Am 16. August: Festliche Altfrid-Kneipe in Essen

 

ESSEN-BORBECK. Wer oder was ist Altfrid? Allen Uneingeweihten mag er Zopfzerbrechen machen. An der Ruhr wissen sie Bescheid. Darum lädt die Ruhr-UNITAS auch wieder für Samstag, 16. August, zur traditionellen Altfrid-Kneipe nach Essen. Das Sommerevent beginnt um 20 Uhr im Conventsaal des „Feldschlösschens“ im UNITAS-Haus an der Flurstraße 67.

 

Dass es kaum eine schönere Gelegenheit gibt, seine Verbundenheit mit Stift und Stadt Essen zu zeigen, liegt auf der Hand. Auf dem Domvorplatz steht er in Bronze gegossen, die von ihm gegründete Stiftskirche nach alter Väter Sitte auf der Hand: Altfrid, dessen besonderer Festtag im Ruhrbistum an seinem überlieferten Todestag am 15. August mit feierlichem Gottesdienst und der Aussetzung seines Reliquienschreines in der Münsterkirche gefeiert wird.

 

Ein Sonderfest, das es so kaum woanders gibt. Im nächsten Jahr steht Altfrid (* um 800; † 15. August 874) erst 50 Jahre offiziell auf dem Heiligenkalender. Auch wenn seine Verehrung weit in die Vergangenheit zurückreicht: Schon um das Jahr 1000 werden an seinem Grab in der Essener Münsterkirche Wunder berichtet, die als heilkräftig angesehene Wirkung einer unweit gelegenen Quelle wird seiner Fürbitte zugeschrieben. Als die Verehrung wächst, wird im 13. Jahrhundert ein gotischer Steinsarkophag für seine Gebeine geschaffen. Und das vom fürstlichen Essener Frauen-Stift gefeierte Jahresgedächtnis wird zum festlichsten im Memorialdienst der im Jahr 852 gegründeten Keimzelle der heutigen Stadt.

 

Altfrid: Einer ersten bekannten Essener

 

Kein kanonisierter Heiliger also, aber ein Typ von europäischem Format. Ein Spross mächtiger adeliger sächsischer Verwandtschaft, der eine umfassende klösterliche Ausbildung - wohl im mächtigen Kloster Corvey - genießt. Als Geistlicher wirkt er an der Gründung mehrerer religiös verfasster Frauengemeinschaften wie in Lamspringe und Gandersheim mit. Und ist weitgereist: So erwirbt er 845/47 in Rom Reliquien der heutigen Essener Stadtpatrone Cosmas und Damian.

 

Wenn man so will, ist er einer der ersten bekannten Essener überhaupt. Sein Eigenbesitz am Hellweg im Herzen der heutigen Stadt trägt den Namen „Asthnide“, von ihm ist ihr heutiger Name abgeleitet. Mit seiner gesamten Familie ruft er hier ein Kanonissenstift ins Leben und lässt einen Kirchenbau errichten. Noch heute ist dessen Grundriss im Lang- und Querhaus des Essener Münsters sichtbar.

 

Diplomat und Friedensstifter


Altfrid macht Karriere. Es helfen gute Kontakte zum ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen. Der macht sich bei der Wahl des neuen Bischofs von Hildesheim 851 für Altfrid stark: Er schätzt ihn als klugen und nüchternen Denker und begabten Redner. Bischof Altfrid wird einer der engsten Ratgeber und Vertrauten des Königs. Für ihn holt Altfrid viele Eisen aus dem Feuer, ist in zahlreichen diplomatischen Missionen unterwegs. Als sich die Machtverhältnisse auf dem Kontinent neu sortieren, ist er mittendrin: Ab 860 ist er einer der entscheidenden Unterhändler in den Machtkämpfen zwischen den Teilen des zerfallenden Frankenreiches. Ständig ist er auf Reisen, 860 bei einem Treffen von Ludwig dem Deutschen und dem Westfrankenherrscher Karl dem Kahlen in Koblenz, 862 in Asselt an der Maas, in Compiegne und Savonnières, 864 in Pitres, 865 in Thousey an der Maas und 867 in Metz.

 

Jahrelang dauern die Verhandlungen, bis am Ende der Vertrag von Meersen auf dem Tisch liegt, mit dem am 9. August 870 das Mittelreich Lothringen zwischen West- und Ostfrankenreich aufgeteilt wird. Altfrid hatte maßgeblichen Einfluss auf dessen Gestaltung, wird für sein Wirken als Friedensstifter und als Festiger des kirchlichen Lebens gewürdigt.

 

Erbauer des Hildesheimer Mariendoms

 

Dabei hat er in Hildesheim genug zu tun. Die von Kaiser Ludwig dem Frommen 815 zur Mission gegründete Diözese ist im Aufbruch, die Stadt wächst. Altfrid, vierter Bischof des Bistums, steckt seit 866 in wegweisenden Bauarbeiten: Sein großer neuer Dom ist im Entstehen, integriert wird der kleine Vorgängerbau, der Hl. Cäcilia geweiht. Seine Beziehungen zu Essen aber bleiben eng: 870 legt er am Fest von Cosmas und Damian den in Köln zu einer Synode versammelten Bischöfen die Stiftungsurkunde eines Frauenstiftes in Essen zur Bestätigung vor - Töchter aus sächsischem Hochadel sollen hier erzogen und ausgebildet werden. Erste Äbtissin wird seine Schwester Gerswid.

 

Zwei Jahre später steht sein Dom in Hildeshein. Er wird am 1. November 872 zu Ehren Mariens, Cosmas und Damians, Cäcilias, Valerians und von Tiburtius geweiht, in Gegenwart von vier Bischöfen und des Abtes von Corvey. Als er zwei Jahre später stirbt, hat Altfrid entscheidende Zeiten mitgeprägt – im Reich und in der sich immer dichter organisierenden Missionslandschaft Nordwestdeutschlands. Es ist der Vorabend der Pest, mordbrennende Normannen fallen ins Reich ein, als er „reich an Jahren“ sein Leben vollendet: Nach dem Necrologium des Essener Stiftes am 15. August 874, dem Tag, der heute noch begangen wird.

 

Seinem Wunsch gemäß wird er in der Essener Münsterkirche begraben. Dort steht in der nach ihm benannten Ostkrypta das Altfrid-Grabmal aus gotischer Zeit. Seine nach der Säkularisation zurückgegangene Verehrung lebt mit der Gründung des Bistums Essen wieder auf, als der erste Ruhrbischof und  spätere Kardinal Franz Hengsbach 1958 in Rom die Bestätigung der kirchlichen Feier des Festtags des heiligen Altfrid ersucht. Sie wird 1965 erteilt, und Altfrid darf seitdem als Heiliger verehrt werden. Sein Gedenktag ist der 16. August.

 

1200 Jahre Stadt und Bistum Hildesheim

 

Stadt und Bistum Hildesheim haben die Feiern ihres 1.200-jährigen Bestehens im kommenden Jahr unter das Leitwort „Ein heiliges Experiment“ gestellt. Schon jetzt wirft das Ereignis seine Schatten voraus: Das Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) bereiten eine Leitausstellung unter dem Titel „Die Wurzeln der Rose – Hildesheim im Mittelalter: Vom Bischofssitz zur Bürgerstadt“ vor, zahlreiche Fundstücke aus archäologischen Dom-Grabungen steuert das Bistum bei. In der von Frühjahr bis Herbst 2015 geöffneten Schau werden zum Teil erstmals öffentlich präsentierte Exponate gezeigt, die den Weg vom Bischofssitz zur Bürgerstadt im frühen und hohen Mittelalter nachzeichnen. Sie sollen die enorme Bedeutung Hildesheims für das mittelalterliche Nordeuropa deutlich machen, vor allem im Bereich der Bildung.

 

Frisches Weltkulturerbe

 

Das Fürstbistum Hildesheim (1235-1803), in dem die Bischöfe zugleich Landesherren waren, kam mit 1824 neu gezogenen Grenzen Diözese 1929 zur Kirchenprovinz Paderborn, 1995 mit rund 640.000 Katholiken zur neu gegründeten Metropolie Hamburg. 1985 erklärte die Weltkulturorganisation Unesco den Hildesheimer Mariendom und den Domschatz zum Weltkulturerbe. Und der strahlt jetzt nach mehr als vierjähriger Renovierung jetzt wie neu. Rund 37,2 Millionen Euro wurden dazu nach Angaben des Bistums zur Hälfte aus Kirchensteuermitteln aufgebracht, die andere Hälfte aus Mitteln des Bundes, des Landes, der Unesco, aus Fundraising-Erträgen, Spenden und Stiftungen. Am Freitag, 15. August 2014, dem Fest Mariä Himmelfahrt, wird er mit zahlreicher kirchlicher und staatlicher Prominenz feierlich wiedereröffnet. Der Apostolische Nunitus wird dabei einen besonderen Gruß von Papst Franziskus im Gepäck haben.

 

Bis heute sind die Städte und Bistümer Hildesheim und Essen durch eine schöne Legende verbunden: Eine einfache Hundsrose (Rosa canina), Ausgangspunkt der Geschichte vom „Tausendjährigen Rosenstock“, rankt sich fast 10 Meter hoch am Chor des Mariendoms und überstand selbst die Bombenangriffe des II. Weltkriegs, verbrannt und unter Trümmern. Ein Ableger davon wächst ganz in der Nähe der Altfrid-Statue am Dom in Essen, die 1974, vor 40 Jahren, von Ludwig Deller geschaffen wurde. Nicht so hoch, auch noch nicht so lange - aber auch in Essen eben.

 

 


 

BILDER: Moderne Statue des Hl. Altfrid von 1974 vor der Essener Domschatzkammer. In der Hand hält Altfrid in Anlehnung an mittelalterliche Stifterbilder ein Modell des ersten Essener Münsters / Der Essener Necrolog, aufgeschlagen auf der Seite mit Altfrids Eintrag: „Fest der Aufnahme der Heiligsten Jungfrau Maria in den Himmel: Alfridus episcopus fundator ecclesiae ….“ (Bilder: Wikipedia)


Veröffentlicht am: 23:05:19 12.08.2014
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