UNITAS Berlin ehrte Robert Schuman

Gedenktafel erinnert an die Berliner Studienzeit

 

Seit dem 29. Juni 1986 schmückt eine Gedenktafel für Bbr. Robert Schuman (1886-1963) das Kloster der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth in der Graunstraße 31 im Berliner Bezirk Gesundbrunnen/Wedding.

Mit ihrer feierlichen Enthüllung beging die UNITAS Berlin den 100. Geburtstag des großen Europäers. Bbr. Schuman hatte vor dem Ersten Weltkrieg in diesem Kloster, das zusammen mit der Kirche St. Afra den Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt überstand, als Student der Rechtswissenschaften gewohnt. Er verbrachte das Wintersemester 1905/06 und das Sommersemester 1906 in Berlin und versah als Aktiver das Amt des Schriftführers. Aus seiner Feder ist der Bericht über die Publikationsfeier von Unitas Berlin überliefert.

 

Für die Zeremonie, die der französische Stadtkommandant, Divisionsgeneral Paul Cavarrot, vornahm, hatte die Polizei den sonst sehr belebten Straßenverkehr umleiten müssen. Das Kloster war mit den beiden Nationalflaggen, der Fahne Berlins und den unitarischen Farben geschmückt. Die Zahl der Anwesenden, die Bundesbruder Norbert Herkner als Philistersenior begrüßte, wuchs rasch auf mehrere Hundert an. Neben Repräsentanten des politischen Lebens aus dem westlichen Teil der deutschen Hauptstadt und der französischen Garnison waren zahlreiche Bundesbrüder anwesend, aus Westdeutschland u. a. der Altherrenbundsvorsitzende Bernhard Mihm und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Burr.

 

In einem Gedenkgottesdienst wies vor der Feierstunde Generalvikar Bbr. Dr. Johannes Tobei darauf hin, dass Robert Schuman als Christ und Unitarier für jene Werte immer wieder öffentlich Zeugnis abgelegt habe, die ihn geprägt hätten: Es sei die Einheit im Glauben, Denken und Handeln gewesen, das dem Frieden diene. Sein politisches Wirken könne im Sinne des Hohepriesterlichen Gebetes (Joh. 17) verstanden werden. Robert Schuman habe die Realitäten nüchtern eingeschätzt. Dies lasse ihn heute größer als zu seinen Lebzeiten erscheinen. „Wenn wir das Reich Gottes suchen, wie er dies als christlicher Politiker getan hat, dann dürfen wir darauf vertrauen, daß das uns Mangelnde ergänzt wird." Auch Bbr. Herkner betonte in seiner auf deutsch und französisch gehaltenen Ansprache, dass Robert Schuman in der europäischen Nachkriegs-Politik der richtige Mann zur richtigen Zeit gewesen sei.

 

Zum Schluss der Feier in der Graunstraße intonierte ein Musikzug des 46. französischen Infanterieregiments das Bundeslied der UNITAS sowie die beiden Nationalhymnen. Anschließend fand noch ein Empfang auf dem Unitas-Haus in Lichterfelde statt, zu dem die Berliner Unitarier geladen hatten. General Cavarrot würdigte in einem Toast die „grande dimension humaine“ Robert Schumans, dessen Lebensweg in einer kleinen Fotoausstellung im Empfangssaal eindrucksvoll dokumentiert worden war.

 

(Nach dem Bericht in: unitas 8-9/1986, 93) 













Zum Download aus unitas 8-9/1986:
Robert Schuman zum 100. Geburtstag

Robert Schuman - ein französischer Europäer, Ansprache von Bbr. Norbert Herkner am 29. Juni 1986 in Berlin

Ein unitarisches Fahrtenziel: Scy-Chazelles bei Metz

UNITAS Berlin ehrt Robert Schuman

Der Unitarier Robert Schuman, von Ludwig Freibüter

Bbr. Vanistendael würdigte Schuman. UNITAS-Salia und UNITAS Stolzenfels feierten Festkommers zum 100. Geburtstag

Verwirklichte Virtus. Robert Schumas Persönlichkeit im Lichte eines unitarischen Prinzips, von Bbr. Bernhard Mihm

Zwei Völker, eine Zukunft. Bücher zum Thema Robert Schuman, vorgestellt von Bbr. Bernhard Mihm

FORUM /Leserbriefe aus folgenden Ausgaben der Zeitschrift 1986/87





Zur Person: Bbr. Robert Schuman, Biographie und Artikel

Robert Schuman, der „Vater Europas“, hatte während seines Studiums in Deutschland in Bonn (1904), München (1905) und Berlin (1906) der UNITAS angehört und sich anschließend der UNITAS in Straßburg angeschlossen. Ihr und den unitarischen Prinzipien ist Bbr. Robert Schuman über alle Wechselfälle der Geschichte treu geblieben. Darum sieht sich der UNITAS-Verband bis heute seinem Erbe in herausragender Weise verpflichtet. -> MEHR