„Einmal endet alles, auch das, was ihr wollt“

Es stand in allen Zeitungen der Region: „Mit Studienrat Klinkes Theater-Finale endet eine Schulbühnenära“, so titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) Mitte Februar im überregionalen Teil. Bbr. Norbert Klinke beging seinen langen Abschied von der Schulbühne der Castrop-Rauxeler Gymnasien mit Shakespeares lyrischer Komödie „Was ihr wollt“. Eine Inszenierung pro Jahr, 27Jahre lang damit bundesweiter Rekord.

Nach einhelliger Meinung der Gazetten „landete die Mannschaft um Patriarch Norbert Klinke einen großen Erfolg“. Der Theaternarr und ausgemachte Opernfan freute sich über Kritiken, die von einer „überwältigenden Premiere“ der letzten Aufführung sprachen. Bereits vor zwei Jahren hatte er seine Theaterlaufbahn beenden wollen, doch gönnte er sich noch zwei Zugaben. Nun feierte er seinen 150. Auftritt, verkörperte mit Falstaffs kleinem Bruder Tobias von Rülp als Trunkenbold temperamentvoll seine 20. Rolle und übernahm damit zum Abschluß sogar noch einmal einen Hauptpart. Seine Statur kam ihm dabei zugute: Mögen andere Kissen unter das Wams stopfen und mit künstlichen Gesichtshaaren hantieren er wurde von der Natur mit beidem, mit Leibesfülle und herrlichem Bart reich beschenkt.

Der Prinzipal und aus Krankheitsgründen pensionierte Oberstudienrat, ein „lebendes Denkmal“ im Echo der örtlichen Blätter, hatte die Bühne 1964 in der Revier-Stadt gegründet und als Autor, Texter, Dramaturg, als Regisseur, Schauspieler, Masken und Bühnenbildner das Unternehmen zu einer Institution von überregionaler Bedeutung werden lassen. Fast 400 Mitspieler haben die Geschichte der Schulbühne mitgetragen, von denen sich 50 bis 60 bei den jährlichen Wiedersehenstreffen einfinden. Mit seiner Arbeit orientierte er sich ganz bewußt am professionellen Theater. Der WAZ verriet er, daß sein Beruf als Lehrer für Deutsch und Latein die Synthese seiner Sehnsüchte zwischen Priester und Schauspieler gewesen sei. Dabei konnte er sicher sein, daß die ganze Familie hinter seiner Arbeit stand: Die „Bretter, die die Welt bedeuten“ wurden auch seiner Frau Helga und fünf Kindern zur Heimat, von denen die drei ältesten, Dominikus, Markus und Maresa in vielen Rollen auf der Bühne standen.

40 Wochen im Jahr, 27 Jahre lang, gehörte der Mittwochnachmittag der Ensemblearbeit. Heute ist das „alte Zirkuspferd“, wie er sich selber nennt, nochvoller Unrast. Den Hauptteil seiner Freizeit will er der Aktivitas im Ruhrgebietwidmen, die ihn in ihr Herz geschlossen hat. Der „geborene“ CVer entschied sich zu Beginn seines Studiums bewußt für die UNITAS und wurde in Münster ein begeisterter Ruhrane. Die Wiederbegründung an der Ruhr hat Bbr. Norbert Klinke, gleichzeitig B-Philister der Winfridia, tatkräftig unterstützt. Die Aktiven wissen's ihm zu danken: Der Senior ließ es sich während des minutenlangen Applauses bei der Abschiedsvorstellung nicht nehmen, ihm eine große Sektflasche auf die Bühne zu reichen. Einen Biernamen hat er nun auch bekommen. Die Revier-Aktiven taufen ihn in einer feuchten Prozedur auf den Namen seiner letzten Rolle: „Junker Tobias“.
CB




Veröffentlicht am: 11:46:11 20.02.1991
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