BORBECK, 11. Januar 2009. Just am Tag, bevor die restaurierte Ruhranenfahne aus Dortmund wieder nach Borbeck zurückkehrt, ist auch für eine passende Fahnenstange gesorgt: Pfarrer Dr. Jürgen Cleve, Stadtdechant von Essen, übergab dem Ehrensenior am Rande des Neujahrsempfangs der Katholischen Pfarrgemeinde St. Dionysius  als Dauerleihgabe einen repräsentativen Fahnenmast aus dem Fundus der Borbecker Muttergemeinde. Die UNITAS Ruhrania wird die Leihgabe bestens einsetzen können und in Ehren halten.

 

Gemeinsam hatten zuvor die Bundesbrüder Norbert Breiderhoff und Christof Beckmann mit Küster Heribert Schiffer einen Blick in den bestens sortierten Paramentenschrank der Gemeinde werfen können. Die aufgefundene stabile schwarzlackierte Holzstange besteht aus zwei Teilen mit insgesamt rund 2,80 Metern Länge, ist mit einem langen Schraubgewinde zusammensteckbar, wird bereits früher einer der zahlreichen kirchlichen Vereinigungen in der Pfarrei gedient haben und bestimmt 100 Jahre alt sein. Bemerkenswert ist die fest aufgesetzte und ebenfalls gut erhaltene Fahnenspitze: Sie misst 25 Zentimeter und zeigt ein vergoldetes durchbrochenes Lanzenblatt mit einem Lorbeerkranz, darin das Zeichen „IHS“. Im Volksmund wird es meist als „Jesus Heiland Seligmacher“ übersetzt. Verbreitet ist auch die lateinische Lesart „Iesus Hominum Salvator“ („Jesus, Erlöser der Menschen“).

Christusmonogramm
für UNITAS-Fahne

Tatsächlich leitet sich das Christusmonogramm von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des Griechischen Namens Jesu, iota-eta-sigma-omikron-ypsilon-sigma oder ΙΗΣΟΥΣ, also JESOUS, ab. Das I ist das griechische Iota, das H das Eta und das S das Sigma. Die damit verwandte alte christliche Formel „Jesus Christus, Sohn Gottes, Heiland/Erretter“ lautete in der griechischen Umgangssprache der frühen Christen „Iesus Christos Theou Yios Soter“ = „IHSOUS CPISTOS QEOU UIOS SOTHR. Dabei ergeben die ersten Buchstaben dieser fünf Worte die Zeichenfolge ICQUS = Ichthys / Fisch. Der Fisch ist eines der ältesten Symbole des Christentums, mit dem sich bereits die ersten Christen in Rom zu erkennen gegeben hatten. „IHS“ und „ihs“ lassen sich als Kurzform des Namens Jesu in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurden in Bibeln und Urkunden die Namen Jesus und Christus und andere „Nomina sacra“ kaum ausgeschrieben. Das Kürzel erscheint mit einer darüber liegenden Abkürzungstilde, die dann später zum Kreuz umgeformt wurde. In dieser Form ist das Zeichen auch auf der Fahnenspitze zu sehen.

Bildkasten rechts: Frühe Abbildungen aus Katakomben, Ordenssiegel und Zeichen des der Jesuitenordens

 

Zugleich gilt „IHS“ als Ordenszeichen der Jesuiten. Die von dem ehemaligen Offizier Ignatius von Loyola (1491-1556) begründete „Gesellschaft Jesu“ führte das Christusmonogramm in ihrem Wappen und gebraucht es bis heute. Ihnen gilt es als Kurzform von Iesum Habemus Socium (Wir haben Jesus als Gefährten). Ergänzt wird das von einem Strahlenkranz umgebene Monogramm durch ein aufgesetztes Kreuz. Die drei Nägel unterhalb des IHS stehen für die drei Gelübde der Jesuiten: Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.

Termin der Fahnenweihe am 31. Januar 2009

Die restaurierte Fahne ist am Sonntagabend nach Borbeck eingetroffen. Frau Antonie Bürger, versierte und gelernte Paramentenstickerin aus Erwitte, hat mit der Neufassung des mehrlagigen Tuches ein wundervolles Werk hergestellt. Auf eine rund zweieinhalb Quadratmeter messende vorgewaschene Nesseleinlage wurde ein bei der Firma "Cassau Paramente" in Paderborn erstandener Kunstseidenrips in den Farbnuancen "Havannah", Bayrisch-Blau" und Creme" aufgebracht. An den oberen Winkeln ist die Fahne bereits für das Aufziehen auf eine Fahnenstange mit stabilen Nähten, Häng- und Spannösen versehen. In aufwendiger Detailarbeit sind die Applikationen in Goldstickerei von der alten Fahne abgenommen und auf die neue Unterlage aufgebracht worden. Der Paulusdom von Münster, der Ruhranenzirkel und der Vereinsname "UNITAS RUHRANIA MÜNSTER" sind jetzt mit einem breiten, farblich abgestimmten Stickrahmen an den Untergrund geheftet, der erheblich tragfähiger als das Tuch des so äußerlich vollständig und original wiederhergestellten Vorgängermodells ist. Dies zeigt der Vergleich mit den Resten der alten Fahne, die ebenfalls nach Borbeck mitgebracht wurden. Bereits jetzt ist der 80-jährigen Künstlerin für das großartige Ergebnis ganz herzlicher Dank zu sagen. Auch Regina und Bbr. Andreas Rydzek, die spontan die Initiative ergriffen haben, gilt großer Dank.

Die Fahne mit ihrer neuen Stange wird nach der Planung für das Stiftungsfest im Anschluss an die Gremiensitzungen am Samstag, 31. Januar 2009, neu geweiht werden. Dies soll im Rahmen der gegen 18 Uhr beginnenden Feier einer Vesper stattfinden.




s.a. unsere Meldungen:

07.01.2009: Restaurierte Ruhranen-Fahne kehrt aus Exil zurück

 24.09.2008: Restaurierung: Münster-Fahne ist in Arbeit



Veröffentlicht am: 14:35:48 11.01.2009
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