Gentests an Embryonen dürfen nicht zum „Normalfall“ werden

Katholische Studentenverbände üben Kritik an Entwurf für PID-Verordnung

 

BONN. Ein Jahr nach den politischen Debatten vor dem Bundestagsbeschluss, die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Ausnahmefällen zuzulassen (1), sorgt jetzt der am 11. Juli vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Entwurf einer Rechtsverordnung zur Durchführung erneut für politische Kontroversen. Auch die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) hat sich zu Wort gemeldet.

 

In einer Erklärung vom 13. Juli kritisiert sie, dass der Verordnungsentwurf von Gesundheitsminister Daniel Bahr keine zahlenmäßige Beschränkung der PID-Zentren, in denen ab 2013 die umstrittene PID durchgeführt und im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib auf mögliche Gendefekte untersucht werden sollen, vorsieht. „Die Rechtsverordnung in der jetzt vorliegenden Fassung leistet dem befürchteten Dammbruch Vorschub“, erklärte der AGV-Vorsitzende Adam Strzoda. Sie laufe den Intentionen des Gesetzgebers zuwider, der die Zulassung der PID ausdrücklich nur in sehr engen Grenzen vorsehe. Die Rechtsverordnung weise aber in die umgekehrte Richtung, indem sie den Weg für eine große Zahl von PID-Zentren ebne. „Damit erhöht sich aber die Gefahr, dass Gentests an Embryonen zum ‚Normalfall’ werden und nicht die Ausnahme bleiben“, befürchtet Adam.

 

Bedenken äußerte in diesem Zusammenhang der AGV-Vorsitzende auch gegen die in der Verordnung nicht vorgesehene Beschränkung der Zahl der Ethikkommissionen, die von den Bundesländern eingerichtet werden müssen (2). Die AGV befürchtet, dass eine unterschiedliche Spruchpraxis der Kommissionen zu einem „Unterbietungswettbewerb“ und zu einem „PID-Tourismus“ führen kann in die Bundesländer und zu den PID-Zentren, in denen das Gesetz großzügiger gehandhabt wird. Daher fordern die katholischen Studentenverbände die Schaffung nur einer zentralen bundesweiten Anlaufstelle. Die 2002 eingerichtete Zentrale Ethikkommission für Stammzellforschung nennt die AGV als „positives und maßgebendes Beispiel“. „Jeweils eigene Ethikkommissionen für jedes Bundesland oder gar für jedes Zentrum zu schaffen, erscheint wenig zweckmäßig, da Untersuchungen zeigen, dass in Deutschland pro Jahr nur wenige hundert Fälle zu erwarten sind“, begründete der AGV-Vorsitzende diese Forderung.

 

Mit Sorge beobachtet die AGV die sich weiter abzeichnenden Entwicklungen in der Genomforschung. „Durch die immer größeren und leichter durchführbareren Möglichkeiten, das Genom eines Embryos pränatal untersuchen zu lassen, wächst die Gefahr, dass sich werdende Eltern durch die Gesellschaft oder gar von Krankenkassen zu einer derartigen Untersuchung genötigt bzw. verpflichtet sehen könnten, um etwaige genetische Mutationen oder Defekte noch vor der Geburt auszuschließen“, heißt es in der AGV-Erklärung. Die katholischen Studentenverbände stehen auf dem Standpunkt, dass werdende Eltern im Bezug auf ihr Kind ein fundamentales „Recht auf Nichtwissen“ besitzen, welches ihnen unter keinen Umständen von staatlicher oder gesellschaftlicher Seite genommen werden darf. Die AGV ruft die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und die Bundesregierung daher auf, dieses Recht zu schützen, rechtzeitig gegensätzlich gerichteten Entwicklungen entgegenzusteuern und weitere Anstrengungen zu unternehmen, das Leben, die Würde und die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung zu sichern.

 

Zulässig ist PID, wenn die Nachkommen eines Paares ein hohes Risiko für eine schwerwiegende Erbkrankheit haben oder eine genetische Abweichung in den Chromosomen mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen würde, dass die Schwangerschaft mit einer Fehl- oder Totgeburt endet.

 

Vor der PID muss eine unabhängige Ethikkommission dem Verfahren zustimmen. Die Errichtung von Ethikkommissionen für die PID-Zentren erfolgt durch die Bundesländer. Es ist keine Begrenzung der Kommissionen vorgesehen. Allerdings wird in der Begründung zur Rechtsverordnung empfohlen, die Zahl der Ethikkommissionen so klein wie möglich zu halten.

 


 

Entwurf der Rechtsverordnung zum PID-Gesetz
04.07.2012:
Katholische Studentenverbände: PID-Gesetz umsetzen!
LINK: www.agvnet.de



Veröffentlicht am: 18:14:07 13.07.2012
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