
TIROL. „Seliger Pfarrer Otto Neururer, geboren am 25.3.1882 in Piller, gestorben am 30.5.1940 als Märtyrer im Konzentrationslager Buchenwald in mutiger Erfüllung seiner Aufgaben als Seelsorger im Sinne der Nächstenliebe. Gestiftet von der W.K.St.V. Unitas Norica-Greifenstein zu Innsbruck" - so lautet die Inschrift auf einer bronzenen Gedenktafel, die die UNITAS in Österreich für die Kirche Maria Schnee in Piller/Pfarre Fließ im Pitztal (Tirol) stiftete. Initiator war Bundesbruder Mag. Magnus Kaminski (*22.2.1929 in Danzig-Oliva, + 21.9.2002 in Piller), der 1953 zum Theologiestudium nach Innsbruck gekommen war.
Bbr. Magnus Kaminski v/o Titus (Bild rechts), am 23.5.1954 der Unitas-Norica zu Innsbruck beigetreten und bis zu seiner Priesterweihe einer der rührigsten und erfolgreichsten Aktiven, wurde am 29. Juni 1960 durch Dr. Paulus Rusch, Bischof von Innsbruck, zum Priester geweiht. Er übernahm nach ersten Stellen 1970 die Kaplanei in Neururers Geburtsort Piller in Pitztal und übersiedelte 1976 in das dortige Pfarrhaus. Als Hauptinitiator setzte Bbr. Magnus Kaminski ab 1982 seine ganze Kraft zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses für Pfarrer Otto Neururer ein. Als Dank für seine Arbeit für die Unitas und aus Anlass der Seligsprechung des Tiroler Märtyrerpriester stifteten Bundesbrüder der UNITAS aus Österreich und der Bundesrepublik Deutschland mit großzügigen Beiträgen die Bronze-Gedenktafel für die Kirche in Piller. Ihre Enthüllung erfolgte am 20. April 1996 anlässlich der feierlichen Weihe der neuen „Neururer-Glocke“.
Glaubenszeuge aus Tirol
Otto Neururer wurde am 25. März 1882 in Piller/Pfarre Fließ in ärmlichen Verhältnissen bei Landeck im österreichischen Oberinntal geboren. Das zwölftes Kind einer Bauernfamilie verspürte schon früh den Wunsch, Priester zu werden. Begabt und sehr gewissenhaft, kam er zunächst ins Knabenkonvikt Vinzentinum in Brixen/Südtirol, von dort trat er ins Priesterseminar ein und schloss mit ausgezeichnetem Erfolg sein Studium ab, um am 29. Juni 1907 durch Fürstbischof Altenweisel im Dom zu Brixen zum Priester geweiht zu werden. Seine erste Kaplansstelle war Uderns im Zillertal, dann kam er nach Götzens bei Innsbruck, von dort nach Fiß im Oberinntal und schließlich im November 1911 nach Kappl im Paznauntal, die damals körperlich strapaziöseste Kooperatur der ganzen Diözese Brixen. Weitere Versetzungen erfolgten nach Silz und nach Oberhofen bei Telfs im Oberinntal, 1918 als Girardischer Benefiziat nach St. Jakob zu Innsbruck. Am 1.10.1932 wurde er zum Pfarrer von St. Peter und Paul zu Götzens bei Innsbruck bestellt und war in dieser Gemeinde ein vorbildlicher Seelsorger.
Mord in Buchenwald
Zeitgenossen schildern ihn als bescheidenen Menschen, der politische Konfrontationen mied, aber mit kritischem Weitblick die kirchenfeindliche Ideologie des Regimes erkannte. 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet, weil er ein Mädchen, das einen geschiedenen Parteigenossen heiraten sollte, von der Eheschließung abhielt. Der enttäuschte Freier aber zeigt den Priester bei der Gestapo wegen „Verhinderung einer deutschen Ehe“ an. Neururer kam zunächst in Innsbruck ins Gefängnis, von dort in die Konzentrationslager von Dachau und Buchenwald. Unter größter persönlicher Gefahr übte er auch hier seinen priesterlichen Dienst aus und vermittelte vielen Inhaftierten Trost, Hilfe, Kraft, Halt und Stärke: Als er einem angeblichen Taufbewerber das Sakrament spendete, wurde er mit einem weiteren Priester am 28. Mai 1940 in den gefürchteten „Bunker" gesperrt. Ihr plötzlicher Tod wurde mit „akuter Herzschwäche" angegeben. Durch Mithäftlinge, die sich verbotenen Zugang in die Bunkerräumlichkeiten verschafft hatten, wurde bekannt, dass Otto Neururer an den Füßen, mit dem Kopf nach unten, so lange aufgehängt worden war, bis der Tod eintrat. Nach 34-stündigem Todeskampf wurde am 30. Mai 1940 sein Tod gemeldet.
1996 Seligsprechung
Die Aschenurne wurde in einer gewaltigen Glaubenskundgebung unter großer Anteilnahme des Tiroler Klerus und der Bevölkerung beigesetzt. Schon damals begann die Verehrung des Märtyrers. Er gehört zu vielen Opfern des Nationalsozialismus vor allem in der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch, in der sich viele Seelsorger unter Bischof Paulus Rusch mutig den Nazis entgegenstellten. 1983 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet, am 24. 11.1996 wurde Otto Neururer von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Im Dekret über das Martyrium heißt es: „Ein herrliches Zeugnis der Treue gegenüber der Wahrheit, dem göttlichen Gesetz und der Kirche gab der Priester Otto Neururer, indem er den Spuren des Guten Hirten folgte, treu seine priesterliche Pflicht erfüllte und schließlich auf Grund der Verteidigung der christlichen Ehe und wegen Ausübung seines priesterlichen Dienstes unter den Mithäftlingen im Konzentrationslager Buchenwald die Krone des Martyriums erlangte.“ Etwa 3.000 Tiroler, darunter ca. 70 aus der Gemeinde Fließ, pilgerten mit Bussen, Zug od. Flugzeug nach Rom, um diesen Festtag im Petersdom mit zu erleben.
Geachtet und verehrt
Am 28. Mai 1998 wurde die umgebaute Studentenkapelle im Vinzentinum zu Brixen, an dem Neururer 1895-1903 studierte, durch Bischof Wilhelm Egger unter das Patrozinium des seligen Otto Neururer gestellt. Seit dem 29. Mai 1986 bereits gibt es eine Straße im Innsbrucker Olympischen Dorf, die nach Otto Neururer benannt ist. In rund 30 Orten ruhen Reliquienkapseln mit seiner Asche in Altären und werden Reliquien verehrt, u.a. in der Kapelle Vinzentinum Brixen, im Dom St. Jakob Innsbruck, in der Herz-Jesu-Kirche Weimar, im Karmel in Innsbruck, in Mitundu/Tansania, in der Domkirche St. Stephan Wien, St. NikolausVelipoje/Albanien und im Vatikan. In der letzte Ruhestätte des Märtyrerpfarrers in der Pfarrkirche Götzens, der 1772–75 erbauten schönste Rokoko Dorfkirche Tirols, wurde 1996 zu Ehren des Seligen die Urne mit seiner Asche in den neuen Volksaltar eingesetzt. Sie entwickelt sich mehr und mehr zum gesuchten Wallfahrtsort für Menschen aus allen Schichten, die mit ihren ganz besonderen Nöten und Sorgen, familiären Problemen, Existenzfragen, Gewissenskonflikten, aber auch bei Glaubenszweifeln und der Suche nach dem Sinn des Lebens dorthin kommen. Der liturgische Gedenktag des seligen Otto Neururer ist der 30. Mai.
Filmbeitrag von salveTV
Literatur: H. Tschol, Pfarrer Neururer-Priester und Blutzeuge (Reihe: Kirche u. Welt 5), Innsbruck 1963; - H. Huber, Pfarrer Otto Neururer zum Gedächtnis, in: Sendbote des Herzens Jesu, Innsbruck 1948, Jg. 78, H. 1; - J. Gelmi, Kirchengeschichte Tirols, Innsbruck-Wien-Bozen, 1986, 198, 257, 260; - Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945, Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien 1984, 5, 187 f., 201 f., 206 f., 223 f., 228 f., 254, 340, 342; - Zeugen des Widerstandes - Eine Dokumentation über die Opfer der NS in Nord-, Ost- u. Südtirol von 1938-1945 (bearbeitet von J. Holzner u.a.), Innsbruck-Wien-München 1977, 49 f., 64 ff.; - H. Tschol, Otto Neururer, Innsbruck 1982 (mit einem Vorwort von Bischof Reinhold Stecher).
GEBET
Lasset uns beten:
Allmächtiger, ewiger Gott, der selige Märtyrer Otto Neururer hat sein Leben für die Heiligkeit der Ehe und die unbeirrbare Treue zu seinem priesterlichen Dienst dahingegeben.
Wir bitten Dich, wende uns auf seine Fürbitte hin Dein Erbarmen zu, und lass unter uns die Werte aufleuchten, für die er gestorben ist. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Christof Beckmann, Essen