Das läßt sich hören:
„Friesenwelle“ und „UNITAS - Auf Ruhr“

Ein einsamer Mensch mitten in einer Fußgängerzone Münsters: Immer wieder hält er Passanten an, ihnen ein Mikro unter die Nase und stellt die Fragen aller Fragen: „Bürgerradio Antenne Münster - was halten Sie von Studentenverbindungen?“ Aber nicht irgendein freier Mitarbeiter der zahlreichen Lokalfunkstationen in Nordrhein-Westfalen hat sich hier auf den Weg gemacht, um übliche Vorurteile zu akademischem Traditionsklüngel zu sammeln: Der Mensch mit Mikro ist „Friese“.

Das Funkfieber greift im Verband langsam um sich. Nicht nur in Bochum, Essen und Dortmund wird die Chance selbstgemachter Bürgerfunksendungen zur Öffentlichkeitsarbeit des Vereins genutzt, sondern auch jetzt auch in Münster. Denn dort ging Ende Juni erstmals die UNITAS Frisia über „Radio Antenne Münster“ auf Sendung.

Erste UNITAS-Radiosendung in Münster

Schon der Einstieg in diese münsteraner Pilotsendung verhieß einiges: Da rollt eine ordentliche Brandung, einige kräftige Klavierakkorde ertönen und mehrstimmig schallt ein eigens getextetes Lied aus wohltemperierten Burschenkehlen. „Die Friesenwelle rollt!“: Sprecher Hanno von Hoegen verspricht eine bunte Stunde mit „Infos, Aktionen und mehr.“ Nach dem ersten Musiktitel „Roll over Beethoven“ von Chuck Berry merkt man es gleich: Der Mann von UNITAS Frisia hat nicht zuviel versprochen. Sechzig Minuten lang tun vier Studenten und eine Studentin das Ihre, um den in einem ersten Beitrag hintereinandergeschnittenen O-Tönen vom Prinzipalmarkt Informationen aus erster Hand und freche Friesenfrische entgegenzusetzen. Ihr Motto: „Wer wir wirklich sind....“.

Für die im Studio der Volkshochschule Münster produzierte erste Friesen-Sendung ging es natürlich nicht ohne Vorbereitung ab. Lange wurden Ideen gesammelt, Texte aufgesetzt und schließlich stand das „Drehbuch“ mit in gut ausgewählte Hits von gestern und heute eingepackten Redebeiträgen. Bei ihrem Studiotermin kam den UNITAS-Funkern ohne Zweifel sehr zustatten, daß ja die Musen ihr Füllhorn bekanntermaßen reich über die Frisia aus geschüttet haben. Was sie mit ihrer Sendung erneut bewiesen: Nicht nur die Tonkünstler zeigten, was am Instrument möglich ist, auch Gesang, verbaler Slapstick und Humor kommen beim Konsumenten gut an. So versuchten sich die münsteraner Unitarier, die ihre Begeisterung für Hörspiele schon bei öffentlichen Aufführungen unter Beweis stellten, mit einem Besuch beim Wiener Kongreß, ließen in ihrem Streifzug durch die Vorgeschichte der Verbandsgründung dort zu klassischer Orchestermusik preußische Staatslenker über das „fromme katholische Volk am Rhein“ räsonieren. Schnell tauchten die Friesen aber aus den „Grüften der Historie“, wie sie es nannten, wieder auf, und präsentierten phantasievoll eine lebendige Vereinswirklichkeit.

Erstaunlich, was so ein ganz normaler UNITAS-Alltag alles hergibt: Da findet sich ein Ausschnitt vom letzten Wohltätigkeitskonzert mit Gershwins „Rhapsody in Blue“ neben einer Einblendung in die letzte Hörspiel-Aufführung eines Dürenmatt-Stücks mit UNITAS Winfridia, eine Dieter Krebs-Imitation widerlegt einige auch auf die UNITAS übertragene Vorurteile gegen Verbindungen und beim Herzschlag des Mitläufers beim Berlin-Marathon treten dem geneigten Hörer selbst die Schweißperlen auf die Stirn. Auf bequemem Musikbett entsteht so mit kurzen Spots über gelaufene Veranstaltungen und Hinweisen auf kommende Ereignisse ein kurzweiliges Bild eines Vereins, in dem neben den Scorpions und den Rolling Stones auch der gute alte Frankie-Boy bestehen kann. Da wird ebenso deutlich, was den Leuten in der Sprecherkabine im normalen Leben wichtig ist und welchen Anteil die UNITAS daran hat. Nicht ausgelassen wird dazu in Münster auch eine Vorstellung bekannter unitarischer Persönlichkeiten, in der natürlich Franz Hitze, Ludwig Windhorst und Robert Schuman gewürdigt werden. Aber mehr noch: Den in der Region verehrten Heimatdichter Augustin Wibbelt stellt ein Alter Herr vor. Standesgemäß in echtem münsterländischem Platt.

Der Hörer ist schnell überzeugt: Hanno von Hoegen, Andreas Kramartz, Martin Brockhausen, Holger Skupin und Ruth Sanders ist es ernst mit ihrer UNITAS. Aber er registriert angenehm, daß sie sich selbst nicht zu ernst nehmen. Und er ist dankbar für eine Funkstunde, die neben guter Musik neue Informationen brachte. Ob er oder sie nachgedacht hat über etwa vorhandene voreilige Urteile in Sachen Verbindung? Wir wissen es nicht, wollen es aber hoffen.

Keine Sendepause im Ruhrgebiet

Einen festen Sendeplatz hat die UNITAS inzwischen im Revier. Dort hat die UNITAS Bochum-Essen-Dortmund gerade ihre schon vierte Sendung abgeliefert: Nach einer Live-Stunde auf der „Ruhrwelle Bochum“ und zwei im Studio des Bistums Essen produzierten Abendmagazinen in „Radio Essen“ hieß es jetzt pünktlich zum Semesterstart wieder „Herzlich willkommen bei UNITAS auf Ruhr“. Ging die Ruhrania im letzten Sommer noch locker-flockig mit einer UNITAS-Beach-Party ins Rennen, widmet se sich in ihrer Selbstdarstellung immer mehr auch profilierteren Themen: So ging es in der vorletzten Ausgabe mit Schwer- punkt um die „Heidelberger Erklärung“ und die Situation von Flüchtlingen und Aussiedlern in der Ruhrmetropole, der in Gesprächen mit Caritas-Beratungsstellen nachgegangen wurde. Diesmal nun stellte „UNITAS auf Ruhr“ die Resolutionen der Paderborner Generalversammlung vor. Aber Studiogespräche mit Alt-Senior Helmut Wiechmann und Senior Bernd Brinker gehörten am 13.Oktober ebenso dazu wie Blicke in das nächste Semesterprogramm. Eine Sendepause ist indes nicht geplant: In Kürze wird eine fünfte Sendung im Bürgerfunk der „Ruhrwelle Bochum“ laufen.

Und was hat man nun davon? Zugegeben, die Produktion einer Sendung kostet zwar kein Geld, denn Material, Aufnahmeeinheiten und der Technikservice für das vorproduzierte und später ins normale Programm eingespielte Band wird von der Radiowerkstatt der Wahl gestellt. Doch die Produktion kostet Zeit. Sich aber diese Zeit zu nehmen, bringt Gewinn. Das bestätigen auch die Friesen: „Das ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man im Radio nicht nur die selbstausgewählte Lieblingsmusik hört, sondern plötzlich auch seine eigene Stimme“, meint Hanno von Hoegen. „Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, wenn einem dann dämmert, gerade zu Zehntausenden von Menschen zu sprechen.“ Wenn die Reaktionen in der Studentenschaft auch zunächst ausbleiben - darauf muß man erst einmal gefaßt sein - so sei die im Mitschnitt festgehaltene Aktion jedoch auch ein Pfund, mit dem sich in der Nachwuchsarbeit wuchern lasse. Und Andreas Kramartz ergänzt: „Der Spaß an der Sache ist schon für sich eine Menge wert. Auf einen solch attraktiven Punkt im Semesterprogramm hätten wir eigentlich bereits früher kommen können. Wir können die Sache jedenfalls nur weiterempfehlen.“

Chancen nutzen

Neuere Untersuchungen zur sogenannten „Reichweite“ der Lokalfunkstationen geben dem Bürgerfunk inzwischen gute Chancen. Dies beweist eine kürzlich vorgelegte Untersuchung des Institutes für Publizistik der Universität Münster zum Offenen Kanal im kommerziellen Lokalradio (vgl. MEDIA PERSPEKTIVEN 7/93, 325-335). Denn die über 40 privaten Stationen überall im Land haben den bislang meistgehörtesten Sender WDR 4 schon überholt. Und warum sollte die UNITAS im Bürgerradio nicht mit dabei sein? Die unverkrampfte Begegnung mit dem Medium kann in den Vereinen einen neuen Blick für Öffentlichkeitsarbeit insgesamt schaffen, gibt Kontakt zur Redaktion, motiviert zu neuen und weiteren Taten. Selbst wenn auf die in der „Outro“ einer Sendung angegebene Telefonnummer nicht gleich das Haus von Interessenten gestürmt wird - der Imagezuwachs für den Verein ist kaum zu messen. Und natürlich ist der Spaß an der Sache - ohne Angst vor Versprechern - eine schöne Begleiterscheinung, die man gerne in Kauf nimmt: Einmal gemeinsam etwas ganz anderes zu machen, kann sich sehr positiv auf das Vereinsleben auswirken.

 „UNITAS - bekannt von Film, Funk und Fernsehen“ - warum eigentlich nicht? Umso mehr, wenn man überzeugt ist etwas zu vertreten, das Sinn macht.

Christof Beckmann

 




Veröffentlicht am: 11:33:03 10.10.1993
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