NEUSS/DARMSTADT. Der Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine UNITAS (UV), bislang ein reiner Männerverband, hat bei seiner diesjährigen Generalversammlung in Darmstadt fünf UNITAS-Studentinnenvereine als gleichberechtigte Mitglieder aufgenommen. Damit ist die UNITAS der einzige katholische Korporationsverband, der sich für die Mitgliedschaft von Frauen entschieden hat.

Als „Signal für die Zukunft“ wertete der Vorortspräsident, Dirk Lüerßen aus Osnabrück, den von 103 vertretenen Vereinen aus Deutschland und Österreich gefaßten Beschluß zur Vollintegration von Frauen, für die eine satzungsändernde Dreiviertel-Mehrheit notwendig war. Auch der Vorsitzende des UNITAS-Altherren-Bundes, Günter Ganz aus Mainz, wertete die Entscheidung als „mutig“. Sie entspreche der Situation an den Hochschulen, an denen katholische Studentinnen bisher keine Möglichkeit dieser Form verbandlicher Organisation gegeben war. Die Bedenken, der 1855 gegründete und damit älteste katholische Studenten- und Akademikerverband werde durch die Aufnahme von Frauen sein Wesen nachhaltig verändern, seien durch das „überzeugende Engagement der Studentinnen in den vergangenen Jahren erfolgreich zerstreut“ worden.

Vorausgegegangen war der Aufnahme der UNITAS-Studentinnenvereine Elisabetha-Thuringia Marburg“, „Clara Schumann Bonn“, „Hassia Sophia Frankfurt“, „Maria Montessori Gießen“ und „Edith Stein in Freiburg“ ein bis in die 1960er Jahre zurückreichender innerverbandlicher Diskussionsprozeß. Der Assoziierung der ersten Vereine aus Marburg und Bonn 1991 folgte eine fünfjährige Erprobungsphase. Die Gründung eines eigenen Verbandes für Frauen war in den Beratungen verworfen worden.

Erleichtert über die jetzt gefaßte Entscheidung zeigte sich nicht zuletzt Dr. Wilfried Podlinski (67) aus Kaarst, von 1991-1994 Dekanatsratsvorsitzender in Neuss und seitdem Vorsitzender des amtierender UNITAS-Verbandsgeschäftsführer. Mit Antritt seiner Amtszeit hatte er die Verbandsgeschäftsstelle des Bundesverbandes von Bonn nach Neuss geholt, zunächst in das Marianum an der Preußenstraße. Mit Unterstützung des dort aktiven UNITAS-Studentenvereins „Ripuaria“ wechselte die Geschäftsstelle vor einem Jahr in das Kardinal-Frings-Haus am Münsterplatz, wo die Fäden für die Vorbereitung der als „historisch“ gewerteten Generalversammlung des Verbandes in Darmstadt zusammenliefen. „Jetzt kommt es darauf an, den Blick nach vorne zu richten und die inhaltliche Arbeit des Verbandes wieder massiv zu stärken“, erklärte Podlinski. Der Verband wolle sich dazu bundesweit aktiv an der Vorbereitung des Heiligen Jahres 2000 beteiligen. „Die Planungen laufen parallel zur Verfassung einer erneuerten Standortbeschreibung des Verbandes“, so Podlinski, der sich in Darmstadt bis zur Generalversammlung 1997 in Bonn für eine neue Kandidatur bereit erklärte und in seinem Amt bestätigt wurde. Das von Papst Johannes Paul II. ausgerufenen Jahr sei eine „Chance, die sich alle katholischen Verbände nicht entgehen lassen“ dürften.

Besonders freue er sich über die Erklärung der UNITAS-Studentinnen, die bei der „intensi-ven Mitgestaltung der inhaltlichen Arbeit des Verbandes in Fragen der Hochschul- und Gesellschaftspolitik mitmischen“ wollen. Dies betonten auch Anne-Kristin Brunn und Julia Kentrup von UNITAS Clara Schumann-Bonn. Die getroffene Entscheidung zur Vollintegration von Frauen erleichtere zudem die Ansprache weiterer interessierter Studentinnen, meinte ihre Bundesschwester Susanne Braun: „Jetzt gibt es endlich eine klare Richtung.“ Weitere Gründungen von Studentinnenvereinen - so in Münster - würden angestrebt.

Die 119. Generalversammlung des UNITAS-Verbandes in Darmstadt stand unter dem Leitwort „Kreativität der Naturwissenschaften - Hoffung für die Zukunft“. Wissenschaftliche Podien und ein Festvortrag von Bundesforschungsminister a.D. Dr. Riesenhuber widmeten sich dem Thema, das vor allem die ethische Dimension wissenschaftlichen Forschens in den Mittelpunkt stellte. Der Speyerer Bischof Anton Schlembach plädierte im Abschlußgottesdienst für eine Kirchenerneuerung am Beispiel der Urgemeinde in Jerusalem. Kirchliche Einheit und Geschwisterlichkeit erforderten die Suche nach einem größeren Konsens in „einem geduldigen, hör- und lernbereiten Dialog.“

Christof Beckmann


·       Der aus einem 1847 in Bonn gegründeten Theologenverein hervorgegangene UNITAS-Verband zählt 51 aktive Studentenvereine, darunter in den letzten Jahren neu entstandene Vereine in Prag, Magdeburg/Erfurt und Karaganda/Kasachstan. Schon einmal war Neuss Ort einer wichtigen innerverbandlichen Entscheidung: Dort fiel 1886 der Beschluß, die Mitgliedschaft auch für Nichttheologen zu ermöglichen. Im Erzbistum Köln bestehen zwei Vereine in Köln, vier Vereine in Bonn, je ein Verein in Düsseldorf und Neuss. Ehemalige Aktive bilden entsprechende Altherren-Vereine und schließen sich am Wohnort in Altherren-Zirkeln zusammen. Gerade im Rhein-Ruhr-Bereich bestehen eine Vielzahl örtlicher Zusammenschlüsse.

·       Die Prinzipien des Verbandes sind „VIRTUS, AMICITIA, SCIENTIA“ . Der Wahlspruch lautet „In neccessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibuis caritas“. Die Verbandspatrone sind die Immaculata, Bonifatius und Thomas von Aquin. Die Mitglieder verpflichten sich, besondere Verantwortung in Kirche, Staat und Gesellschaft zu übernehmen. Zu den prominenten Mitglieder zählen neben Ludwig Windthorst u.a. die Systematisierer der Katholischen Soziallehre Franz Hitze und Heinrich Pesch, nach dem ein vom Verband verliehener Preis benannt ist, Robert Schuman, der ehemaliger französicher Ministerpräsident, die ehemaligen Bundesminister Heinrich Krone und Rudolf Seiters. Ehrenmitglieder des Verbandes im Erzbistum Köln sind Kardinal Joachim Meisner und Weihbischof Klaus Dick.




Veröffentlicht am: 11:15:18 28.05.1996
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