Papst: Lübecker Märtyrer sind Beispiel

 

Die Schlagzeilen überschlugen sich fast: Ein „historischer Besuch“, ein neues Tauwetter zwischen Katholiken und Orthodoxen, hieß es fast euphorisch, der Papst wolle die Wiedervereinigung der fast ein Jahrtausend getrennten West- und Ostkirche, zudem sei er bescheiden, aber wirksam vor der türkischen Führung zugleich für Religionsfreiheit eingetreten. Und er habe in der Istanbuler „Blauen Moschee“ von Sultan Suleiman dem Prächtigen gen Mekka gebetet.

 

Gebet um den Frieden

 

Dass auch katholischen Kirchen nicht einfach in jede Himmelrichtung herumstehen, sondern fast immer nach Osten ausgerichtet sind, war manchem in der fast allgemeinen Begeisterung wohl untergegangen. Vor der Gebetsnische hatte Papst Franziskus neben dem Großmufti die Hände gefaltet, die Augen geschlossen und den Kopf gesenkt. Und machte tatsächlich deutlich: Er hat gebetet. „Als ich in die Moschee ging, konnte ich nicht sagen, ich sei ein Tourist“, erklärte er nach dem Bericht von Radio Vatikan bei der „Fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Heimflug nach Rom. Er sei von der Schönheit der Moschee und den Erklärungen des Großmufti beeindruckt gewesen. In diesem Moment habe er das Bedürfnis zum Gebet verspürt. „Beten wir?“ habe er den Mufti gefragt. „Dann habe ich für die Türkei gebetet, für den Frieden, den Mufti, für alle und für mich. Vor allem jedoch für Frieden.“

 

Die Lübecker Märtyrer

 

Was insbesondere die Mitglieder der Unitas aufhorchen lassen wird: Als es bei dem Gespräch mit den mitgereisten Journalisten um das Thema „Ökumene“ ging, kam der Papst auf die Lübecker Märtyrer zu sprechen. Dabei nahm er Bezug auf eine Erfahrung in Hamburg, die sich vor mehreren Jahrzehnten zutrug:

 

„Als ich in Deutschland war, sollte ich nach Hamburg zu einer Taufe fahren. Und der Pfarrer erzählte mir von dem Heiligsprechungsprozess für einen Geistlichen, der von den Nazis umgebracht wurde, weil er den Katechismus unterrichtete. Er habe herausgefunden, dass da auch ein lutherischer Pfarrer war, der aus den gleichen Gründen hingerichtet wurde. Das Blut der beiden hatte sich vermischt. Dieser Priester ist dann zu seinem Bischof gegangen und hat gesagt: ‚Ich betreibe den Heiligsprechungsprozess nicht mehr nur für den katholischen Priester - entweder für beide oder für keinen! Das ist die Ökumene des Blutes.“

 

Mit diesen von Radio Vatikan wiedergegebenen Äußerungen verwies Papst Franziskus auf die drei katholischen Kapläne Bbr. Johannes Prassek, Bbr. Eduard Müller und Hermann Lange sowie auf den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Als Gegner des nationalsozialistischen Regimes wurden die „Lübecker Märtyrer“ am 10. November 1943 im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis gemeinsam durch das Fallbeil hingerichtet. Bei der Seligsprechung der katholischen Geistlichen am 25. Juni 2011 wurde auch des evangelischen Pastors Stellbrink in Lübeck ehrend gedacht.
 




Veröffentlicht am: 17:50:19 01.12.2014
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