ESSEN-BORBECK. Derzeit wird fleißig am neuen Semesterprogramm getüftelt und die Ruhranen-Mannschaft freut sich über eine erholsame vorlesungsfreie Zeit. Für Samstag, 16. August, jedoch zeichnet sich ein Zwischenhöhepunkt ab: Bei einer um 20 Uhr beginnenden Fest-Kneipe wird der voraussichtliche Präside Bbr. Karol Rawski zu seinem nächsten Forschungsaufenthalt nach Moskau verabschiedet. Zugleich wird – die bestandene Burschenprüfung vorausgesetzt – den beiden Füxen BbrBbr. Christoph Weyer (Oberhausen) und Philipp Böcker (Stadtlohn) die Vollmitgliedschaft in der UNITAS zuerkannt. Veranstaltung und Abend selbst sind dem Andenken des Essener Stiftsgründers St. Altfrid gewidmet, dessen besonderer Festtag an diesem Tag im Ruhrbistum gefeiert wird.

Um die Bestätigung der kirchlichen Feier des Festtages hatte vor genau 50 Jahren Bischof Dr. Franz Hengsbach, der erste Ruhrbischof des neu gegründeten Bistums, in Rom ersucht. Seit 1965 darf der Essener Stiftsgründer Hl. Altfrid (* um 800; † 15. August 874) offiziell als Heiliger verehrt werden. Eine Verehrung allerdings mit mehr als 1000-jähriger Tradition: Schon um das Jahr 1000 nämlich wurden an seinem Grab in der Essener Münsterkirche Wunder berichtet, auch die als heilkräftig angesehene Wirkung einer unweit gelegenen Quelle wurde seiner Fürbitte zugeschrieben. Die Verehrung blühte auf und im 13. Jahrhundert wurde ein gotischer Steinsarkophag für seine Gebeine geschaffen. Sein Jahresgedächtnis war das festlichste im Memorialdienst des Essener Stiftes, der Keimzelle der heutigen Stadt, obwohl Altfrid kein kanonisierter Heiliger war. Bis heute wird sein Fest am 16. August alljährlich mit festlichem Gottesdienst und der Aussetzung seines Reliquienschreines in der Münsterkirche zu Essen begangen.

Altfrid: Diplomat und Friedensstifter -
eine Person mit europäischer Bedeutung

Der Spross mächtiger adeliger sächsischer Verwandtschaft genoss eine umfassende klösterliche Ausbildung und wirkte als Geistlicher an der Gründung mehrerer religiös verfasster Frauengemeinschaften wie in Lamspringe und Gandersheim mit. 845/47 erwarb er in Rom Reliquien der Heiligen Cosmas und Damian, rief mit seiner Familie auf dem Eigenbesitz Asthnide (heute Essen) am Hellweg ein Kanonissenstift ins Leben und ließ einen Kirchenbau errichten, dessen Grundriss noch heute von Lang- und Querhaus des Essener Münsters abgebildet wird. Der ostfränkische König Ludwig der Deutsche machte 851 bei Altfrids Wahl zum neuen Bischof von Hildesheim seinen Einfluss geltend: Geschildert als kluger und nüchterner Denker und mit begabter Redner, war der Bischof einer der engsten Ratgeber und enger Vertrauter des Königs. Für ihn war Altfrid in vielen diplomatischen Missionen unterwegs, vor allem ab 860 als einer der entscheidenden Unterhändler in den Machtkämpfen zwischen den Reichsteilen des zerfallenden Frankenreiches. Nach den jahrelangen Verhandlungen hatte Altfrid maßgeblichem Einfluss auf die Gestaltung des Vertrags von Meersen, mit dem am 9. August 870 Lothringen zwischen West- und Ostfrankenreich aufgeteilt wurde. Eine historische Figur mit europäischen Dimensionen also, geschätzt wegen seines Wirkens als Friedensstifter und als Festiger des kirchlichen Lebens.

870 legte Alfrid am Fest von Cosmas und Damian den in Köln zu einer Synode versammelten Bischöfen die Stiftungsurkunde des Essener Frauenstiftes zu Bestätigung vor. 872 weihte Altfrid den Dom zu Hildesheim zu Ehren Mariens, Cosmas und Damians, Cäcilias, von Valerians und Tiburtius. Er starb nach dem Necrologium des Essener Stiftes am 15. August 874 und wurde seinem Wunsch gemäß in der Essener Münsterkirche begraben. Das Altfrid-Grabmal aus gotischer Zeit steht  in der nach ihm benannten Ostkrypta. Die Heiligen Cosmas und Damian sind bis heute die Stadtpatrone von Essen, ihre Figuren zieren den Eingang des Rathauses.

BILDER:
Moderne Statue des Hl. Altfrid vor der Essener Domschatzkammer. In der Hand hält Altfrid in Anlehnung an mittelalterliche Stifterbilder ein Modell des ersten Essener Münsters / Der Essener Necrolog, aufgeschlagen auf der Seite mit Altfrids Eintrag: „Fest der Aufnahme der Heiligsten Jungfrau Maria in den Himmel: Alfridus episcopus fundator ecclesiae ….“




Veröffentlicht am: 22:56:00 25.07.2008
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