Der Papst war Pate:
Grundstein für Unitas Magdeburg/Erfurt in Rom gelegt

 

Aus: unitas 130. Jg., 5/1990, Mai, 98f.

 

Am Ostersonntag, 15. April 1990, wurden in Rom vier junge Studenten aus Magdeburg als extralozierte Bundesbrüder in die Unitas Ripuaria Neuss aufgenommen. Damit war das Funda­ment für die Gründung eines neuen Unitas-Vereins in der DDR gelegt. Die Magdeburger - inzwischen schon fünf - wollen bei der 113. Generalversammlung in Aachen ihre Aufnahme in den UV als Unitas Magdeburg/ErFurt beantragen. Über die Tage in Rom erhielt die „unitas" aus Magdeburg den nachstehenden Bericht:

 

Gelegentlich habe ich ja schon in Zeitungen inseriert, aber als „Verfasser" eines ganzen Arti­kels verantwortlich zu zeich­nen, ist doch recht ungewohnt. Es kommt wohl auf den Ver­such an. Eine Romfahrt ge­meinsam mit Unitariern aus Neuss und Bonn ist schon ein trefflicher Grund, etwas darü­ber zu Papier zu bringen.

 

Das Osterfest, die Kar- und Osterliturgie im Zentrum der Christenheit mitzufeiern, ist ein Geschenk gewesen, ein Erleb­nis, das sich tief eingeprägt und so viele Eindrücke hinterlassen hat, daß es kaum möglich ist, sie alle zu verarbeiten, ge­schweige denn adäquat wie­derzugeben. Die Fußwaschung in San Giovanni in Laterano am Gründonnerstag und der abendliche Kreuzweg am Kar­freitag mit dem Papst am Kol­losseum, die Liturgie der Oster­nacht in II Gesu und der große Ostergottesdienst mit dem Heiligen Vater am Ostersonn­tag auf dem Petersplatz zu­sammen mit Zehntausenden von Pilgern aus der ganzen Welt werden für uns unvergeß­lich bleiben.

 

Eigentlicher Anlaß und damit ein weiterer Höhepunkt unse­rer Fahrt war aber die Aufnah­me in die Unitas Ripuaria Neuss; darum hatten wir vier Wahl-Magdeburger - Chris, Bodo, Joachim und ich, Gabor - gebeten. In Magdeburg, der Stadt Ottos 1., drücken wir zur Zeit die Schulbank im „Norber­tinum", einer katholischen Ein­richtung für Priesteramtskan­didaten, um zunächst das Abi­tur abzulegen und anschlie­ßend weiter Theologie zu stu­dieren.

 

Mit von der Partie war übrigens Hans Trei, ein deutschstämmi­ger Student aus Tadschikistan, der sich derzeit im Priesterse­minar in Riga auf seine Diakon­weihe vorbereitet. Auch er hat­te den Wunsch, Bundesbruder zu werden, und wurde eben­falls in die Ripuaria aufgenom­men.

 

Am Ostersonntag war es dann soweit: In feierlichem Rahmen gelobten wir, die Prinzipien vir­tus, scientia und amicitia zu achten und zu befolgen. Der Ehrensenior der Ripuaren, Bbr. Prälat Johannes Börsch, der unsere Reise organisiert hatte, sowie Verbandsgeschäftsfüh­rer Wolfgang Burr und Unitas-­Chefredakteur Hermann-Josef Grossimlinghaus, die beide ebenfalls über Ostern in Rom waren und vieles mit uns gemeinsam unternommen ha­ben, gaben uns Bedenkens­wertes mit auf den Weg eines Neo-Fuxen. Ein Geschenk, die „römische Lupa", wohl als Wappentier für die nun bei der GV in Aachen neu zu grün­dende Unitas Magdeburg/Er­furt gedacht, wird uns an die­sen Tag erinnern.

 

Wenn das kein Grund war zu feiern ... Mit „Frascati" begos­sen wir den feierlichen Akt, auch wenn dabei durch das Singen lateinischer Studenten­lieder unsere Lateinkenntnisse nicht besser wurden. Ein Trost für mich war die Erkenntnis, daß ich nicht der einzige bin, der mit dieser Sprache noch so sei­ne Schwierigkeiten hat.

 

Zugegeben, bei der unerwarte­ten Frühmesse, die wir mit dem Heiligen Vater in dessen Privat­kapelle feiern durften, hätten wir Latein sehr gut gebrauchen können. Da wir aber gebeten worden waren, den Gottes­dienst mit deutschen Liedern zu gestalten, fiel das alles gar nicht so auf. Mit dem Papst zu­sammen zu beten, mit ihm die Eucharistie zu feiern und die sich anschließende Begegnung mit Johannes Paul II. - das hat sicher ein jeder von uns auf seine Weise tief erlebt, auch wenn die Aufregung groß war.

 

Aber nicht nur Rom selbst mit seinen zahllosen Kirchen und antiken Bauten hat uns beein­druckt, sondern auch außer­ halb der „Ewigen Stadt" gab es viel zu sehen. So nutzten wir ei­nen Tag, um in den Katakom­ben ganz nah an den Gräbern von Christen und Heiden zu stehen und zu erfahren, wie die christliche Urgemeinde vor 2000 Jahren gelebt hat. Ein Vormittag an der Westküste Italiens war ein weiteres Erleb­nis besonderer Art. Stürmi­sches, naßkaltes Wetter ließ die Wellen meterhoch schla­gen, und wir konnten an einem menschenleeren Strand das Mittelmeer genießen. Leider verging die Zeit viel zu schnell.

 

Das Ganze ist immer noch phantastisch - voriges Jahr noch völlig undenkbar, auch nur in den anderen Teil Deutschlands fahren zu kön­nen, waren wir jetzt als Unita­rier über Ostern in Rom. Und da sage noch jemand, es gäbe kei­ne Wunder. Kein Wunder war natürlich, daß wir die Gelegen­heit genutzt haben, an den Grä­bern der Apostel Dank zu sa­gen und Segen zu erbitten - auch für die Unitas und alle Bundesbrüder, die unsere Rei­se ermöglicht haben. Ich kann nur feststellen: Rom ist eine Unitas-Fahrt wert! Gratias agimus et salutamus in unitate!

 

Pro omnibus

Gabor Kant

 

Das Zusammentreffen mit Papst Johannes Paul II. im ganzen Bild
 


Aus dem Unitas-Pressespiegel

 

L'OSSERVATORE ROMANO, Wochenausgabe in deutscher Sprache,
11. Mai 1990/ Nummer 19

 

Erstmals Weltkirche in Rom miterlebt

 

Junge Priesteramtskandidaten aus der DDR vom Papst empfangen

 

Begeistert und tief beeindruckt von ihrem er­sten Besuch in der "Ewigen Stadt" zeigten sich junge Studierende aus Magdeburg und Riga, die auf Einladung des Verbandes der wissenschaft­lichen katholischen Studentenvereine UNITAS (UV) die Karwoche und die Ostertage in Rom ver­bringen konnten. Es war ihr erstes Erlebnis von Weltkirche, nachdem sich die Mauern, hinter de­nen sie noch bis vor kurzem leben mußten, geöff­net haben.

 

Höhepunkt der Tage in Rom war ein Gottes­dienst mit Johannes Paul 11., der von der Gruppe in deutscher Sprache gestaltet wurde. Im An­schluß daran empfing der Papst die Studenten und erkundigte sich eingehend nach ihren Zu­kunftsvorstellungen und der Situation in der DDR und der Sowjetunion.

 

Die jungen Männer aus der DDR studieren alle im Norbertus-Werk in Magdeburg, einer Ein­richtung der Kirche in der DDR, in der sie auf ein kirchliches Abitur vorbereitet werden, damit sie im Anschluß daran ein philosophisch-theologi­sches Studium in Erfurt aufnehmen können. Seit wenigen Wochen wird das Abitur am Norbertus­-Werk nun auch staatlich anerkannt. Die heute rund 40 Studierenden sind Priesteramtskandida­ten aller Jurisdiktionsbereiche in der DDR und aus verschiedenen Orden.

 

Begleitet wurden die Studenten aus der DDR von Kommilitonen des Collegium Marianum aus Neuss, dessen Direktor, Msgr. Johannes Börsch, auch die Organisation und Leitung der Romreise übernommen hatte. Das Marianum ist eine Paral­leleinrichtung zum Norbertinum in der Bundes­republik, aus dem seit Kriegsende über 500 Prie­ster und Ordensleute hervorgegangen sind.

HJG


Veröffentlicht am: 14:37:32 15.05.1990
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