fasste sie die ausstehenden Aufgaben zusammen. Die UNITAS, so erklärte sie nach der von Bbr. Sebastian Sasse (im Bild links mit Senior Richie Duckheim) moderierten und sehr anregenden Debatte, sei eine Keimzelle für kulturelle Arbeit im weitesten Sinne.




Veröffentlicht am: 10:06:19 24.06.2008
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