BORBECK, 21.1.2009. Gerade erst hatte der neue amerikanische Präsident seinen Amtseid abgelegt – ein historischer Augenblick, an den sich viele Hoffnungen knüpfen. „Ein guter Zeitpunkt, um an ein Ereignis zu erinnern, das vor 50 Jahren eingeläutet wurde“, erklärte am Dienstagabend Pastor Heinrich Grafflage, Referent bei der Wissenschaftlichen Sitzung zum II. Vatikanum, das Erwartungen ganz anderer Art ausgelöst habe.

 

In seiner Einführung in das Thema beleuchtete er die Genese der durch den kurz zuvor erst gewählten Papst Johannes XXIII. einberufenen letzten großen Kirchenversammlung. Am Sonntag vor 50 Jahren hatte der zunächst als Kandidat des Übergangs geltende 77-Jährige Pontifex seine Absicht eher beiläufig in einem kleineren Kreis erklärt. Nicht nur mit dem damit verbundenen logistischen Aufwand – Grafflage beobachtete damals die Vorbereitungen in Rom - löste er ein Beben aus. Aus persönlicher Erfahrung berichtete der damalige Ingenieur, der sich auf den Priesterberuf vorbereitete, von den Bedingungen in den Gemeinden. Volle Kirchen, bis zu 45 Prozent und mehr Kirchenbesuch, wenigstens drei, aber auch bis zu 10 Messen am Tag seien üblich gewesen, hohe Beichtzahlen, viele Berufungen zeichneten damals ein stabiles Bild der Kirche – vordergründig.

 

Aus dem Blick auf eine im Vergleich sehr veränderte Situation skizzierte der Referent die Entwicklung und Ergebnisse des nach dem plötzlichen Tod Johannes´ XXIII. von Papst Paul VI. weitergeführten und beendeten Konzils. Er stellte die großen Gestalten des Konzils vor, die Schwierigkeiten und Abstimmungsverläufe, berichtete von den sehr unterschiedlichen Verhältnissen in der Kirche auf allen Kontinenten. Besonders vertiefte Stichworte seiner Erörterung waren u.a. die Rolle der Kirchensprache Latein, die Bedeutung des muttersprachlichen Gottesdienstes, die Vorabendmesse und Veränderungen in der Liturgie insgesamt. Vor allem aber im Grund- und Selbstverständnis der Kirche seien die Vorzeichen in neuer Weise definiert worden, stellte Grafflage heraus. In seiner Darstellung der großen und wichtigen Dokumente unterstrich er die „Kirche als pilgerndes Volk Gottes“, die durch das Konzil bewirkte weltweite stärkere Vernetzung der Ortskirchen und widmete einen besonderen Schwerpunkt den Formulierungen des Konzils zum Verhältnis zu den anderen Religionen. „Sie müssen nicht alles lesen, aber dies auf jeden Fall“, empfahl er etwa das damals sehr umstrittene und von vielen Seiten angefeindete Dokument Nostra Aetate.

 

Mit zahlreichen Zitaten aus den Konzilsdokumenten zeigte Grafflage die Punkte auf, um die besonders gerungen wurde oder die das Neue markierten. Er schilderte die Wahrnehmung damals und zeigte u.a. mit den Erinnerungen des damaligen Kardinals Ratzinger („Aus meinem Leben“), welche Themen bis heute fortwirken - einiger Stoff für die anschließende Diskussion. Sie griff eine ganze Reihe unterschiedlicher Aspekte auf, etwa die Frage der Einordnung der so genannten „Traditionalisten“, der Kirche als „Sakrament“, der „Theologie der Befreiung“, der Ökumene, den Missionsauftrag, die Positionen der Kirche in den weltanschaulichen Auseinandersetzungen, ihre Ostpolitik oder ihre Rolle und Bedeutung in der Welt von heute.

„Wir, die wir gar nicht wissen, wie es vor dem Konzil war, danken Ihnen sehr für diesen Überblick“, erklärte Ruhranen-Senior Christoph Weyer nach dem sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag. Als Präsent überreichte er das aktuelle Buch von Bbr. Erzbischof Reinhard Marx „Das Kapital“ und äußerte die Hoffnung auf einen weiteren Abend mit Pastor Heinrich Grafflage. Ihm dankten die 20 Besucher des Abends mit einem langen Applaus.

Siehe auch:
19.01.2009: 20. Januar: Wissenschaftliche Sitzung mit Pastor Heinrich Grafflage zum II. Vatikanischen Konzil







 




Veröffentlicht am: 11:05:59 21.01.2009
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse