Keine Aufhebung oder Verschiebung des Stichtags –
Forschung und Therapie an adulten Stammzellen fördern

Der VERBAND DER WISSENSCHAFTLICHEN KATHOLISCHEN STUDENTENVEREINE UNITAS als 1855 gegründeter ältester katholischer Studenten- und Akademikerverband in Deutschland mit derzeit über 5.500 Mitgliedern fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, sich in der Debatte am 11. April 2008 über eine Änderung des Stammzellgesetzes gegen eine Aufhebung oder Verschiebung des Stichtags im Stammzellgesetz auszusprechen.

Der UNITAS-VERBAND fordert ein Ende der Tötung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken, da ihr „Verbrauch“ ihre Würde und ihr Recht auf Leben verletzt – unabhängig davon, ob dies verbotenerweise in Deutschland geschieht oder ob es im Ausland schon geschehen ist und nun nur noch von deutschen Forschern ausgenutzt werden soll: Auch die Freiheit der Forschung findet ihre immanenten Grenzen dort, wo die Rechte anderer verletzt werden.

In Übereinstimmung mit Expertenaussagen in der Anhörung des Deutschen Bundestages vom 3. März 2008 sieht der UNITAS-VERBAND sowohl für den therapeutischen Bereich als auch für die Grundlagenforschung hervorragende Alternativen: Mit den körpereigenen adulten Stammzellen, den Nabelschnurblut-Stammzellen und den iPS-Zellen kann Forschung und Therapie in ethisch zulässiger und medizinisch vielversprechender Weise betrieben werden, ohne dass es einer Verschiebung oder gar Aufhebung des Stichtags im Stammzellgesetz bedarf.

Stattdessen ruft der UNITAS-VERBAND eindringlich zu einer deutlich stärkeren Förderung der ethisch unproblematischen Forschung und Therapie mit adulten Stammzellen auf, bei welcher Deutschland weltweit zur Spitze gehört (Antrag der Abgeordneten Priska Hinz, Julia Klöckner u.a. „Keine Änderung des Stichtages im Stammzellgesetz - Adulte Stammzellforschung fördern“, BT-Drucksache 16/7985).

Der UNITAS-VERBAND bekennt sich nachdrücklich zu Wert und Würde menschlichen Lebens von der Zeugung bis hin zum natürlichen Tod des Menschen und sieht darin die Grundlage einer menschenwürdigen Gesellschaft. Er fordert alle Bundesschwestern und Bundesbrüder auf, sich - ob gelegen oder ungelegen - überall dort, wo es ihnen möglich ist, für diese Ziele einzusetzen.

Köln, 5.4.2008

Begründung:

Bei der klinischen Forschung und Therapie mit adulten Stammzellen (u.a. beim akuten Herzinfarkt) gehört Deutschland zur Weltspitze. Dieses Feld weist in den vergangenen Jahren seit dem Inkrafttreten des Stammzellgesetzes große Fortschritte sowie viele neue, durch klinische Studien belegte Therapien auf - der beste Beweis dafür, dass sich Spitzenforschung und hohe ethische Maßstäbe miteinander vereinbaren lassen. Allein im NIH-Register der nationalen Gesundheitsbehörde der USA (National Institute of Health) sind aktuell über 1900 Studien mit adulten Stammzellen weltweit registriert. Auch der Zweite Stammzellbericht der Bundesregierung (BT-Drucks. 16/4050) vom 11.1.2007 kommt bezüglich der adulten Stammzellen zu einer sehr positiven Einschätzung.

Demgegenüber gibt es weltweit derzeit keine humanen embryonalen Stammzelllinien, die zu therapeutischen Zwecken einsetzbar sind. Es gibt auch keine einzige klinische Studie mit embryonalen Stammzellen, denn diese weisen ein enormes, medizinisch auf absehbare Zeit in keiner Weise beherrschbares Risiko der Entstehung von Tumoren auf, so dass manche Mediziner es so formulieren: Außerhalb eines Embryos sind embryonale Stammzellen Tumorzellen.

Die Forschung an embryonalen Stammzellen war 2002 damit begründet worden, dass es schon in wenigen Jahren therapeutische Anwendungen geben werde. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt, und die außerordentlich hohe Tumorentstehung lässt therapeutische Anwendungen in der näheren Zukunft für ausgeschlossen erscheinen.

Da es sich bei der Forschung an embryonalen Stammzellen also um reine Grundlagenforschung handelt, kann und muss auf Alternativen zurückgegriffen werden, die ethisch unbedenklich sind: Die im letzten Herbst neu publizierten iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen), deren Herstellung und Verwendung nicht unter das Stammzellgesetz fallen, da zu ihrer Gewinnung keine Embryonen getötet werden müssen.

Schließlich handelt sich bereits bei dieser Stichtagsregelung um einen Kompromiss, der das ethische und verfassungsrechtlich gebotene Minimum darstellt: Menschliches Leben beginnt mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. „Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu“, hat dazu das Bundesverfassungsgericht festgestellt. Die Würde des Menschen ist einer Abwägung nicht zugänglich. Eine besondere Schutzpflicht des Staates gegenüber dem Embryo in vitro ergibt sich aus seiner prinzipiell schutzlosen Daseinsform. Die Tötung menschlicher Embryonen ist somit ethisch nicht vertretbar und wird von der Verfassung missbilligt.




Veröffentlicht am: 17:01:01 05.04.2008
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