Brüssel: Europäische Bischöfe
tagen zur Frühlings-Vollversammlung

 

BRÜSSEL. 23 Bischöfe tagen seit Mittwoch, 21. März, bei der Frühjahrsvollversammlung der Kommission der europäischen Bischofskonferenzen in Brüssel. Schwerpunkt der Beratungen ist bis Freitag das laufende „Europäische Jahr des aktiven Alters und der Generationengerechtigkeit“. Zudem werden die Delegierten einen neuen Präsidenten und einen neuen Vizepräsidenten des ständigen Komitees wählen. Seit 2009 ist Bbr. Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, Vizepräsident der COMECE und Vorsitzender ihrer Sozialkommission.


In seiner Eröffnungsrede gab der scheidende COMECE-Präsident Bischof Adrianus van Luyn (Rotterdam) einen Überblick zu den Ereignissen der letzten Monate. Er unterstrich mit Blick auf den bevorstehenden Beitritt Kroatiens zur EU und der Eröffnung von Verhandlungen mit Serbien die Notwendigkeit der Versöhnung auf dem Balkan. „Das Ziel des europäischen Integration war und ist die Überwindung jener Auseinandersetzungen und Konflikte, die Europa Jahrhunderte lang gequält und zerrissen haben“, erinnerte Van Luyn:

 

„Die Überwindung der alten Gegensätze zwischen ehemaligen Feinden und Gegnern war die Grundidee von Robert Schumans Plan aus dem Jahr 1950. Ein Blick auf Europa – mehr als 60 Jahre später – zeigt ihre Wirkmächtigkeit und bestätigt ihre Aktualität. Einer der «Urkonflikte» Europas – zwischen Deutschland und Frankreich – ist beigelegt. Die Versöhnung Deutschlands mit seinen anderen Nachbarn, mit Niederländern und Belgiern, mit Polen und der Tschechischen Republik, ist Wirklichkeit geworden. Davon können und müssen die Länder Südosteuropas lernen. Gleichzeitig zeigen uns Entwicklungen der letzten Zeit in verschiedenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, dass die Beilegung von alten Konflikten und die Überwindung von in Jahrhunderten gewachsenen Vorurteilen nicht selbstverständlich ist, sondern immer auch Aufgabe bleibt. Populistische und nationalistische Töne bei Wahlen in den letzten Monaten mahnen uns, wachsam zu bleiben.“

 

Zur Finanzkrise merkte Bischof Van Luyn kritisch an: „Warum schnüren Menschen Finanzprodukte, von denen sie wissen müssen, dass sie letztendlich alle in den finanziellen Ruin treiben können? Wird eine Wirtschaft, die sich einseitig auf lineares Wachstum fixiert, in Zukunft überhaupt möglich sein? Wie können angesichts der vor uns stehenden Herausforderungen Ökonomie, Ökologie, schwindende Ressourcen und Rohstoffe und eine noch immer wachsende Weltbevölkerung ins Gleichgewicht gebracht werden? Ist ein Wirtschaftsmodell, dass von einem quantitativen «immer mehr» ausgeht, überhaupt zukunftsträchtig oder haben wir uns der Tatsache zu stellen, in Zukunft mit «weniger» das Auslangen finden zu müssen?“

 

In der der Zukunft, äußerte Van Luyn, würden Moral und Werte wieder eine größere Rolle spielen: „Ein «Age of less» in quantitativer Hinsicht könnte andererseits eine große Chance bedeuten für ein qualitatives «Age of more»: ein Mehr an Menschenwürde, ein Mehr an Gemeinschaftssinn und Interesse für das Gemeinwohl, ein größeres Verantwortungsgefühl für die erbärmliche Situation in den ärmeren Teilen unserer Welt, ein beherzteres Engagement für die Erreichung der Millenniumsziele, ein Mehr an Solidarität mit den kommenden Generationen, denen wir die Lebenschancen zu stehlen drohen.“ Dies sei auch Anstoß für die bei der letzten Vollversammlung im Oktober 2011 veröffentlichte Erklärung „Eine europäische Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft» gewesen, die eine „wettbewerbsfähige Soziale Marktwirtschaft“ aus Sicht der Katholischen Soziallehre zu entfalten suchte. (vgl. 11.01.2012  - COMECE: Bischöfe für eine Europäische Soziale Marktwirtschaft)

 


 

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Veröffentlicht am: 13:32:16 22.03.2012
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