Vereinsfest wunderbar ex

Katholische Soziallehre stand im Mittelpunkt 


ESSEN.
Die Ruhr-Unitas lud am Sonntag, 26. Januar 2014, zu ihrem Vereinsfest zu Ehren des Verbandspatrons Thomas von Aquin. Der Tag begann mit der Feier der Hl. Messe in St. Dionysius in Essen-Borbeck. Pfarrer und Stadtdechant Pfr. Dr. Jürgen Cleve begrüßte Unitas-Mitglied Prof. Dr. Lothar Roos und Pfr. Imad Twal aus der jordanischen Hauptstadt Amman, die gemeinsam die Messe feierten.


Ohne Glaube ist das Humanum in Gefahr
 

Bbr. Prof. Roos, schon lange der Unitas in vielen Funktionen verbunden, hatte auch den anschließenden Vortrag bei der Wissenschaftlichen Morgensitzung im Conventsaal des Unitas-Haus an der Flurstraße übernommen. Herzlich begrüßt von Ortssenior Bbr. Nils Hermann, gab der Sozialethiker, der über 20 Jahre das Fach Christliche Gesellschaftslehre an der Bonner Universität vertrat, einen breiten Überblick zu den Grundlagen der Katholischen Soziallehre. Unter dem Titel „Den Glauben verkünden, die Soziallehre kundmachen“ machte er deutlich, dass das christliche Gottes- und Menschenbild immer auf das Wohl aller ziele. Ohne Glauben, argumentierte der Sozialethiker vor allem mit Bbr. Romano Guardini, Bbr. P. Heinrich Pesch SJ und Papst Benedikt XVI., sei das Humanum in Gefahr. Eine Gesellschaft ohne Gott führe zum Verfall der Moral und zerstöre die Grundlagen der ethischen Architektur des Gemeinwesens. Maßgeblich habe das Christentum zur Entwicklung humanitärer Überzeugungen und sozialer Strukturen beigetragen –  ohne die sozial-ethische Diakonie und die praktische Weltverantwortung des Christen könne es keine Kirche und keine Gottesverkündung geben.


Keine Kirche ohne Weltverantwortung
 

Welche Rolle dies bis in unsere aktuelle Zeit spielt, unterstrich er in seinem klar gegliederten einstündigen Vortrag an zahlreichen Beispielen – von der Präambel des Grundgesetzes und der Festschreibung der Würde des Menschen bis zu den aktuellen Streitfragen: Ob es um den Schutz des Lebens in allen seinen Phasen geht oder um das gesellschaftsprägende Bild von Ehe und Familie, ob um Krieg und Frieden, ob um eine gefährlich hohe Staatsverschuldung oder das weltweite Gemeinwohl – Christen seien aufgerufen, in allen diesen Fragen Antworten zu geben. Gerade sie seien in hohem Maße dazu aufgefordert, den Ausbau der Zivilgesellschaft zu fördern, sich von ihrem Glauben geprägt einzumischen. Viele Aspekte, die die rund 60 Teilnehmer des Vereinsfestes auch in der Diskussion kritisch aufgriffen. Vor allem, so der Tenor, müssten die Prinzipien der personalen Verantwortung und der Solidarität praktisch deutlich und in ihrer Rückbindung an die biblische Tradition und das Evangelium in der konkreten ortskirchlichen Arbeit fassbar werden.


Blick auf den Nahen Osten
 

Dass dies den Blick über den eignen Lebenskreis nicht ausschließt, sondern sogar fordert, unterstrich die Anwesenheit von Pfarrer Imad Twal aus Jordanien: Sein Land hat 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in Syrien aufgenommen, in seiner eigenen Gemeinde haben inzwischen weit mehr als 100 Familien Zuflucht gefunden. „Wenn Menschen in Not direkte und sofortige Hilfe brauchen, gibt es keine Zeit für Verhandlungen und politische Ränkespiele“, betonte er im Interview. „Dann muss sofort gehandelt werden – ohne Rücksicht auf ihre Religion oder Nationalität.“ Nachdrücklich warb er um direkte Begegnung, um ganz konkreten Einsatz für Frieden und Verständigung, wie er sie als Nationalkurat der Katholischen Pfadfinder Jordaniens immer wieder fordert und fördert. „Dafür bin ich übrigens Priester geworden“, bekannte er. „Ich will, dass diese Welt besser wird. Und Gott hilft uns immer, gerade, wenn es aussichtslos scheint. Wir müssen und können auf ihn setzen - immer.“

 

Bevor das Bundeslied den offiziellen Teil des Vereinsfestes der Ruhr-Unitas beschloss, hatte Bbr. Kurt Lembeck eine Überraschung vorbereitet: Der gestandene Ruhrane präsentierte in seinem 120. Semester eine gerahmte Devotionalie aus der frühesten Geschichte des Vereins, dem schon sein Vater 1919 angehörte: In einem schönen Rahmen hängt nun ein schön gestalteter Schuldschein vom 15. Juli 1921 an der Wand, mit dem seinerzeit für den Erwerb des Bootshauses an der Werse bei Münster-Handorf Geld gesammelt wurde.

 

Ein gemeinsames Essen in Haus Gimken und eine anschließende Kuchenschlacht auf dem Haus beschlossen zunächst den Tag an der Flurstraße. Aber ob die Ruhr-Unitas wie ihre frühen Generationen in Münster einmal an ein Bootshaus an einem heimischen Gewässer haben wird, muss sich erst noch zeigen. Die hervorragende Stimmung beim Vereinsfest spricht eigentlich dafür ….




Veröffentlicht am: 21:45:24 26.01.2014
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