Vor dem Te Deum: Die UNITAS-Gemeinde im Conventsaal  des UNITAS-Hauses an der Flurstraße

Essen, 1. Februar 2009. „So schön haben wir noch nie getagt“, war sich Ruhranen-Senior Christoph Weyer sicher, als er mit der Aktivitas am Samstagnachmittag zu den Sitzungen im Conventsaal begrüßte. In der Tat lockte eine liebevoll bereitete Tafel nicht nur zum herzhaften Zugreifen – sie wurde auch für mehr als drei Stunden zum Schauplatz engagierter Beratungen. Dem positiven Bericht aus der studentischen Runde folgten Debatten zur Verbesserung und Intensivierung des Gemeinschaftsleben insgesamt, aber auch zum Umgang mit den unterschiedlichen Traditionen, in die sich der aktive UNITAS-Verein im Revier bewusst gestellt hat. Neben den grundsätzlichen Frage nach der Identität galten die Diskussionen aber auch sehr praktischen Aspekten: Besonders unterstrichen wurden der große Einsatz unterschiedlicher Kreise um den Bau und Betrieb des 2008 eingeweihten neuen UNITAS-Zentrums, die Verpflichtungen gegenüber dem Gesamtverband, die Formen der Unterstützung für das Wachsen einer jungen Generation in der Region und die gute Entwicklung der Hausgemeinschaft. Um allen Herausforderungen gerecht zu werden, seien neben den gefundenen klareren Strukturen und Ämtern immer noch auch große materielle Anstrengungen notwendig, so wurde deutlich.


Der AHV-Vorsitzende weiht die restaurierte Fahne mit dem Paulusdom von Münster 

Im Kleinen treu sein: Weihe der Fahne

 

Für den Höhepunkt des Abends wandelte sich der Conventsaal mit schnellen gemeinsamen Handgriffen rasch zur Kapelle: Vor der Segnung der restaurierten Münster-Fahne griff der Altherrenvereins-Vorsitzende Kaplan Helmut Wiechmann das Thema der Tradition auf, erinnerte an die Bedeutung des Zeichens für die Gemeinschaft. Das Kreuz und die Nachfolge Jesu seien das bestimmende Element des unitarischen Lebensbundes – auch in Zukunft müsse die ursprünglich aus Münster stammende Fahne dafür immer stehen, betonte der Geistliche Beirat des Verbandes, segnete das Tuch und die Gottesdienstgemeinde. Ihr gab er mit dem aus dem Lukas-Evangelium entnommenen Wort „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu“ (16,10) einen wichtigen Gedanken mit: Sich Einzuüben „Im Kleinen treu“ zu sein – ein Impuls, der unter anderem das Leben der hl. Thérèse von Lisieux kennzeichnet. Bei der Feier trug Bbr. Helmut die UNITAS-Stola wie bei bereits vielen unitarisch wichtigen Ereignissen zuvor – ein Geschenk des im Jahr 2000 verstorbenen Ehrenseniors Norbert Klinke, an den der Zelebrant auch in seiner Ansprache erinnerte. In den Fürbitten nahm die Gemeinde die Lebenden und Verstorbenen ins Gebet. Die Feier schloss mit dem Te Deum.



 

Thomas von Aquin: „Der brüllende Ochse“

 

Nach dem gemeinsamen Essen im neuen Wintergarten der Gastronomie des "Feldschlößchens" übernahm der Senior als Präside beim Festkommers im gut gefüllten Conventsaal das Regiment. Herzlich begrüßte er die Mitglieder des Vereins und die vielen Gäste aus den umliegenden Zirkeln. Aus Dortmund, Düsseldorf, Castrop-Rauxel, Rheine, Billerbeck-Gerleve, Bonn, Metelen, Münster oder aus Essen gekommen, lauschten sie aufmerksam der Festrede, in der Bbr. Benedikt Kisters den ältesten Verbandspatron der UNITAS, den Hl. Thomas von Aquin (1225-1274), vorstellte. Er zeichnete dessen Leben auf dem Hintergrund seiner Zeit und umriss die äußeren Bedingungen der rastlosen Forscher- und Lehrtätigkeit des Kirchenlehrers aus dem Orden der Dominikaner. Die Beschäftigung mit Aristoteles in Neapel, aus seinem Studium bei Albertus Magnus in Köln und die Arbeit an der Universität in Paris mündeten zuletzt in dem unvollendeten Hauptwerk, der „Summa theologiae“, die der Festredner in ihren Grundzügen skizzierte. An vielen Stellen machte der mehrfache Senior der UNITAS Ruhrania mit den unterschiedlichen Akzentuierungen in den wissenschaftlichen Biographien zu Thomas vertraut, aber auch mit den humorvollen Aspekten bei Chesterton, die das Bild des Aquinaten bis heute prägen. Deutlich strich Bbr. Benedikt die bleibenden Leistungen des Wissenschaftlers heraus, der als solcher als erster in den Kreis der Heiligen gezählt wurde: Im den von ihm geschaffenen versöhnten Gleichgewicht von Theologie und Philosophie, von Glaube und Wissenschaft, liege auch wesentliche Grundlage und Antrieb für die unitarische Gemeinschaft und Prinzipien, so der Festredner, dem die Corona mit großem Applaus für seine Ausführungen dankte.
 

Feierliche Neuaufnahmen und gute Stimmung

 

Im hochoffiziellen Teil erlebte die Corona mit dem Bundeslied die feierliche Aufnahme von zwei Neumitgliedern: Neue Ruhranen sind Philipp Ast (21) aus Neuss, Student der Wirtschaftsinformatik, und Benedikt Koch (22) aus Essen-Bergerhausen, angehender Wirtschaftsingenieur an der FH Gelsenkirchen mit dem Schwerpunkt „Facility Management“. Nicht nur zwei neue Aktive schlossen sich der UNITAS Ruhrania an: Auch Bauingenieur Heinrich Loosen wurde vom AHV-Vorsitzenden ebenso offiziell in die Altherrenschaft aufgenommen und vom Essener Zirkel mit einer Erinnerungsurkunde ausgestattet. Mehrere muntere Grußworte brachten im Offizium nach der Nationalhymne die Freude der Besucher über das gelungene Fest zum Ausdruck. So sprachen etwa der Essener Zirkelvorsitzende Martin Gewiese, Bbr. Udo Nobis für die UNITAS Assindia in Aachen und Bbr. Andreas Beckmann, Ehrensenior der UNITAS-Salia in Bonn, die der Aktivitas und der UNITAS in Ruhrgebiet Mut und Tatkraft wünschten. Mit einem Blick auf die schwierige Phase des Neubeginns zwischen Dortmund und Duisburg ab 1988 freute sich der aus der UNITAS Sugambria Osnabrück stammende X-hc von "Mutter Salia" über die gute Entwicklung der Aktivitäten rund um das neue Essener Haus. Wie fast sicher zu erwarten: Mit einem Klassiker, dem "Prolog im Himmel" aus dem "Faust", setzte Goethe-Kenner Bbr. Heinrich Loosen im Offizium einen besonderen literarischen Akzent.


Verpflichtung auf die unitarischen Prinzipien VIRTUS - SCIENTIA - AMICITIA und Wahlspruch

Nicht zuletzt sehr herzlich durch Ehrensenior Dr. Christof Beckmann begrüßt wurden Regina und Bbr. Andreas Rydzek, die sich spontan und tatkräftig der dringend notwendigen Renovierung der ursprünglich im Januar 1960 von dem damaligen Ehrensenior Prälat Heinrich Portmann gesegneten Fahne angenommen hatten. Beide versprachen, den Dank des ganzen Vereins besonders an Paramentenstickerin Frau Antonie Bürger in Erwitte weiterzugeben, die die praktische Arbeit so vorzüglich ausgeführt hatte. Auch nach dem offiziellen Teil, der vom Präsiden um 23 Uhr unter den Tisch geschlagen wurde, blieb es bei der guten Stimmung. Es gab Blumen für Damen, "Gern katholisch"-Krawatten für die Herren und einen - wie selten erlebt - vom AHV-X eingeleiteten weiteren Aufnahmeantrag. Noch weit nach Mitternacht freuten sich die Aktiven über den Besuch einer Abordnung der KdStV Nordmark und der AV Silesia Bochum, die vom an St. Immaculata gefeierten 80. Stiftungsfest den Weg auf das UNITAS-Haus an der Flurstraße gefunden hatten.

Der Sonntag sah nach der Messe in St. Dionysius eine zufrieden-ermattete Schar im Feldschlösschen, die eine gute Bilanz zog: Viele dienstbereite Hände hatten fast unbemerkt für die Vorbereitungen und den Ablauf gesorgt, viele gute Gedanken konnten mitgenommen werden. Und eine Botschaft blieb unter anderem auch haften: Die Ruhrania ist und bleibt speziell. Was den besonderen Reiz der UNITAS insgesamt ausmache, lasse sich hier mit einigem guten Willen immer wieder relativ schnell feststellen, so das Fazit.


Im Folgenden Impressionen vom Festkommers und dem Ausklang nach der Messe am Sonntag (Fotos: Martin Gewiese, CB)


Vor dem Abendgebet: Auch erfahrene Semester erleben die Segnung einer neuen Fahne nur selten ...


Der Geistliche Beirat - semper in unitate et in caritate ...


Einzug des Präsidiums mit der neuen Fahne ...


.... die mit vereinten Kräften eine sichere Bleibe findet.


Das Bundeslied leitet den Höhepunkt des Festkommerses ein.


Wer ist nervöser? Der Senior? Hochspannung vor den beiden Neuaufnahmen


Freude über eine Entscheidung, die vor allen öffentlich bekundet wird.


Nach dem Versprechen: Der Senior heftet die unitarische Verbandsnadel an.



Die unitarische Verbandsnadel für "Doktor Faustus" - ein neuer Alter Herr der Ruhrania



Blumen für die Damen: Ein kleines Dankeszeichen für spontane und tatkräftige Hilfe


AHV-Team: Ehrenvorsitzender und Vorsitzender


"Et hät noch immer jot jejange ..." - vom Mitwiederbegründer die rheinische Variante für "Glückauf"



Après Kommers: Jeunesse doreé aus jotwede ....

Dortmund: Das östliche Ruhrgebiet stark repräsentiert



Dream-Teamer an jeder Orgel: Drei Kirchenmusiker auf einen Schlag.


Rheinisches Derby am Kicker: An Lichtmess weicht erst der Weihnachtsbaum vom Haus


Nach der Messe in St. Dionysius: Szenen vom Ausklang im "Feldschlößchen"


Akademischer Brunch: Immer spannende Themen


Oldies - but Goldies ....



Veröffentlicht am: 16:30:08 01.02.2009
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