Erinnerungen an den XX. Weltjugendtag in Essen …

Unvergessen: Der XX. Weltjugendtag in Essen

Auch wenn die Bildqualität so langsam abnimmt – Erinnerungen, die daran hängen, kann man immer auffrischen. Mit den WJT-Pilgern aus Zabrze/Hindenburg in Polen, die damals auf dem Unitas-Haus wohnten, aber auch den palästinensischen Pfadindern hatte Borbeck viele Gäste. Der Begrüßungsabend für alle fand im Biergarten des „Feldschlösschens" statt, das damals noch anders aussah, die Arena „Auf Schalke“ war der Ort für einen großen Gottesdienst im Bistum, ein „Deutschlandfest“ stieg an der Katholischen St.Dionysius-Schule und natürlich gabs jede Menge Party bei der Unitas Ruhrania, die auch zur Vigilfeier und Abschlussmesse mit einer Delegation auf dem Marienfeld bei Köln war...

Am 19.8.2011 erinnerte der folgende Artikel bereits an diese Tage, die für die Ruhranen zur Initiazündung wurden ...

ESSEN. „Mann, da war auch hier richtig was los“ – viele erinnerten sich angesichts der Bilder vom XXVI. Weltjugendtag in diesen Tagen an die Zeit vor sechs Jahren: Damals versammelten sich auf dem Marienfeld bei Köln über eine Million Menschen zur größten Open-Air-Messe auf deutschem Boden. Mit dabei auch Bundesbrüder und Bundesschwestern aus der Unitas, bewegt von monatelangen Vorbereitungen und Erfahrungen von den „Tagen der Begegnung“, die auch im Bistum Essen stattfanden.

UNITAS „kreuzbewegt“

Bereits Ende November 2004 war Borbeck Ort eines besonderen Ereignisses: In der brechend vollen Dionysius-Kirche stand das Weltjugendtagskreuz im Mittelpunkt. Selbst Felix Genn, damals Bischof von Essen und damals ganz überraschend in der Kirche aufgetaucht, war überrascht: „Ich dachte, dort ist jetzt so eine kleinere Gruppe, die vor dem Kreuz betet und da kannst du dich anschließen. Und dann sehe ich eine solche Gemeinde, das hat mich natürlich bewegt“, erklärte er in einer spontanen Ansprache vor gut 400 Menschen. „Aber sie merken die Faszination und die Anziehungskraft. Das Kreuz zieht an - wir sind kreuzbewegt!“

Unitas wacht am Weltjugendtagskreuz

Bannerabordnungen, Pfadfinder und Ehrengarden hatten das 3,80 Meter hohe Holzkreuz mit Fackeln und Kerzen in ihre Kirche begleitet. Bis zum frühen Morgen hielten Jugendliche Nachtwache, beteten und sangen vor dem Kreuz und der Marien-Ikone. Die Aktiven der UNITAS Ruhrania, verstärkt durch Vorortschriftführer Gordian Geilenkirchen von UNITAS Rheinfranken Düsseldorf, übernahmen von 2 bis 4 Uhr in der offenen Kirche mit ihrem Banner die Nachtwache am Kreuz, der sich auch ihre Borbecker Farbenbrüder des CV anschlossen.

Mit dem Vereinsgebet eröffnete FM Rüdiger Duckheim die mit Psalmen, Gebeten, Textimpulsen, Taizé-Liedern und Gregorianischen Gesängen von CD gestalteten Stunden. Zu den selbst formulierten Fürbitten stellten sie Lichter an das Kreuz, sangen im Magnifikat das Marienlob und schlossen die Lebenden und Verstorbenen der ganzen UNITAS-Familie in ihr Gebet ein. Dieses schlichte Kreuz einmal gemeinsam und fast für sich allein in den Blick nehmen zu können, war für alle Bundesbrüder ein besonderes Erlebnis“, so damals der Bericht in der Verbandszeitschrift über die Vigilfeier, die mit einem gemeinsamen Frühstück im benachbarten Jugendheim und einer Frühschicht um 6 Uhr morgens zu Ende ging.

Glaube bedeutet Beziehung

Mit Blick auf das kommende Großereignis und das 150-jährige Bestehen des UNITAS-Verbands wandte sich Ende April 2005 Bbr. Helmut Wiechmann (UNITAS Ruhrania), damals Kaplan in Essen-Stoppenberg und Geistlicher Verbandsbeirat, an die Unitas-Familie:

„Damit der Weltjugendtag, aber auch unser Jubiläum gelingen können, müssen wir als echte Christen auftreten. Und darauf achten, dass etwas bleibt – über den Tag hinaus. Mehr als die Erinnerung an schöne Gemeinschaft, sondern ein Auftanken für die Zukunft“, schrieb er in der ersten Nummer der Verbandszeitschrift. „Wir wollen von diesen Höhepunkten in diesem Jahr an unsere Arbeit vor Ort zurückkehren – aufgetankt mit dem Glauben der Kirche, mit der Freude, dass wir den Herrn in uns tragen. Ich glaube fest, dass auch heute Menschen sich gerne dem Volk Christi und uns anschließen, wenn sie vor allem eines spüren, dass unser Glaube nicht in erster Linie irgendein Wissensgebäude ist oder aus Events besteht, sondern dass unser Glaube Beziehung bedeutet – Beziehung mit dem Menschen, Beziehung mit Gott, Vertrautsein mit dem anderen, Vertrautsein mit dem Glauben, mit dem Evangelium der Frohen Botschaft unseres Herren Jesus Christus. Dass es vor allem heißt zu spüren, von Gott geliebt und berufen zu sein zu einem Leben in Fülle.“

Am 2. April 2005 tauchten viele Kerzen das Möllhovenkreuz an der Ecke Flurstraße in ein sanftes Licht: In der Nacht versammelten sich gut 20 spontan zusammentelefonierte Bundesbrüder mit Nachbarn dort zum öffentlichen Rosenkranzgebet für den sterbenskranken Papst Johannes Paul II. – sein Sterben vor aller Welt und sein Tod versetzten viele in Trauer. Der „Vater der Weltjugendtage“ würde nun nicht nach Köln kommen, doch das außergewöhnlich schnelle Konsistorium und die Wahl seines Nachfolgers brachten am 19. April bereits Gewissheit: Kardinal Ratzinger – nun Papst Benedikt XVI. – würde in Deutschland empfangen werden.

Im Mai feierte der gesamte Verband am Ort der ersten Unitas in Bonn das 150-jährige Verbandsbestehen. Wenig später wurde nach der großen Prozession mit Pfr. Dr. Jürgen Cleve der neue Pfarrer an St. Dionysius eingeführt, muntere Veranstaltungen füllten das erst ein gutes Jahr zuvor in Besitz genommene und inzwischen von großflächigen Graffitis verunzierte „Feldschlößchen“. Bald aber schmückte auch eine große WJT-Fahne das Haus …

Heiße Tage im August 2005

Kurz nach Beginn der Semesterferien im Sommer fiel der Startschuss für den Höhepunkt des Jahres: Vorbereitet durch mehrere Convente, verwandelte sich das „Feldschlößchen“ zum Borbecker WJT-Zentrum: Vom 10.-18. August nahmen 12 polnische Jugendliche aus der Essener Partnerstadt Zabzre im Haus Quartier. Schlafplätze wurden hergerichtet, aber es entstand in einem ehemaligen Zimmer im heutigen Conventsaal auch eine kleine Kapelle mit einem aus St.Dionysius geliehenen großen Kreuz, Papstbild und Vatikanfahnen. Der Bericht im September fasste zusammen:

"Schon vor dem Sommersemester stand die Planung für intensive Tage im westlichsten Stadtbezirk von Essen. Statt im sanierungsbedürftigen Gemäuer abzureißen, bettelten die Aktiven überall erst einmal vor den „Tagen der Begegnung“ nicht nur Getränke und anderes Nützliches zusammen, sondern fuhren auch beim Baumarkt vor. Und kehrten zurück mit ordentlichem Teppichboden – weil der Ruhrpott sich in Sachen Gastfreundschaft nicht lumpen lässt, zahlten sie keinen Cent. Der Biergarten wurde „blatt- und staubfrei“ gemeldet, das ganze Haus auf Vordermann gebracht. Denn schließlich erwartete man Gäste: Nicht nur 12 Pilger aus Gleiwitz und Zabrze/Hindenburg in Oberschlesien, die im Obergeschoss ein perfektes Lager bezogen, sondern die gesamten Pfarrgemeinden St. Dionysius und St.Maria Immakulata mit allen 81 WJT-Gäste aus Polen, Nazareth und Ungarn.“


Große WJT-Fèten auf dem UNITAS-Haus

 Auf dem Programm mit den Gästen: Ein Erkunden von Gemeinde und Stadtteil, gemeinsame Hl. Messe, eine Begegnung auf dem UNITAS-Haus, sie waren beim „Tag des sozialen Engagements – Under Construction“ dabei und wurden zu einem großen Begegnungsfest der Gemeinde auf dem Gelände der Dionysius-Grundschule geladen. „Das alles ist Deutschland, das alles sind wir…“, so hieß das Motto für die mit vielen Ständen bestückte Feier, zu der die polnischen Gäste und die palästinensischen Pfadfinder einiges an musikalischer Action beitrugen. Der Bericht notierte:
 
„Zwei große Zelte im Biergarten, Schirme und Beleuchtung, ein großer Bierwagen, Musikanlage, ein Riesenbüffet und mehr sorgten beim offiziellen Begrüßungsabend am 11. August für tolle Stimmung. Tat man sich beim WJT-Song, dem ersten „Venimus adorare“ zur Gitarre noch schwer, so stimmten bald schon die gesamten Messdiener, Pfadfinder, Jung-Unionisten, Kolpingbrüder und Ehrengardisten samt Pfarrer und Vikar in den Gesang ein. Keine Frage, dass auch in den nächsten Tagen bis zur Abschlussfète das Ruhranen-Haus der feste Treffpunkt für viele der Gäste und Gastgeber war. Immer standen die Bundesbrüder zur Verfügung, frisch gewandet in einheitlichen blauen Poloshirts und sofort an Schriftzug und Zirkel erkennbar. Viele gemeinsame Erlebnisse, die Messen, unzählige Gespräche und Begegnungen bis zum Abschied am 15. August haben unvergessliche Tage geprägt. Die eigenen Gäste trugen stolz das UNITAS-Zeichen auf eigens angefertigten T-Shirts und ein paar Tränen wurden durchaus verdrückt, als es für sie auf nach Köln ging. Mit einer fünfköpfigen Abordnung folgten die Ruhranen an den Rhein, eine eigene Fahne im Gepäck. Auch sie hatten bei ihrer Heimkehr viel zu erzählen.“

„Für uns eine Initialzündung“

Die unter den frischen Eindrücken gezogene Bilanz fiel eindeutig aus: Viel Arbeit, wenig Schlaf, aber ein perfekter Auftakt für die anschließende Exkursion zum WJT nach Köln selbst, wo Bundesbrüder, Bundesschwestern und Gäste an der eindrücklich gestalteten Vigilfeier und der überwältigenden Abschlussmesse mit Papst Benedikt teilnahmen:


„Für die UNITAS Ruhrania waren die Tage so etwas wie eine Initialzündung. Wer im Umkreis bislang glaubte, dass sich ein Verein mit eigener Gaststätte zumeist auch darin aufhält, gewann einen neuen Eindruck. Interessierte Fragen nach Sinn und Zweck einer unitarischen Gemeinschaft kamen nicht nur aus der Pfarrgemeinde, ihren Gruppen oder aus der Nachbarschaft, sondern auch etwa von Vertretern der Bezirksvertretung. Die geistlichen Begleiter der polnischen Gäste fragten nach, wenn es um „Unitaria“ ging – Adressen wurden ausgetauscht, ein lettischer Priester war überzeugt: „UNITAS ist auch etwas für uns.“ Und man bleibt im Gespräch: Ob zum Zapfen beim Pfarrfest angesprochen - selbstverständlich trat die Mannschaft in gut erkennbarer Montur auf – oder bis hin zum Besuch des Bundestagsabgeordneten Andreas Schmidt (CDU), der sich interessiert das Haus zeigen ließ. Auch das „Nachtreffen“ zu den Borbecker WJT-Tagen soll ganz offiziell wieder in der Flurstraße stattfinden.“

 Feier für alle WJT-Helfer bei Ruhrania

Und so kam es dann auch: Gut 60 Gäste aus den Katholischen Pfarrgemeinden St. Dionysius und St. Immakulata schwelgten am 9. November 2005 in Erinnerungen: Der XX. Weltjugendtag stand ganz im Mittelpunkt des Abends, zu dem die Aktiven der UNITAS Ruhrania auf das Feldschlösschen eingeladen hatten. Für die im Gesellschaftszimmer versammelten Gäste war es eine weitere Begegnung mit vielen unvergesslichen Eindrücken, die der Weltjugendtag in der Gemeinde hinterlassen hatte, so ein Artikel am 10. November:

 „Helfer aus den Pfarreien, Gruppen und Vereinen ließen viele Begegnungen auch bildlich an sich vorüberziehen: Viele Hundert Fotos, mit dem Beamer an die Wand geworfen, zeigten, dass sich WJT-Gäste in Borbeck wohlfühlten und erinnerten an die vielen Vorbereitungen, die in Borbeck dafür getroffen worden waren. Als „Geschenk der besonderen Art“ und Ergänzung zu den optischen Eindrücken überreichten die UNITAS-Studenten den auf dem Haus versammelten Gästen auch eine akustische Überraschung: Eine rund 12 Minuten lange Collage fasste Worte von Papst Benedikt XVI., Ruhrbischof Felix Genn, Lieder und Statements von Gästen und Organisatoren zu einem kurzweiligen Stück zusammen, das als CD den Verantwortlichen überreicht wurde.“

 Zu Weihnachten und Neujahr erreichten uns Grüße aus Essens Partnerstadt: „Once more, Thank YOU very, very much for your hospitality during XX Weltjugendtag, Bozena, Iza, Justyna, Malwina, Michalina, Katarzyna & Mateusz from Zabrze”.

„Unglaubliche Wochen damals“

Die ursprünglich geplante Totalrenovierung des UNITAS-Hauses hatte sich zwar verzögert – erst ab Mai 2006 kreiste der Hammer und die erste Zwischenmauer im heutigen Conventssaal fiel. Tonnenweise karrten die aktiven Studenten Schutt aus dem Gebäude und auch die für den WJT geleisteten Verschönerungsarbeiten verschwanden nach und nach in Containern und hinter neuem Putz. Doch auf die intensiven Zeiten des Weltjugendtages will bis heute niemand verzichten. „Was wir heute sind, sind wir auch wegen dieser unglaublichen Wochen damals“, hieß in letzten Debatten zum Thema. „Irgendwie war ja doch viel Gottvertrauen dabei“, so eine andere Stimme. - Stimmt. Ohne das wäre es aber ganz sicher auch nicht gegangen ….


 
 
Artikel:

24.12.2005: Frohe Weihnachten aus Polen
10.11.2005:
WJT 2005 - The never ending story ...
18.09.2005:
Neues aus Essen: „Der WJT war voll ok“, meldet UNITAS Ruhrania
13.12.2004:
Ruhr-Aktivitas wacht am Weltjugendtagskreuz
27.04.2005:
WORT DES GEISTLICHEN BEIRATS – BBR. KAPLAN HELMUT WIECHMANN
Programm WS 05/06

Geschichte des Hauses

 

 




Veröffentlicht am: 17:19:36 20.08.2015
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse