UNITAS-Verband feierte 150. Geburtstag in Bonn

BONN. Stefan Seufert, 23jähriger Pädagogikstudent aus Bamberg, ist neuer Vorortspräsident des UNITAS-Verbandes. Sein Verein, der „Wissenschaftliche katholische Studentenverein UNITAS Henricia Bamberg“, wurde am Wochenende bei der 120.Generalversammlung des Verbandes in Bonn, einstimmig zum Vorort gewählt. Neuer Verbandsgeschäftsführer ist Wolfgang Schommers (53) aus dem niederrheinischen Grevenbroich. Er tritt die Nachfolge von Dr. Wilfried Podlinski aus Kaarst an, der nach dreijähriger Amtszeit mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde. Zum zweiten stellvertretenden Geschäftsführer bestellten die Delegierten von 120 Vereinen neben dem 35jährigen Diplomtheologen Peter Mömkes aus Wuppertal Dr. Roland Pütz (30) aus Meerbusch.

Neu im Vorstand des Verbandes ist als Geistlicher Beirat Prälat Dr. Ernst-Günter Rokahr. Der Vizeoffizial des Erzbistums Köln ist Vorsitzender eines fünfköpfigen Seelsorgeteams, das die inhaltliche Arbeit des UNITAS-Verbandes begleiten wird. Auf Leopold Turowski vom Katholischen Büro in Bonn, bislang Vorsitzender des Beirats für gesellschaftliche Fragen, folgt Heinrich Sudmann im Amt, Ministerialrat im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Regierungsdirektor Dr.Hubert Braun aus Pinneberg ist Vorsitzender des Beirates für hochschulpolitische Fragen. Als neue studentische Aktivenvertreter im Verbandsvorstand fungieren neben dem Bonner Axel Kortevoß (Region West) der Berliner Tobias Schwab (Region Nord-Ost), Christoph Maixner aus Frankfurt (Region Süd-West) und Wolfgang Amann aus Nürnberg (Region Süd). Neue Sprecherin der fünf UNITAS-Studentinnenvereine ist Regina Mihm aus Bonn.

Die zur Feier des 150jährigen Bestehens des ältesten Ortsvereins UNITAS-Salia am Gründungsort Bonn zusammengerufene Generalversammlung stand unter dem Leitwort „Für eine gerechte und solidarische Welt - Aus der Tradition Zukunft gestalten.“ Sie schloß am Sonntag mit einem festlichen Hochamt in der Bonner Münsterkirche. Der Zelebrant, Erzbischof Giovanni Lajolo, Apostolischer Nuntius in Deutschland, würdigte in seiner Ansprache das soziale Engagement des ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes. Bischof Dr.Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte bereits am Donnerstag bei einem Festakt in der Godesberger Redoute dem UNITAS-Verband „die Grüße der deutschen Bischöfe“ überbracht. Für „150 Jahre Treue des Verbandes zur Kirche“ und die Pflege des sozialen Gedankens in den Einzelvereinen hatte er der UNITAS seinen Dank ausgesprochen. Prälat Paul Bocklet, Leiter des Katholischen Büros in Bonn, rief die UNITAS-Mitglieder dazu auf, weiter Verantwortung in der Politik zu übernehmen, „damit unsere Demokratie lebendig bleibt.“ Für die Universität Bonn gratulierte Professor Dr. Klaus Borchard, Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, am Freitag bei einem von über 600 Gästen besuchten Festkommers in der Godesberger Stadthalle. In seiner Rede zur Rolle der Universitäten vor der Wende zum dritten Jahrtausend, in der er nachdrücklich für eine Stärkung der universitären Eigenständigkeit plädierte, sprach er sich unter anderem deutlich für die Existenzberechtigung studentischer Verbindungen im akademischen Leben aus.

Beschlüsse gefaßt

Fragen zur Europäischen Bioethik-Konvention, zum Ehrenamt und der Verbesserung der universitären Forschung und Lehre standen im Mittelpunkt der Beratungen Plenum, das im Internationalen Jugendforum Bonn tagte. Der UNITAS-Verband begrüße es, daß die Bundesregierung der Europäischen Bioethik-Konvention nicht beigetreten sei, heißt es in einer Stellungnahme, die klare und unmißverständliche Regelungen für den Umgang mit dem menschlichen Leben fordert. Der Verband rufe alle Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche auf, „mit aller Entschiedenheit dafür einzutreten, daß Forschung an Embryonen und Eingriffe in die menschliche Keimbahn ausgeschlossen bleiben.“ Wörtlich: „Es geht dabei nicht um ein religiöses Sondergut, sondern um die Erhaltung der Humanität.“ Die naturwissenschaftliche und medizinische Forschung müsse die Grenzen menschlichen Handelns in Ehrfurcht vor dem Leben und der Schöpfung anerkennen.

Daß für Christen der Dienst an der Allgemeinheit selbstverständlich sei, betont eine Resolution zum Ehrenamt. Dieser Dienst gehöre mit dem Solidaritäts- und Subsidiaritätsprinzip zu den Grundlagen eines freiheitlich demokratisch geordneten Gemeinwesens. Die UNITAS warne vor dem „Gewöhnen an eine soziale und kulturelle Rundum-Versorgung ohne persönlichen Beitrag des Einzelnen“. Eine solche Haltung sei auf Dauer „das Ende lebendiger und lebenskräftiger Demokratie“. „Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und vor allem Nächstenliebe“ müßten in Erziehung und öffentlicher Meinungsbildung als Werte und Grundhaltungen gefördert werden. Das Ehrenamt müsse den Anschein einer „Lückenbüßerfunktion“ vermeiden. Nötig seien zeitgemäße Rahmenbedingungen wie Möglichkeiten des Mitdenkens und Mitgestaltens, flexibler Organisation und Fortbildung, faire Kostenerstattung und angemessener Versicherungsschutz.

Als „dringend erforderlich“ bezeichnet der UNITAS-Verband eine grundlegende Reform der Hochschulen. Bund und Länder fordert er zu einer schnellen Einigung auf ein neues Hochschulrahmengesetz auf.

· Mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung müsse die Studentenschaft selbst zeigen. Resignation und Lethargie angesichts der Arbeit der studentischen Mitverwaltung seien fehl am Platz. Erst aktives Einmischen ermögliche ein sinnvolles und zielgerichtetes Studium. Die Lehrenden müßten die Verbesserung der Lehre vorantreiben; die Forderung nach international üblicher „Evaluation“, nach Bewertung ihres Einsatzes, müsse auch den Professoren ein Anliegen sein.

· Der Hochschulzugang solle weiterhin allen Abiturienten offenstehen, allerdings müßten die Hochschulen die Möglichkeit bekommen, die Studenten auszuwählen. Motivation und Eignung für eine Fachrichtung müßten zu einem „mindestens gleichrangigen Auswahlkriterium neben Abiturdurchschnitt und Wartezeit werden“. Ein umfangreiches Beratungs- und Tutorienangebot sowie frühzeitige Leistungsnachweise seien geeignet, eine falsche Studienwahl zu erkennen und zu korrigieren.

· Die Universitäten selbst müßten effizienter und studentenorientierter arbeiten. Die stetig sinkende Zahl ausländischer Studenten stelle ein Alarmsignal dar. Es gelte, die Attraktivität des Bildungsstandortes Deutschland zu erhöhen. Geeignete Mittel dazu seien eine verstärkte Selbstverwaltung und Finanzautonomie der Hochschulen, die Möglichkeit des Wettbewerbes und eigener Zulassungssysteme.

· Für die Länge der Studienzeit seien nicht die Hochschulabsolventen sondern eine zunehmende Verschulung des Universitätsbetriebes verantwortlich: „Die Hochschule soll keine Verlängerung der Schulzeit sein“, heißt es in der Resolution. Reine Wissensvermittlung dürfe kein Hauptziel universitärer Bildung sein. In der Hochschulausbildung müsse vielmehr die Entwicklung kritischer und selbständiger Persönlichkeiten im Vordergrund stehen. Erforderlich sei eine regelmäßige Aktualisierung und Straffung der Lehrpläne. Kurzfristige Spareingriffe und Stellenstreichungen dürften das Lehrangebot nicht ständig verschlechtern, vielmehr seien langfristige Investitionen nötig. Der UNITAS-Verband fordere die Verantwortlichen dazu auf, die Sparmaßnahmen und Stellenkürzungen der letzten Jahre zügig zu revidieren.

· Die Sozialerhebung des deutschen Studentenwerkes belege, daß die erstrebte Chancengleichheit im Bildungswesen immer weniger gewährleistet sei. Aktuell erhielten nicht einmal 20% der Studierenden Ausbildungsförderung, sogar nur noch 1% Vollförderung. Der UNITAS-Verband verlange darum eine grundlegende Reform der staatlichen Ausbildungsförderung. Mehrere Reformmodelle lägen auf dem Tisch - die Politik sei gefordert, bald zu einer Entscheidung zu kommen.

Einmütig billigten die Delegierten der UNITAS-Generalversammlung eine thematische Rahmenplanung für die Verbandsarbeit bis zum Heiligen Jahr 2000. Sie steht unter dem Leitwort „Verantwortung aus dem Glauben - Positionen für die Zukunft“ und ist angelehnt an das päpstliche Schreiben „Tertio Millennio Adventiente“ und die Arbeitshilfen der Deutschen Bischöfe. Einstimmig beschloß der Gesamtverband ebenfalls ein neues soziales Verbandsprojekt. Erste Aktionen im Rahmen der Generalversammlung brachten mehrere Tausend Mark und legten damit den finanziellen Grundstein für die Beteiligung beim Wiederaufbau eines großen, von einem Frauenorden geleiteten Kinderheims im Herzen der bosnischen Hauptstadt Sarajewo. Die Wiederherstellung der Einrichtung soll von den Auswirkungen des Krieges betroffenen Kindern und Jugendlichen eine Heimat geben und der Verständigung unter den Nationalitäten dienen.




Veröffentlicht am: 10:44:34 28.05.1997
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