„Wer glaubt, der zittert nicht“ -

Reinhard Marx jüngster Bischof in Deutschland

 

aus: unitas 4/1996, 136. Jg., S. 101f.

 

Am 23. Juli 1996, zum Hochfest des Bistumspatrons Liborius, hat Papst Johannes Paul II. unseren Bundesbruder Dr. Reinhard Marx zum Weihbischof des Erzbistums Paderborn ernannt. Gemeinsam mit dem ebenfalls ernannten Heinz Josef Algermissen, Dekan der Seelsorgeregion Minden-Ravensberg-Lippe, wird Bbr. Marx am 21. September im Hohen Dom zu Paderborn geweiht werden.

 

Bischof Karl Lehmann hieß als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die beiden Weihbischöfe in der Gemeinschaft der Bischöfe willkommen. Sie würden durch ihre Erfahrung und Kompetenz im Bereich der Soziallehre der Kirche und ihre Vermittlung sowie in pastoraler Hinsicht und im Blick auf Dienst und Leben der Priester die Erfüllung des gemeinsamen Auftrages erleichtern helfen, hieß es in dem Glückwunschtelegramm.


Just zu seinem 43. Geburtstag wird Reinhard Marx durch die Weihe nun zu einem Amt beauftragt, daß sicher große Herausforderungen stellt. Gefragt ist dazu pastorale, wissenschaftliche und soziale Kompetenz, die ihn aber zweifellos auszeichnet: Reinhard Marx, 1953 in Geseke geboren, studierte Theologie in Paderborn, wo er 1975 in die UNITAS Hathumar eintrat.

 

Am 2. Juni 1979 zum Priester geweiht, übernahm er zunächst die Vikarsstelle an St. Johann Baptist in Arolsen und wurde 1981 Geistlicher Rektor der Dortmunder „Kommende“, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Zugleich war er bis 1989 Diözesanbeauftragter für Betriebsseelsorge.

 
Parallel studierte Marx in Münster und Bochum Christliche Sozialwissenschaften, die er 1989 mit dem Doktor der Theologie abschloß. Erzbischof Joachim Degenhardt ernannte ihn im selben Jahr zum Subsidiaran St. Ewaldi in Dortmund-Aplerbeck und gleichzeitig zum Direktor der „Kommende“, die als Ort des gemeinsamen Arbeitens für Schüler und Studenten, aber vor allem als Forum für Gespräche zwischen Kirche, Gewerkschaftsvertretern und Unternehmern eine hohe Reputation erworben hat. Von Papst Johannes Paul II. 1993 mit dem Titel „Päpstlicher Ehrenkaplan“ ausgezeichnet, wurde Dr. Marx im April 1996 von Erzbischof Degenhardt zum außerordentlichen Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn berufen.


Engagement für Kirche und Welt


Seiner Sorge um die Zukunft der Kirche ließ Reinhard Marx Taten folgen: So gründete er gemeinsam mit Wilfried-Bernhard Theising und Rolf Lohmann, Bundesbrüdern, der UNITAS Winfridia, und rund 40 weiteren Geistlichen zu Beginn des Jahres die „Priesterinitiative Johannes XXIII.“. Die Gründung soll nach dem Willen der Initiatoren dazu beitragen, in Zeiten des Umbruchs in Kirche und Gesellschaft einen Beitrag zur theologischen Vertiefung der priesterlichen Existenz zu leisten. Erklärtes Ziel der Mitglieder ist, sich in den innerkirchlichen Dialog über die Zukunft der Kirche einzumischen und so zu einem positiven Priesterbild beizutragen.

 

Dieses Engagement für Kirche und Gesellschaft, dieses positive Priester- und Menschenbild, lebt Reinhard Marx selbst vor: Er tritt den unitarischen Bundesbrüdern seit Jahren nicht nur als redlich — und verständlich! — argumentierender Theologe oder sozial- und wirtschaftswissenschaftlich versierter Redner gegenüber, der bei unzähligen Gelegenheiten zur aktiven Weltverantwortung des Christen auffordert und für mehr Glaubensmut in einer offenen Gesellschaft wirbt. Auch gerade in der privaten Begegnung freuen sich seine Gesprächspartner über seinen natürlichen Optimismus, seinen testen Stand im Leben und eine ansteckende Fröhlichkeit.


Beirat für Kirchenfragen

 

Unitarisches Engagement bewies Reinhard Marx nicht zuletzt als Beirat des UNITAS-Verbandes für Kirchenfragen, eine Funktion, die er bei der letzten Generalversammlung in Darmstadt an Wilfried Theising und P. Hans-Georg Löffler OFM (UNITAS Winfridia) weitergab. Bei der Generalversammlung 1989 als Nachfolger von Prälat August Peters (Aachen) gewählt, trat Reinhard Marx sein Amt 1990 an und setzte wichtige Akzente. So gaben etwa gern angenommene Einladungen zu Besinnungswochenenden und viele weitere Aktivitäten — so in der Koordinierung des Arbeitskreises Grundsatzprogramm (AGP) — wesentliche Impulse zur spirituellen Vertiefung des verbandlichen Lebens.


Als Beirat hat er stets eine große Dialogfähigkeit unter Beweis gestellt und dabei mehr als einmal sein klärendes Wort in hitzigen Debatten erhoben. Auch seine warnenden und zugleich aufmunternden Redebeiträge bei Vorstandssitzungen sind nicht hoch genug einzuschätzen.


So haben seine Bundesbrüder ihn als Unitarier kennengelernt, in dem sich pastorale, wissenschaftliche und soziale Kompetenz — unitarisch übersetzt nicht mehr und nicht weniger als virtus, scientia und amicitia — wie selbstverständlich miteinander verbinden.

 

Selbst wenn die jetzige Bischofsernennung wohl den etwas schmerzlich empfundenen Abschied von seinen Aufgaben in der von vielen Bundesbrüdern besuchten „Kommende“ in Dortmund-Brackel bedeuten wird — seine gerade angetretene Paderborner Professur wird er weiter erfüllen. „Das kann ich den Studenten doch nicht antun“, schmunzelte Marx, der auch in dieser Aufgabe seine Bemühungen um die Verbreitung und Ausgestaltung der Katholischen Soziallehre weiter fortsetzen wird.


Auch seinen Bundesbrüdern — und Bundesschwestern, für deren verbandliche Integration er sich maßgeblich eingesetzt hat — wird er sicher eines nicht „antun“: Sich aus dem aktiven unitarischen Leben zurückziehen und als Person hinter seinen neuen Aufgaben verschwinden.


Lebensbejahung


„Es ist gut, daß wir hier sind. Es ist gut, daß es uns gibt“ — in dieser nicht nur schelmischen, oft wiederholten Bemerkung auf vielen Wallfahrten und Begegnungen drückt sich seine große Lebensbejahung aus. Reinhard Marx ist ein stets die Theorie mit Praxis kombinierender Geist, dessen Liebe zu dem Wort „Wer glaubt der zittert nicht“ (Johannes XXIII.) für ihn mehr bedeutet als eine Aussage über den Menschen: Es ist ihm die Beschreibung der Mitte unseres Glaubens, eine Aussage über einen frohmachenden und befreienden Gott. Und eine Aufforderung zur Tat zugleich: An der Stelle, an der man steht, zu tun, was zu tun ist.


Für seine wichtige Aufgabe wünschen wir ihm von Herzen Gottes Segen, Glaubensstärke und die Tatkraft, die für dieses Amt nötig ist!

CB

 

Bbr. Prof Dr. Reinhard Marx wird am 21. September 1996 zum Weihbischof von Paderborn geweiht. Der Unitas-Verband kennt seinen bisherigen Vorsitzenden des Geistlichen Beirates als immer ansprechbaren Bundesbruder, guten Zuhörer, und sachkundigen und bereichernden Gesprächspartner bei vielen Veranstaltungen, so beim letzten Aktiventag in Erfurt. Markenzeichen: Zigarre und manchmal auch Motorrad - wie im Bild links.



Veröffentlicht am: 13:41:29 28.07.1996
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