UNITAS-Farbenstrophe in Werden

WERDEN. „Drum, Ruhrania, bleib ich Dein!“ - seit langem mal wieder eine Farbenstrophe vor dem Geburtshaus unseres Verbandsgründers Hermann Ludger Potthoff! Im 50. Jubeljahr des Bistums Essen, im Jahr der Einweihung des UNITAS-Hauses in Borbeck, erscholl der wohlbekannte Cantus diesmal mitten im munteren Getümmel der Fußgängerzone in der Werdener Hufergasse. Anlass war das Vereinsfest zu Ehren des Hl. Bonifatius, zu dem am Morgen der Zelebrant die unitarische Familie in der Basilika des Hl. Ludgerus begrüßte. Mehr als 30 Bundesbrüder und Freunde der UNITAS versammelten sich bei dem von der „Schola Cantorum Werdinensis“ musikalisch gestalteten lateinischen Choralamt.

Bei der anschließenden Wissenschaftlichen Morgensitzung in den „Domstuben“ wurde deutlich, dass einschlägige Lexika-Artikel eindeutig umgeschrieben werden müssen: Kirchenmusikdirektor Stefan Klöckner, Professor an der Folkwang-Hochschule, erläuterte die Genese des als „gregorianisch“ bezeichneten Gesangs, der weder mit Papst Gregor I. (590-604) zu tun habe, noch Ausweis für seine Herkunft aus Rom sei. In seinem mit musikalischen Beispielen und Thesen anschaulich illustrierten Vortrag zeigte er die Verteilung unterschiedlicher liturgischer Zentren zwischen Byzanz, Mailand, Rom, Benevent, Toledo und Metz und betonte die Rolle der karolingischen „Renovatio“. Zwischen 760 und 790 n. Chr. habe die im Reich des Frankenkönigs Karls des Großen verordnete kulturelle Harmonisierung zu einem starken Übergewicht fränkischer, altgallikanischer Liturgietraditionen geführt. Die später erfolgte Rückführung des zunächst ausschließlich mündlich tradierten "cantus romanus" auf den vom Hl. Geist inspirierten Papst Gregor erweise sich zuletzt als Teil geschickter Propaganda: Er, so zeigen auch bildliche Darstellungen ab dem Jahr 1000, habe damit die fränkische Gesangspraxis erst legitimiert. Spannend beschrieb Klöckner zudem die Entwicklung der Noten aus Memozeichen, die als Neumen auch die schriftliche Fixierung mit sich brachten und somit eine korrekte Rekonstruktion bis heute erlauben. „Gregorianik ist geistliches Schwarzbrot und erfreut sich zunehmender Nachfrage“, unterstrich der Experte, berichtete von den Arbeiten am neuen Gemeindegesangbuch und vom Erfolg jüngster Bemühungen, Freunde des gregorianischen Gesangs auch grenzüberschreitend in der „Euregio“ zwischen dem Westen Deutschlands, den Niederlanden und Belgien zusammenzuführen.

Besonders begrüßte der Zirkelvorsitzende Martin Gewiese als Gäste bei dem kurzweiligen Vortrag drei Vertreter der „Schola Cantorum Werdinensis“ um Klaus Ohm aus der direkten Nachbarschaft zum Potthoff-Geburtshaus in der Hufergasse. Am Ort eines berühmten benediktinischen Skriptoriums (gegr. 799 durch den Hl. Liudger) setzten sie eine jahrhundertelanger klösterliche Tradition fort, erklärte Bbr. Gewiese und sprach ihnen für ihre jahrzehntelange Arbeit im Dienste des sonntäglichen Choralgesangs an der Ludgerus-Basilika den großen Respekt der UNITAS aus. Mit einem offiziellen Zipfeltausch zwischen dem AHZ-Vorsitzenden und Bbr. Christoph Weyer, dem gemeinsamem Mittagessen, der Farbenstrophe in der Hufergasse und einem Bummel durch das sommerliche Werden klang das Vereinsfest aus.

Hier zum ganzen Artikel und weiteren Meldungen der RUHRANIA auf der Homepage des UNITAS-Verbands




Veröffentlicht am: 10:01:56 15.06.2008
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