Die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann hat in Vertretung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und im Beisein der Familie Arnold die Portrait-Büste des ersten gewählten nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Karl Arnold in einer Feierstunde in Düsseldorf enthüllt. v.l.: Bert Gerresheim, Bildhauer, Ministerin Sylvia Löhrmann, Landtagspräsidentin Carina Gödecke und Familie Arnold. Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Foto: Wolfgang Meyer-Piehl

 

Neue Bronzefigur für Bbr. Karl Arnold
vor dem NRW-Landtag

 

DÜSSELDORF. Eine Portrait-Büste des ersten gewählten nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Bbr. Karl Arnold ist am 2. Oktober 2012 in Düsseldorf der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann enthüllte die Figur in einer Feierstunde in Vertretung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und im Beisein der Familie Arnold. Damit würdigt die Landesregierung die besonderen Verdienste von Karl Arnold für das Land Nordrhein-Westfalen.

 
„Eine der ganz großen,
prägenden Figuren unseres Landes“


„Nordrhein-Westfalen hat Karl Arnold viel zu verdanken. Er war ohne Zweifel eine der ganz großen, prägenden Figuren unseres Landes“, so Ministerin Löhrmann. „Karl Arnold hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Menschen die Marktwirtschaft nach dem Krieg überhaupt akzeptiert haben. Er hat sie eben nicht in ihrer Form als Marktwirtschaft pur, sondern in der Form einer sozialen Marktwirtschaft vertreten: Mit starken Gewerkschaften und Mitbestimmung, mit einem Staat, der für fairen Wettbewerb sorgen muss, und mit der Gewissheit, dass alle einen gerechten Anteil von dem bekommen müssen, was gemeinsam erarbeitet worden ist“.

 

Die Bronze-Büste steht künftig auf dem Platz vor der Villa Horion in Düsseldorf. Die Skulptur wurde im Auftrag und mit Mitteln des Landes und unter Einbeziehung der Familie Arnold von dem international renommierten Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim geschaffen. Mit seinem Werk will der Künstler Karl Arnold wiedererkennbar darstellen, gleichzeitig aber sollen Details der Plastik wie z.B. bronzene Schriftstücke mit den politischen Maximen Karl Arnolds auch auf seinen Charakter, seine Bedeutung und seine Persönlichkeit verweisen.

Ein „christlicher Sozialist“


Bundesbruder Dr. Karl Arnold, der sich zeitlebens als „christlichen Sozialisten“ bezeichnete, war der erste Bundesratspräsident der jungen Bundesrepublik.
1901 im württembergischen Herrlishöfen bei Biberach an der Riß geboren, hatte er eine Ausbildung als Schuhmacher-Geselle absolviert und studierte 1920/21 an der Sozialen Hochschule Leohaus in München. Seit 1920 Mitglied der Zentrums-Partei, arbeitete er hauptamtlich als Funktionär der christlichen Gewerkschaften, 1924 als Sekretär des Bezirks Düsseldorf des Christlichen Gewerkschaftsbundes. 1925-1933 war er Mitglied der Düsseldorfer Stadtverordnetenversammlung und dort stellvertretender Vorsitzender der Zentrumsfraktion. Nach Heirat 1928 – sein 1933 geborener Sohn Gottfried gehörte 1961-1983 wie schon zuvor sein Vater dem Deutschen Bundestag an – wurde Arnold Miteigentümer eines Installationsgeschäfts in Düsseldorf. Während des Dritten Reichs beobachtet und verfolgt von der Gestapo, wurde er im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 inhaftiert.

Mitbegründer der CDU

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Arnold seine politischen Aktivitäten wieder auf. Er gründete 1945 die Düsseldorfer Christlich-Demokratische Partei, die später Teil der CDU wurde. Mit Jakob Kaiser gehörte er zu der Gruppe ehemaliger christlicher  Gewerkschaftsführer, die sich innerhalb der CDU für die Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien einsetzten. 1945 beteiligte sich Arnold mit Hans Böckler an der Gründung der Einheitsgewerkschaften, des heutigen DGB, im Rheinland und saß dem Bezirk Düsseldorf vor. Am 29. Januar 1946 wurde Arnold zum Oberbürgermeister von Düsseldorf ernannt und am 26. Oktober 1946 in den ersten freien Kommunalwahlen im Amt bestätigt. Im Dezember 1946 zum stellvertretenden nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten im Kabinett Amelunxen ernannt, war Arnold seit 1947-1956 Ministerpräsident verschiedener Koalitionen aus CDU, Zentrumspartei, SPD (bis 1950), FDP (seit 1954) und KPD (bis 1948). 

Arnold, der von der amerikanischen Besatzungsmacht die Tageszeitungslizenz für die bis heute christlich orientierte „Rheinische Post“ erhalten hatte, war von 1946 bis zu seinem Tod Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, 1947-1949 auch Mitglied des Länderrates der Bizone. Im März 1948 legte er unter dem Titel „Manifest an die deutsche Einheit“ Vorschläge zur Wiedervereinigung der vier Besatzungszonen vor. Am 7. September 1949 wurde er (bis zum 6. September 1950) der erste Bundesratspräsident und damit bis zur Wahl von Theodor Heuss am 12. September 1949 amtierendes Staatsoberhaupt. Nach der ersten Bundestagswahl gehörte Arnold in der CDU zu den Befürwortern einer Großen Koalition, konnte sich  aber mit diesen Vorstellungen nicht gegen Konrad Adenauer durchsetzen. Zweimal wurde er als Ministerpräsident wiedergewählt. Wichtige politische Handlungen in diesem Amt waren sein Beitrag zur Gründung einer landeseigenen Rundfunkanstalt, zur Montanmitbestimmung und die Etablierung eines Landesjugendplans. Am 20. Februar 1956 wurde Arnold - 1956 bis zu seinem Tode stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender - durch ein konstruktives Misstrauensvotum von SPD und FDP gestürzt. 

Im selben Jahr hatte ihn die nach UNITAS Assindia (1912) und UNITAS Silesia (1952) als dritte in Aachen entstandene UV-Korporation, die nach einem ehemaligen Prämonstratenserkloster in der Eifel benannte UNITAS Reichenstein (1954), an ihrem Stiftungsfest als Ehrenphilister aufgenommen. Die Technische Hochschule in Aachen verlieh ihm die Würde eines Dr. ing. ehrenhalber.

Tod im NRW-Wahlkampf 1958

1957 wurde Arnold mit einem Ergebnis von 72,6 % im Wahlkreis Geilenkirchen-Erkelenz-Jülich in den Bundestag gewählt und wurde dort stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. 1958 - kurz zuvor hatte er als Nachfolger von Jakob Kaiser den Vorsitzend der CDU-Sozialausschüsse übernommen, starb Karl Arnold am 29. Juni eine Woche vor der Wahl im Alter von erst 57 Jahren an Herzversagen während des Landtagswahlkampfes, in dem er Spitzenkandidat seiner Partei war. Er wurde auf dem Südfriedhof in Düsseldorf beigesetzt.

Nach Bbr. Karl Arnold ist die Karl-Arnold-Stiftung, die der CDU nah stehende politische Bildungseinrichtung in Nordrhein-Westfalen, benannt. Auch die Karl-Arnold-Schule Biberach, eine gewerbliche Schule im Kreisberufsschulzentrum Biberach an der Riß, trägt seinen Namen. Aus Anlass seines 100. Geburtstages veröffentlichte die Deutsche Post AG 2001 eine von der Künstlerin Ursula Maria Kahrl entworfene Briefmarke mit seinem Bild.



vgl. auch: Bundesbruder Karl Arnold: Schuhmacher, Gewerkschafter, Ministerpräsident




Veröffentlicht am: 14:14:47 02.10.2012
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