„Protokoll von Staub, Schweiß und Emotionen“

Vor 10 Jahren: Beginn der Totalsanierung im Feldschlößchen

 

ESSEN. Mit Studieren war nicht viel in diesen Wochen und Monaten vor genau 10 Jahren: Am 22. April hatte die entscheidende Sitzung des Hausbauvereins und der Beschluss der Bewilligungskommission das OK gegeben. Das Ziel: Die vollständige Sanierung des 1901 gebauten „Feldschlösschens“ für die Einrichtung eines Hauses für die Ruhr-Unitas. Jetzt setzte am 16./17. Mai 2006 in der Flurstraße geschäftiges Treiben ein, die anwesenden Aktiven krempelten die Ärmel hoch und begannen Fakten zu schaffen.  

 

Start für die Bauarbeiten

 

Vor dem anstehenden Beginn der Bauarbeiten sollte alles raus, was nicht brauchbar, niet- und nagelfest war: Alte Schränke, Regale, Pappe, Kühlschränke und vieles andere wanderten in der Hauruck-Aktion auf den Sperrmüll. Und am Abend trafen sich ermattete Krieger im Garten, um ihre müden Knochen zu pflegen. Ein knappes Dutzend Gäste fand sich am Abend zum Stammtisch um den Conventstisch im Garten ein und führten schnell besorgtes Grillgut in einem längeren Gelage seiner Bestimmung zu. Damit stand definitiv fest: Bis zum Start der Bauerei an der Flurstraße war es nicht mehr weit hin. 

 

Mit dem Vorschlaghammer

 

Die in Eigenarbeit durchgezogene Entkernung des Gemäuers begann schließlich – von oben nach unten - mit einigem Lärm: Sebastian, Roderich, Peter, Richie und Daniel nahmen nach den ersten großen Entrümpelungsaktionen nun schwereres Gerät zur Hand. Die Einbauten aus Küche und Obergeschoss wurden entfernt, die Deckenpanelle freigelegt und mit einiger Gewalt krachend abgeschlagen. Ein fruchtbarer Dreck polterte gleich mit, Staub und Ruß aus mehr als 100 Jahren verteilten sich großzügig im ganzen Haus. Der Plan stand: Aus der Wohnung mit zwei Zimmern, Flur und Bad sollte ein einziger Raum werden. Das Problem: Trennwände mussten raus, das Fachwerk freigelegt werden. Mit gutem Zureden war nicht viel geholfen. Es wurde Zeit für den Vorschlaghammer. Peter und Roderich übernahmen die ersten Schläge. Und nach und nach wurde Licht im späteren Versammlungssaal unter den Türmen...

 

 

 

Im Bild: Roderich Oberstehöhfeld mit dem ersten Hammerschlag, Daniel Muschellik, der neugewählte „Major Domus“ Peter Helmus und Ehrensenior CB sahen aus wie nach einer Schicht „unter Tage“. Und ein Ende war so schnell nicht abzusehen ....  

 

Überall nichts als Schutt

 

Einbauten auf dem oberen Treppenansatz flogen raus, Berge von Holz mussten vom Grundstück geschafft werden. Norbert übernahm den Transport und das Schlangestehen am Recyclinghof, während im Haus die Geschichte ihren Lauf nahm: Laufplanken für Schubkarren entstanden, eine Rutsche beförderte den Schutt rumpelnd und krachend in die Container auf dem Parkplatz. Hägar, zum kommissarischen Bauleiter und Sicherheitsbeauftragten ernannt, riss die Elektrik raus, sorgte für stromfreie Leitungen. Für das Bestehen des vom Verein neu eingerichteten Studiengangs „Abrisswissenschaften / Facility Demolition & Reconstruction Management“ blieb eine Menge zu tun: Bis in die zweite Julihälfte flogen die Trockenbauwände, Holzeinbauten und abgehängten Decken raus, gefliesten Fußböden und Sanitäranlagen wanderten hinterher. Abendliche gesellige Runden sorgen für reviertypische Atzung, die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Haus empfahlen die Ruine als ideales Ziel für Fuxenfahrten der anderen Art. Eine besondere Freude: "Mutter" Unitas-Salia aus Bonn machte die unitarische Bundesbrüderlichkeit perfekt. Zwei Aktive schufteten solo auf der Baustelle - eine tolle Leistung!

 

Sommergrüße aus dem Dreck!


Anfang Juli vermerkte das Bautagebuch, das mit den Ereignissen kaum noch Schritt halten konnte: „Drückende Temperaturen, Staub ohne Ende, Dreck wohin das Auge blickt und der Schweiß fließt in Strömen. Doch langsam entstehen Räume, die der Architekt des „Feldschlösschens“ 1901 noch gesehen hat.“ Zwischenzeitlich sorgte ein sanfter Regen wieder für klare Luft. Er spülte den allgegenwärtigen Staub vom Gehsteig, der sich beim Prasseln und Poltern der Schuttmengen in der ganzen Gegend verteilte. Bis Mitte Juni hatten 50-60 Kubikmeter Schutt im freien Fall das Unitas-Haus auf diesem Weg schon verlassen, Mauersteine, Trockenbauplatten, Gips, Putz, Holzeinbauten, Fliesen, Glasfaserballen und  Tapeten. Es sollten schließlich 17 Container und fast 100 Kubikmeter Abraum werden.
 

 

Kneipe muss dran glauben

 

Am Dienstag, 17. Juli, kreiste der Hammer schließlich auch im bisherigen „Allerheiligsten“. Bis zuletzt war der Schauplatz so mancher fröhlicher Ereignisse noch verschont worden. Doch nun musste auch die ehemalige Gastronomie dran glauben: Eine gemeinsame Hauruck-Aktion entsorgte Sitzgruppen, Theke, Schränke und Einbauten, Kabel und Sicherungskasten im Erdgeschoss. Fahnen, Vereinsfotos und Devotionalien verschwanden in Umzugskartons, Töpfe, Gläser, sämtliches Essgeschirr und unzählige Besteckteile. Der guten Laune der Aktiven aber, die unter tatkräftiger Mithilfe des Essener UNITAS-Zirkelvorsitzenden Martin Gewiese an- und einpackten, tat der Abschied vom alten Tagungsdomizil allerdings keinen Abbruch, denn für einen zünftigen Schluck war immer gesorgt.

Bis Ende Juli waren in der ehemaligen Küche der Kneipe sämtliche Einbauten entfernt, vom Obergeschoss blieb fast nur noch das reine Fachwerk mit freiem Blick in die Dachkonstruktionen. Nur im ersten Obergeschoss warteten noch Möbel auf ihren Abtransport - auch hier mussten bald fleißige Zeitgenossen die Wände und Decken „hochgehen“ können. Im August 2006 wurden die ersten Handwerker erwartet - und fast 14 Monate später sollten die ersten Bewohner einziehen. 

Natürlich war ziemlich klar, dass keine universitäre Anstalt jemals den bei der Abschlusskneipe verliehenen Leistungsnachweis angenommen hätte. Aber den Abrisswissenschaftlern aus dem Sommersemester 2006 lässt sich die gemeinsame Erfahrung aus Staub, Schweiß und Emotionen sicher nie mehr nehmen.
....




Veröffentlicht am: 19:20:30 04.07.2016
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse