Die Wahrheit und ihre Dimensionen


Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Philosophische Grundfragen, die jede Kultur der Menschheitsgeschichte beschäftigen, standen im Mittelpunkt der WS im "Feldschlösschen" am Donnerstag, 9. Februar 2006. Mögen sich solche Fragen für den Praktiker und Tatmensch zunächst als eher abgehobene und abstrakte, „akademische“ Probleme darstellen, verwandelten sie sich im Vortrag von Referent Winfried Knobloch und anschließender Debatte in sehr alltagsbezogene Themen. 


Ruhranen-Senior Sebsatian Sasse (links) und der Referent, Winfried KnoblochGanz nach logischen Kriterien und Methoden zerlegte der Diplom-Mathematiker die Dimensionen des Wahrheitsbegriffs, ohne etwa „letzte“ oder „ewige“ Wahrheiten gleich an den Anfang zu stellen: Wahrheit sei immer ein zuerst sehr nach individuellen Aspekten, aus unterschiedlichen Gesichtspunkten und Blickwinkeln wahrgenommener Ausschnitt der Wirklichkeit, eine in kommunikativen Prozessen gewonnene, von sprachlichen und anderen Konventionen, vielfältigen Bedingungen und Denken bestimmte, immer nur ausschnitthafte Wahr-Nehmung und An-Erkenntnis von Plausibilität, die bestimmte Sachverhalte für „wahr“ halten lässt.

 

Mehrdimensionale Wahrheiten

 

Doch bei mehr oder weniger einfachen Definitionen beließ es der Referent nicht. Die Problematisierung und die Diskussion der alltagspraktischen Seite des Themas zeigte: Das Nachdenken großer Denker und Philosophen galt und gilt „fürwahr und in Wirklichkeit" keiner einfachen Materie: Was die „Wirklichkeiten“ und „Wahrheiten“ in unterschiedlichen Kulturen und einer von Politik und Medien bestimmten Welt betrifft, ermunterte der Vortrag, noch stärker hinter für „wahr“ oder „unwahr“ gehaltene Sachverhalte zu schauen, die Wahrheiten in vielen unterschiedlichen Positionen zu erkennen. Es gelte, insbesondere die Techniken, Bedingungen und Auswirkungen medialer Vermittlung von Wirklichkeit, die Macht der Sprache und der Bilder einzuordnen. Eine muntere Debatte entspann sich mit Blick auf die „Wahrheit der Wissenschaften“, auf die von vielfältigen Welt-Anschauungen und ideologischen Konzepten geschaffene Realitäten, auf die Wirkung von Literatur – vom Märchen bis zu Science Fiction, über die Deutung der Geschichte, aber auch über die Vermittlung von „unbequemen Wahrheiten“ in unterschiedlichen praktischen Politikfeldern – von der Gesundheitspolitik bis zum Renteneintrittsalter und aktuellen internationalen Krisensituationen. Nicht zuletzt galt die Diskussion dem ganz besonderen Beitrag der Religionen mit ihren Vorschriften, Geboten, liturgischen, kultischen und kulturellen Ausprägungen, ihrer Perspektive auf eine „immer andere“ Wirklichkeit, für die Erkenntnis der Welt.

 

Die Wahrheit ist immer größer

 

Nachdenklich: Die Corona zwischen Wahrheit und Wirklichkeit ...Die Wahrheit, so der Referent, sei schon angesichts der vielen Möglichkeiten der Zugänge zuletzt immer „größer“ als Theorien und partielle „Wahr-Nehmungen“ ihrer selbst. Doch verschaffe die Auseinandersetzung mit dem Thema dem denkenden Menschen, „die Fülle der Wahrheit und Wirklichkeit des Seins und unserer Existenz aufzufächern.“ Hierin liege auch eine Ausdeutung des biblischen Gleichnisses von den Talenten, meinte Winfried Knobloch. Es sei nach christlichem Verständnis vom Menschen Impuls, Antrieb und Aufgabe, gegebene Fähigkeiten und erworbenen Erkenntnisse nach besten Möglichkeiten zu vermehren und einzusetzen.

 

Die Wissenschaftliche Sitzung unterstrich mit ihrer Themensetzung die Grundausrichtung des laufenden Semesterprogramms. „Die Beschäftigung mit diesen grundsätzlichen Fragestellungen bleibt Lebensaufgabe, nicht alle Fragen lassen sich an einem Abend klären, alle Aspekte nennen und vertiefen“, erklärte Senior Sebastian Sasse. Gerade aber die Plattform eines Lebenskreises, der wie die UNITAS auch mehrere Generationen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen übergreife, sei durchaus für die Annäherung einer erfüllten Existenz wie geschaffen: „Jeder Tag ist für dieses Thema wie gemacht. Und es bleibt eine Debatte, die wir weiter fortsetzen müssen“, dankte er dem Referenten für eine konzentrierte und anregende Darstellung und der Runde für einen engagierten Meinungsaustausch. Für die weitergehende Diskussion nutzten die Teilnehmer gleich die erstbeste Gelegenheit - und setzten den Impuls anschließend gleich in die Tat um ....

CB




Veröffentlicht am: 13:03:58 09.02.2006
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