BORBECK, 19. Dezember 2008. Wer derzeit das UNITAS-Haus an der Flurstraße besucht, staunt schon nicht schlecht: Im ersten Stock steht ein veritabler Weihnachtsbaum, prachtvoll in Gold geschmückt. Da war man am Freitagabend schon bestens eingestimmt, um im Conventsaal unter dem Dach dem Geist des „Krambambuli“ auf die Schliche zu kommen: Es war wieder Zeit für die jährliche Feuerzangenbowle zum gleichnamigen Film …

Als sich - parallel zur Filmszene - der mit Rum getränkte Zucker vor 20 leuchtenden Augenpaaren in eine magisch zuckende blaue Flammenwolke verwandelt, ahnt man schon das Schlimmste. Heiße Dämpfe, betörende Düfte, rote Wangen - und langsam steigt die Stimmung… „Sie waren auf keiner Schule? Das ist ja schrecklich!“, tönen die vier befrackten Herren und Pfeiffer mit drei F zückt sein Zigarettenetui. „Soll ich wirklich? Meinen Schnäuzer, mein wallendes Dichterhaar, eine traurige Nickelbrille?"… Die Glocke läutet, Bömmel betritt die Klasse, eine Dampfmaschine hat vorne ein Loch, und was da noch ist, kriegen wir später. Der Schuh ist weg und wir stellen uns alle mal ganz dumm. Wer da nicht schon die zweite Tasse nachgeordert hat, weiß nicht um den Ernst der Angelegenheit. Die rituelle Handlung ist geläufig, den Dialogen lässt sich mit knarzenden Lautsprechern akustisch kaum folgen, aber egal. Denn man kennt sie ja.

„Na dann wollen wir mal sehen, ob sie ihren Wallenstein präpariert haben….!“ „Die Goten saßen zuerst … Na erst saßen die Goten in … also die Goten saßen zuerst in … Schweden. … Und dann wussten sie nicht so recht wohin.“ ... „Ne, Frollein, dat geht nicht. Wir schreiben grad ne Klassenarbeit über das Thermometer. … Sie kommen aus Berlin? Na, so sehen sie auch aus!“ ... „Die Baustelle? Dat mach ich uns schon zurecht.“ ... „Rosen, sie reden irre!“ … „Meine schöne Oberprima!“ Der Zirkelvorsitzende, fast der einzige, der es vom Schüler einst auch zum Lehrer brachte, lacht sich fast kaputt. … Und spätestens jetzt ist klar, wer Direktor Knauer wirklich ist. Es sitzt mit am Tisch. Es ist Sebastian. „Ackermann! Was wissen sie über die alkoholische Gärung?“ …. „Herr Professor, mir ist auf einmal so eigenartig!“ Alle stimmen in den „Schwarzen Walfisch von Askalon“ ein. Und Osram legt sich quer auf die Bank. „Sehr hübsch, hübsch ...“ säuselt das Provinzialschulkollegium. Bis Eva ihrem Hans Pfeiffer entgegenschwebt und gesteht: „Wir wollen Schriftsteller werden!“ Ob es eine solche Schule wirklich jemals gegeben hat ….?

 

Applaus, als sich der Vorhang senkt. Und Zimt liegt in der Luft. Als der Pianist - der Senior Christoph hochselbst - im Kerzenschein die Tasten bemüht, donnern galoppierend alle Strophen des „Krambambuli“ durch die Hallen. „Aus poln- und preußischen Provinzen hält dich der Adel hoch in Ehr´…“. Tassenklirren - und wer immer auch Anakreon ist – die Apfelsine schmeckt nach mehr. "Statt Medizin der Medici trink ich mein Glas Krambambuli..." - Daniel ist wahrscheinlich der einzige mit einer wirklich ausgeprägten Allergie, was dieses Lied angeht. Für die Top-20 diesen Song bitte nicht mehr wiederwählen. Der Zucker schmilzt wie Eis auf Teneriffa im August. Und Nelken sind wahrscheinlich auch drin. Irgendwas Gesundes wird wohl doch dabei sein? Richie löst Daniel an der Schöpfkelle ab. „Ackermann! Nachschenken! Schreiben sie ins Klassenbuch: Die Nordmark hat nichts mehr zu trinken.“ Und dann läuft das flüssige Feuer über die Tischplatte. Hektisches Ausklopfen. Trocken klebt das wie Uhu. David Poerschke und Magnus vom CV fühlen sich sauwohl. Feuerzangenbowle 2009. Es ist, wie es ist.

Und dass sich doch noch Offizielles tat, hatte mit dem beherrschenden Ereignis des Tages zu tun. Alle Anwesenden schrieben, was sie fühlten: „Lieber Bischof Felix! Wir gratulieren, sind sehr überrascht, auch ein wenig traurig, doch wir wünschen vor allem GOTTES SEGEN für die große Aufgabe!“ und setzten ihre Unterschriften unter einen spontanen Brief, der in diesen Tagen dem neu ernannten Bischof von Münster zugehen soll.




Veröffentlicht am: 12:07:28 20.12.2008
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