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Zum Auftakt für 1200-Jahr-Feier in Essen-Werden 


Ruhranen lassen sich durch nichts aufhalten: Trotz strömenden Regens und vieler Absagen - das 88. Stiftungfest der Revier-UNITAS am 16. Januar in Essen-Werden wurde zu einem echten Jubel- und Wiedersehensfest. Die denkwürdigen Anlässe: Der 110. Todestag des Verbandsgründers Hermann Ludger Potthoff, seine Rezipierung vor 150 Jahren bei der Ur-Ruhrania in Bonn, das 110jährige Bestehen des Essener Altherrenzirkels und - nicht zuletzt - die Feier der Gründung Werdens und seiner Benediktinerabtei durch den Heiligen Ludgerus vor 1200 Jahren.


Die vor dem offiziellen Start der Feiern festlich beflaggte Heimat der UNITAS-Gründer zeigte sich trotz anhaltenden Regengüssen als gute Gastgeberin. Dankbar erwiderten die Ruhranen und durchweichten Chargierten die aufmunternden Zurufe aus den Nachbarfenstern in der Hufergasse. Dort, vor seinem mit Gedenktafel geschmückten Geburtshaus, gedachten sie öffentlich Hermann Ludger Potthoffs mit Vereinsgebet und dem Gebet zur Seligsprechung Robert Schumans. Mit den Farbenstrophen („...treu stets Liudger!“) wünschten sie der Ludgerus-Gründung Werden ein frohes Jubiläumsfest. Zur Messe in der 799 gegründeten Basilika und Grablege trat das Seniorat mit den Fahnen von Unitas Ruhrania und der 1960 in Essen gegründeten Unitas St. Liudger an. Beide Fahnen schmückten zum Festkommers auch den Saal der Domstuben - ein sinnfälliger Beweis für die Bezüge zwischen der ins Münster 1911 von Friesen und Sugambern ins Leben gerufenen Korporation und dem Ruhrgebiet. 

Ludgerus - ein europäischer Heiliger

„Mit großer Freude“ hatte Dechant Dr. Heinrich Engel, Propst an der Basilika St.Ludgerus, der UNITAS als Festredner zugesagt. Er würdigte den Gründer von Werden und ersten Bischof von Münster, dessen Lebensbeschreibung sein Neffe Altfried vor genau 1.150 Jahren abschloss, als Missionar der Friesen, Sachsen und Apostel Nordwest-Europas. 

Propst Dr. Engel, bekannt als Buchautor und durch WDR-Morgenandachten, zeichnete ein lebendiges Bild der noch an religiösen Traditionen der germanischen Stammeskultur ausgerichteten Missionszeit. Der durch seine Ausbildung bei den großen Kirchenlehrern in Utrecht und York sowie seine Reisen nach Rom und Monte Cassino geprägte Ludgerus habe in einer stark von animistischen Glaubensvorstellungen bestimmten Umwelt ganz „auf Bildung gesetzt“. Mit einem für seine Epoche erstaunlichen Horizont sei der Heilige, ein großer Verehrer des unitarischen Verbandspatrons Bonifatius, kämpferisch und friedensstiftend zugleich aufgetreten. Sein Erfolg in der Mission und Organisation der nördlichen Kirchenstrukturen des Reiches sei auf sein „ganz vom Geist Gottes erfülltes lebendiges Vorbild“ zurückzuführen. Über 70 Bundesbrüder und Gäste dankten Propst Dr. Engel mit großem Beifall für seine ausgezeichnete Festrede - auch für seine launige „Zugabe“, einem auf Ludgerus, die alte Reichsabtei und den Heimatstolz der Werdener gemünzten Gedicht, mit der Engel die „Fünfte Jahreszeit“ des Karnevals in dem heutigen Essener Stadtteil einleitete. 

UNITAS an der Ruhr 

Sichtlich wohl beim schwungvoll geschlagenen Ludgerus-Kommers fühlten sich die Chargenabordnung und Gäste der K.D.St.V. Saxo-Thuringia zu Bochum im CV. Der Aktivenvertreter West, Oliver Becker, überbrachte die Grüße des Verbandes, Dr. Winfried Glass sprach als Vorsitzender des Altherrenzirkels Bochum. Diakon Helmut Wiechmann griff vor den aus dem Ruhrgebiet, Saarbrücken, Würzburg und Nürnberg angereisten Ruhranen für die Grußworte des AHV und des Ehrenseniors Norbert Klinke zum Mikrophon. Thomas Kleinschnittger, selbst gebürtiger Essener, motivierte als Senior der Unitas Salia und amtierender BUV-X die Ruhr-Aktivitas und Vertreter der umliegenden Ruhr-Zirkel mit einem herzlichen: „Ihr im Revier - gemeinsam nach vorn!“ 

„Die Ruhr und die UNITAS gehören zusammen“, unterstrich Kommerspräside Dr. Christof Beckmann und erinnerte daran, dass die entscheidenden Wurzeln des UNITAS-Verbandes im späteren Ruhrgebiet lagen: Mit dem 1830 geborenen Hermann Ludger Potthoff, der vor genau 150 Jahren erstmals seine in Bonn studierenden Brüder Wilhelm und August besuchte, sei die entscheidende Wende von der Ur-Ruhrania zur UNITAS erfolgt. „Unter seinen aus anderen heutigen Essener Stadtteilen stammenden Bundesbrüdern wurde er für den Umbau des mehr lokal ausgerichteten Vereins die entscheidende, treibende Kraft“, erklärte AH Dr. Beckmann mit dem vor 145 Jahren niedergelegten Protokollauszug vom 2. Februar 1854. Die Ruhrregion verbinde sich mit vielen wichtigen Namen der Verbandsgeschichte: Etwa mit Wilhelm Pingsmann aus Werden, später Kölner Domkapitular und Offizial der Erzdiözese, mit Ludger Kleinheidt, Generalvikar des Erzbistums Köln und Domdechant, gebürtig aus Heisingen, oder mit dem in Schönebeck geborenen ersten Parlamentarier aus dem UV, Wilhelm Lindemann.

Potthoff - Vater der UNITAS

Hermann Ludger Potthoff, der zweifellos durch seine Jugend im Schatten des Werdener „Doms“ geprägt gewesen sei, habe an allen entscheidenden Nahtstellen der UNITAS-Geschichte mitgewirkt und wichtige Aufgaben übernommen: So bei der mit der Verbandsgründung verbundenen Ausweitung des Verbandes 1855 von Bonn nach Tübingen und Münster, in seinem Amt als Schriftleiter des Verbandsblattes, in der Frage der Öffnung des Verbandes für Nichttheologen bei der außerordentlichen GV in Neuß 1887, die er mit dem damaligen Senior der UNITAS in Bonn, Dr. Peter Kreutzer, Ferdinand Rheinstädter und Joseph Prill etwa gegen den Widerstand von Franz Hitze durchsetzte. 

110 Jahre Essener AHZ

Zu Potthoffs Verdiensten zähle nicht zuletzt seine Anregung zur Gründung von örtlichen Vereinigungen der ehemaligen studentischen Mitglieder. Dass noch in Potthoffs Todesjahr 1888 durch Professor Dr. Joseph Prill, damals Religionslehrer am Burggymnasium in Essen, der erste Altherrenzirkel des UNITAS-Verbandes in Werden gegründet wurde, gab dem Vorsitzenden des Essener Jubelzirkels, Dr. Richard Wessendorf, Gelegenheit, auf neuere Quellen zu verweisen. In seinem Grußwort berichtete er von neuen Recherchen zur Gründung des Zirkels und zur Lebensgeschichte von Bundesbruder Prill, der lange Zeit in Essen wirkte und unter dessen Schriftleitung das Verbandsblatt „unitas“ seinen Namen erhielt. 

Noch sei die „unitarische Geschichte“ der Stadt zu wenig erforscht, betonten Wessendorf und Beckmann: In ihr wirkten der spätere Kölner Kardinal Antonius Fischer, Karl Joseph Kuckhoff, der erste Geschichtsschreiber des Verbandes, und Dr. Peter Kreutzer, der „zweite Gründer“ der UNITAS und erste Essener Stadtdechant. Aus der Altenessener Pfarrei Kreutzers, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 65. Mal jährt, ging auch der vor zwei Jahren verstorbene Bundesbruder Dr. Carl Klinkhammer hervor. Der als erster Priester von den Nazis verhaftete „rote Ruhrkaplan“ und spätere „Bunkerpfarrer“ von Düsseldorf hatte 1955 den Antrag ausgeschlagen, Bischof des neugegründeten Bistums Essen zu werden. Dass bis heute eine enge Verbindung der UNITAS mit dem Ruhrbistum bestehe, zeigten auch die Bundesbrüder Prälat Prof. Dr. Gerhard Fittkau, durch sein in zehn Sprachen übersetztes Buch „Mein 33.Jahr“ bekannt, und Prälat Dr. Paul Aufderbeck, Emeritus des Essener Domkapitels. 

Für 140 Semester Treue zur UNITAS ehrten die Ruhranen auf ihrem Ludgerus-Kommers Anneliese Serno. Als Couleur-Dame bei Sigfridia-UNITAS in Breslau hatte sie im Wintersemester 1928/29 die UNITAS kennengelernt. Solange die Unitarier aus Bochum-Essen-Dortmund in ihrer Nachbarschaft muntere Feste feiern, gab es keine festliche Veranstaltung, auf der sie fehlen dufte. Aus gutem Grund wurde sie nach dem Kommers mit Blumen und Fahnenspalier nach Hause begleitet. 

Dass die reisefreudigen Revier-Unitarier von der A 40 wirklich feiern können, bewies der donnernde und „flözesprengende Ruhr-Salamander“, den die Bundesbrüder auf das 110jährige Jubiläum des Essener Altherrenzirkels, den neurezipierten Fuxen Christoph Eberz und auf das Gelingen des Ludgerus-Festjahres in Potthoffs Heimatstadt rieben. In der festen Aussicht, dass weitere Spe-Füxe an der Ruhr noch in diesem Semester aufgenommen werden können: Denn trotz mancher fremd klingender Kommandos zeigten sich eine Reihe von studierenden Gästen vom spät verklungenen Werdener Ludgerus-Kommers recht angetan - der laut, wohltönend und fröhlich singenden Corona sei Dank.
CB



Veröffentlicht am: 10:35:59 17.01.1999
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