„An Leben gewinnen lassen“

BORBECK. Im Präsidium des Abends: Senior Rüdiger Duckheim - „natürlich völlig unvorbereitet“, aber ebenso stilsicher, humorvoll wie routiniert. Und ein Anlass, der alle Zutaten für eine wunderbare und niveauvolle Kneipe mitbrachte: Gäste und Bundesbrüder feierten am Samstag, 17. Mai, zu Ehren des Neu-Magisters Bbr. Sebastian Sasse im am Morgen mit Feudel und Pinsel auf Vordermann gebrachten Conventsaal.

Auf der Durchreise zum am Tag darauf startenden Ruhrmarathon machte Bbr. Franz Schwengler, AHV-X der UNITAS Franko-Palatia Nürnberg-Erlangen, auf dem Haus an der Flurstraße Station, bewegende Weltliteratur schenkte uns Fbr. Heinrich Loosen v/o Dr. Faustus von e.s.v. St.V. Frisia Breslau zu Essen mit dem halben „Faust“, Bundesschwester Maria Schulze-Öchtering frohlockte für UNITAS Maria Magdalena Heidelberg und UNITAS Clara Schumann in Bonn, der Essener Zirkelvorsitzende Martin Gewiese brachte seine Kölner UNITAS Rheinmark sangesfroh in Erinnerung. Wie dessen Grußwort machte nicht zuletzt die spontane Prinzipienrede des bestens aufgelegten Seniors und Präsiden deutlich, was dem Wesen der UNITAS zutiefst zugrunde liegt. In der pfingstlichen Oktav erörterte Bbr. Duckheim die Frage, was echte Begeisterung für den Glauben und die „Sache UNITAS“ ausmacht, wovon sie lebe und wie sie spürbar werde, um viele „an Leben gewinnen zu lassen“. Mit Blick auf den gefeierten Magister stellte er dessen Formsicherheit, Einfühlungskraft und stete Bereitschaft heraus, Aufgaben für die Gemeinschaft zu übernehmen. Mit dem Blick ins Universum der philosophischen Denkgebäude sei dem Zirkelgänger der Sinn für das bodenständige Feiern dabei nie abhanden gekommen. Viele inhaltliche Impulse, wie etwa die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Europa“, seien maßgeblich von Sebastian mitgestaltet worden. Als Präsent überreichte er eine von Bbr. Anton Rauscher zusammengestellte kleine Quellensammlung zum Ehrenmitglied der UNITAS, Ludwig Windthorst.

Im "akademischen" Miteinander Meisterschaft erreichen

In seiner förmlichen Laudatio erinnerte Leibbursch CB daran, dass Sebastian im Vorwort seiner im Fachbereich Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen eingereichten Magisterarbeit „Adam Stegerwalds`Essener Programm´ von 1920 und sein Einfluss auf den politischen Katholizismus in der Weimarer Republik“ die UNITAS als fruchtbringenden Ort der Diskussion ehrend erwähnte. Zum inneren Grund des unitarischen Lebensbundes gehörten in der Tat das Öffnen von Horizonten im „akademische“ Miteinander, die Lust am Denken, an Erkenntnisgewinn, am lebenslangen Lernen und an der individuellen wie gemeinsamen Suche nach Zusammenhängen, unterstrich der Xhc. Dieser Chance und Herausforderung stellten sich Mitglieder der UNITAS von Beginn an - unter welchen Bedingungen auch immer. Sie erfordere neben der Fähigkeit, auch „Durststrecken auszuhalten“, ebenso rechte Muße und das Teilen von Dank und Freude: „Am Fundament und für das Wachsen einer Gemeinschaft zu wirken, bedeutet auch am Bau des eigenen Lebenshauses zu arbeiten“, erklärte der Ehrensenior. Impuls und Ziel dabei seien, es darin zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen. Die Alma Mater habe bescheinigt, dass dies Sebastian als „magister“ gelungen sei, - auch die UNITAS wolle dies tun. Sie haben dem „Old Shurehand des deutschen Feuilletons“ und ihrem „Old Shatterhand der UNITAS Ruhrania“ viel zu verdanken, so der Leibbursche, und überreichte zur Erinnerung an die Fidulität ein Bild, das die Eule als Vogel der Weisheit mit dem fertiggestellten „Luftschlösschen“ an der Flurstraße zeigt.

In seiner Replik brachte Sebastian selbst seine Haltung zur unitarischen Gemeinschaft auf den Punkt. In sehr persönliche und bewegten Worten holte er aus und stellte seine  Entwicklung ganz in den Zusammenhang der Prinzipien und des bundesbrüderlichen Miteinanders. Auf Dauer sei es schwer, „ohne diese ganzen Figuren zu leben“, schmunzelte er. Vertrautmachen und Verantwortung seien die Essenz des UNITAS-Wahlspruchs „in omnibus caritas“: „Liebe ist das Schlüsselwort.“

An die Worte des Seniors knüpfte Bbr. Hermann-Josef Grossimlinghaus an: Der aus Bonn angereiste Ehrenvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) deutlich, wie wichtig es sei, den Glauben nach außen zu tragen und der christlichen Hoffnung ein Gesicht zu geben. Nicht nostalgische Rückwärtsgewandtheit entspreche dem Wesen des Christentums. Verkündigung brauche feste Grundlagen und Begeisterungsfähigkeit. „Verantwortungselite“ sei von Optimismus getragen, erinnerte er an ein Diktum von Bbr. Erzbischof Reinhard Marx und dankte in seiner Ansprache Sebastian herzlich für seine Arbeit als AGV-Vorstandsmitglied und Pressesprecher.

Was wurde aus dem W.K.St.V. UNITAS zu Marathon?

Was den weiteren Fortgang der mit ernsten und guten Beiträgen reich bestückten Festfolge angeht, darf auch im Inoffizium vom Besten ausgegangen werden. Hausgast Matthieu - seit dem Morgen sogar endlich mit einem Bett in seinem Zimmer ausgestattet - brachte es fertig, dass sich ein ganzer Tisch plötzlich komplett in Englisch unterhielt, klassisches literarisches Flair aus einem weiteren phantastischen Vortrag von Dr. Faustus, fehlerfreie und textsichere Liedvorträge, ein tuttidonnerndes Piano von Bierorganist Bbr. Christoph Weyer, Kaffee und leckere Schmalzstullen nach Mitternacht ließen die Zeit wie im Flug vergehen.

Just allerdings zu dem Zeitpunkt, als sich die von einer großartigen Stimmung beflügelten Gespräche - wie immer in der Zeit der frühen Morgenstunden - in luftige Höhen der philosophisch-theologischen Grundfragen erhoben und kurz davor waren, sich in den „letzten und vorletzten Dingen“ zu verheddern, irrten bereits die Augen des heimwärts trottenden Chronisten durch den noch ziemlich nach Baustelle aussehenden Flur. Wohl ist noch einiges zu tun bis zur Einweihung, doch nach dieser kleinen Generalprobe sollte wohl alles seinen geregelten Gang gehen. Ob übrigens der liebe Vertreter der UNITAS aus Nürnberg, der nach der langen Kneipnacht am Sonntagmorgen in Dortmund zu seinem 155. Marathon auf die Piste ging, auch zuletzt am Ziel angekommen ist, entzieht sich bislang jeglicher Kenntnis ….

 

 




Veröffentlicht am: 17:56:07 17.05.2008
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