Resolutionen

Der 120. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine UNITAS in Bonn liegen Resolutionsentwürfe zu folgenden Schwerpunktthemen vor:

Stellungnahme der 120. Generalversammlung des UNITAS-Verbandes zur Europäischen Bioethik-Konvention

Der UNITAS-Verband begrüße es, daß die Bundesregierung der Europäischen Bioethik-Konvention bislang nicht beigetreten sei, heißt es im vorgelegten Entwurf. Der jetzt erreichte Standard einer einheitlichen Regelung zum Umgang mit dem menschlichen Leben könne nicht akzeptiert werden. Die Konvention enthalte zu viele Unklarheiten und eröffne damit die Möglichkeit zum Mißbrauch medizinischer Eingriffe und wissenschaftlicher Forschung am Menschen.

Der UNITAS-Verband fordere daher klare und unmißverständliche Regelungen und rufe alle Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche auf, „mit aller Entschiedenheit dafür einzutreten, daß Forschung an Embryonen und Eringriffe in die menschliche Keimbahn ausgeschlossen bleiben.“ Wörtlich: „Es geht dabei nicht um ein religiöses Sondergut, sondern um die Erhaltung der Humanität.“ Die Mitglieder des Verbandes seien aufgerufen, sich weiterhin auf allen Ebenen für die Erhaltung des Wertebewußtseins in der Gesellschaft einzusetzen. Die naturwissenschaftliche und medizinische Fortentwicklung müsse in besonderer Weise die Ehrfurcht vor dem Leben und der Schöpfung zu ihrer Handlungsmaxime machen. Sie habe anzuerkennen, „daß wir nicht alles dürfen, was wir können“ und sich zu den Grenzen menschlichen Handelns zu bekennen.

In der Begründung führen die Antragsteller des W.K.St.V. UNITAS Hetania Würzburg aus, daß der Schutz der Menschenwürde als oberste Verpflichtung staatlichen Handelns in der vom Europarat ohne Zustimmung Deutschlands beschlossenen Konvention nicht hinreichend gewahrt werde: „Die vorgesehenen Schutzstandards unterschreiten das in Deutschland geltende Schutzniveau. Ein Beitritt Deutschlands zur Konvention in der vom Europarat beschlossenen Fassung kommt daher auch weiterhin nicht in Frage.“

 

„Für andere da sein“ –
UNITAS-Verband ruft zur Wiederentdeckung des Ehrenamtes auf

Zur Übernahme ehrenamtlicher Verantwortung im demokratischen Gemeinwesen ruft eine Resolution des UNITAS-Beirates für gesellschaftliche Fragen auf. Für den Christen sei der Dienst an der Allgemeinheit selbstverständlich: „Das Gebot der Nächstenliebe ist die Grundlage christlicher Ethik“, heißt es. „Der Dienst an der Allgemeinheit gehört mit dem Solidaritäts- und Subsidiaritätsprinzip zu den Grundlagen eines freiheitlich demokratisch geordneten Gemeinwesens“. Das Ehrenamt sei heute „notwendiger denn je“. Der UNITAS-Verband rufe seine Mitglieder auf zu noch mehr ehrenamtlichem Engagement auf: „Das Ehrenamt bietet die Chance, konkret und aktiv Nächtenliebe zu üben und Prinzipien der katholischen Soziallehre - Solidarität und Subsidiarität - personal realisieren zu helfen.“

Vom Staat und Großorganisationen „konsumentenhaft und in bloßem Anspruchsdenken verhaftet eine soziale und kulturelle Rundum-Versorgung ohne persönlichen Beitrag des Einzelnen zu erwarten, wäre auf Dauer das Ende lebendiger und lebenskräftiger Demokratie“, formuliert der Entwurf. Das vielgestaltige Angebot sozialer und kultureller Leistungen befinde sich in einer Krise. Die professionell organisierten Dienste seien nicht mehr finanzierbar und litten gleichzeitig unter bedrohlichem Mangel an Mitarbeitern. „Staat und Gesellschaft brauchen diesen Einsatz, wenn sie ihre Würde nicht verlieren wollen.“

„Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und vor allem Nächstenliebe“ müßten in Erziehung und öffentlicher Meinungsbildung als Werte und Grundhaltungen gefördert werden. Auch der „wohlverstandene Patriotismus“ - nach einem Wort des Unitariers Robert Schuman, des „Vaters Europas“, sei Nächstenliebe.

Allerdings müßten dem Ehrenamt zeitgemäße Rahmenbedingungen gegeben werden: Die Tätigkeit müsse den Anschein einer „Lückenbüßerfunktion“ vermeiden,, Möglichkeiten des Mitdenkens und Mitgestalten einräumen, flexible Organisation und Fortbildung, faire Kostenerstattung und angemessenen Versicherungsschutz gewährleisten. Nicht zuletzt müsse die öffentliche Wertschätzung des Ehrenamtes gepflegt werden.

 

Stellungnahme der 120. Generalversammlung
des UNITAS-Verbandes zur Stärkung der Hochschulen

Mehrere zum Beschluß vorgelegte Resolutionen fordern angesichts der Reform des Hochschulrahmengesetzes eine Änderung der Gesetzeslage zugunsten einer größeren Eigenständigkeit der Hochschulen. „Im Zeitalter der Informationsgesellschaft nehmen Bildung und Wissen für die Innovations- und Entwicklungsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft immer höheren Stellenwert ein“, heißt es in den Entwürfen. Kurzfristige Spareingriffe und Stellenstreichungen dürften das Lehrangebot nicht ständig verschlechtern, vielmehr seien langfristige Investitionen nötig. Der UNITAS-Verband fordere die Verantwortlichen dazu auf, die Sparmaßnahmen und Stellenkürzungen der letzten Jahre zügig zu revidieren. Ziel auf dem Weg zu einer international wettbewerbsfähigen Hochschullandschaft in Deutschland müsse vor allem eine größere Entbürokratisierung und stärkere Leistungsorientierung sein. Dies gelte auch für die Studienplatzvergabe, die Studentenförderung und das Dienstrecht. Eine „grundlegende Reform der Hochschulen ist dringend erforderlich“, lautet die gemeinsame Aussage der Entwürfe. Dazu sei eine Einbindung der Studierenden, der Professoren und der Universitäten erforderlich. Nur durch ein Umdenken aller Beteiligten könne die Zukunft des deutschen Hochschulsystems gesichert werden, das mit 1,9 Millionen Studierenden die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht habe.

· Mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung müsse die Studentenschaft selbst zeigen. Resignation und Lethargie angesichts der Arbeit der studentischen Mitverwaltung seien fehl am Platz. Erst aktives Einmischen ermögliche ein sinnvolles und zielgerichtetes Studium. Die Lehrenden müßten die Verbesserung der Lehre vorantreiben; die Forderung nach international üblicher „Evaluation“, nach Bewertung ihres Einsatzes, müsse auch den Professoren ein Anliegen sein. Von ihnen fordert ein Entwurf, Diplom- und Examensarbeiten binnen 3 Monaten nach Abgabe zu korrigieren.

· Der Hochschulzugang solle weiterhin allen Abiturienten offenstehen, allerdings müßten die Hochschulen die Möglichkeit bekommen, die Studenten auszuwählen. Motivation und Eignung für eine Fachrichtung müßten zu einem „mindestens gleichrangigen Auswahlkriterium neben Abiturdurchschnitt und Wartezeit werden“. Nach einem weiteren Entwurf wird die Abschaffung der Zentralen Studienvergabe (ZVS) vorgeschlagen. Hochschulen sollten Auswahlkriterien selbst festsetzen und auch nach eigenem Ermessen auch Studiengebühren erheben.

· Gefordert wird gleichlautend in allen Entwürfen eine größere Transparenz des Studienbetriebs. Ein umfangreiches Beratungs- und Tutorienangebot sowie frühzeitige Leistungsnachweise seien geeignet, eine falsche Studienwahl zu erkennen und zu korrigieren.

· Die Universitäten selbst müßten effizienter und studentenorientierter arbeiten. Die stetig sinkende Zahl ausländischer Studenten stelle ein Alarmsignal dar. Es gelte, die Attraktivität des Bildungsstandortes Deutschland zu erhöhen. Geeignete Mittel dazu seien - im Sinne des Subsidiaritätsprinzips - eine verstärkte Selbstverwaltung und Finanzautonomie der Hochschulen, die Möglichkeit des Wettbewerbes und eigener Zulassungssysteme. Den Hochschulen müßten Globalhaushalte eingeräumt werden, die sie unter Berücksichtigung qualitätssichernder Mindeststandards selbst verwalten sollen.

· Für die Länge der Studienzeit bei Hochschulabsolventen seien nicht sie selbst verantwortlich, sondern eine zunehmende Verschulung des Universitätsbetriebes: „Die Hochschule soll keine Verlängerung der Schulzeit sein“, fordern die Entwürfe. Reine Wissensvermittlung dürfe kein Hauptziel universitärer Bildung sein. In der Hochschulausbildung müsse vielmehr die Entwicklung kritischer und selbständiger Persönlichkeiten im Vordergrund stehen, Wissensvermittlung sich nach einem alternativen Entwurf auf Training von Methodik und Orientierungswissen beschränken. Eine regelmäßige Aktualisierung und Straffung der Lehrpläne sei dazu erforderlich. Dies ermögliche den Universitäten, eine Absolvierung des Studiums in der Regelstudienzeit sicherzustellen. Langzeitstudenten, die aus eigenem Verschulden anderen den Hochschulzugang versperrten, müßten mit Strafgeldern belegt werden können, fordert konkreter ein weiterer Entwurf

· Die Sozialerhebung des deutschen Studentenwerkes belege, daß die erstrebte Chancengleichheit im Bildungswesen immer weniger gewährleistet sei. Aktuell erhielten nicht einmal 20% der Studierenden Ausbildungsförderung, sogar nur noch 1% Vollförderung. Der UNITAS-Verband verlange eine grundlegende Reform der staatlichen Ausbildungsförderung. Mehrere Reformmodelle lägen auf dem Tisch - die Politik sei gefordert, bald zu einer Entscheidung zu kommen. Ein weiterer Vorschlag betrifft die Erlassung eines Begabtenförderungsgesetzes nach bayerischem Vorbild in allen Bundesländern. Außerdem solle die Erleichterung von Stiftung ermöglicht werden. Zugunsten einer Harmonisierung der internationalen Studienbedingungen sei auch eine Überprüfung der bislang nur unzureichend gegebenen Anrechnung im Ausland erbrachter Leistungsnachweise erforderlich. Allen deutschen Universitäten müsse die Möglichkeiten gegeben werden, neben den üblichen Abschlüssen auch Bachelor- und Mastergrade zu verleihen.




Veröffentlicht am: 10:46:25 26.05.1997
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