Studentenverband feiert 100 Jahre UNITAS in Düsseldorf

Lustiges Studentenleben, alte Burschenherrlichkeit, Trinkrituale und deutschtümelnde Sprüche - das ist das noch heute verbreitete Bild von den im vergangenen Jahrhundert entstandenen studentischen Korporationen. Einst beherrschten sie die Universitäten, Nichtkorporierte galten als „Finken“ oder „Kamele“. Berühmte Wissenschaftler und Künstler, Politiker und Kirchenfürsten, Männer, die Geschichte schrieben, gehörten den Korporationen an. Und bis zum heutigen Tage wird der Verbindungsszene nachgesagt: Wer hier aktiv wird, braucht sich um seine Zukunft keine Sorgen mehr zu machen...

Für den „Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS“ gilt dies alles nur bedingt. Sicher gehört für die rund 9.000 in Studenten-, Altherrenvereinen und -zirkeln organisierten Mitglieder die alte Burschenherrlichkeit noch nicht zum alten Eisen, natürlich werden im Vereinsleben Geselligkeit und Freundschaft großgeschrieben. Tradition ist dem ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband der Welt wichtig, auch kann die UNITAS auf eine Reihe berühmter Mitglieder verweisen - unter ihnen etwa Franz Hitze und Heinrich Pesch, die „Väter der katholischen Soziallehre“, oder auf Robert Schuman, den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten, Autor der Montan-Union und „Vater des modernen Europa“. 

Die andere „Verbindung“

Aber dem Bild der typischen „Verbindung“ werden die aus der ersten Gründung in Bonn hervorgegangenen UNITAS-Vereine nicht gerecht: Keine bunten Mützen, keine um den Leib geschlungenen Bänder, kein „Vaterlandsprinzip“, kein übertriebener Ehrenkodex, keine Wahlsprüche, nach denen etwa „das Herz den Frauen, die Ehre die meine, das Schwert dem König“. Stolz sind die Unitarier eher schon darauf, dass sich ihr Verband als einziger den Nationalsozialisten verweigert, sich als sogenannte „staatsfeindliche Organisation“ damals nicht „freiwillig selbst aufgelöst“ hat, sondern im Untergrund weiterbestand.

Die UNITAS ist ein katholischer Verband, der seit seiner Gründung das sogenannte „Schlagen von Mensuren“ verbietet und auf äußere Erkennungsmerkmale verzichtet. Für den Mitgliedern aller Nationalitäten und Fachrichtungen offenen Lebensbund zählen die Prinzipien „virtus, scientia und amicitia“ - Einstehen für den katholischen Glauben, Wissenschaftlichkeit und Freundschaft. Der Verband hat sich vor zwei jahren gar für Frauen geöffnet - bis zu diesem Zeitpunkt ohne vergleichbares Vorbild. Und bislang hat noch keiner der anderen großen Korporationsverbände diesen Schritt „gewagt.“ Soziales Engagement wird großgeschrieben: Neben vielen Einzelprojekten betreibt die UNITAS die Wiederherstellung eines großen Kinderheims „Haus Egypta“ im Herzen der bosnischen Hauptstadt Sarajewo.

Jubiläumsfest in Düsseldorf

100 Jahre UNITAS in Düsseldorf - für den Verband ist dies Grund genug, alle Bundesbrüder und -schwestern in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt zu rufen. Aus der ganzen Republik reisen sie bereits zur Fronleichnamsprozession an und treten dort im traditionellen studentischen Festaufzug, in Pekesche (Husarenjacke), Stulpenstiefeln und mit Degen an. Am Freitag treffen sie sich zu einem Festkommers im Hilton und freuen sich auf die Festrede von Professor Hans Waldenfels SJ, dem Leiter der von dem Unitarier Carl Klinkhammer begründeten Düsseldorfer Mittwochsgespräche. Nach der Schlussmesse mit dem Paderborner Weihbischof Professor Reinhard Marx in der Kreuzherrenkirche wird Dominikanerpater Dr. Basilius Streithofen am Sonntag im Plenarsaal des Rathauses zu den UNITAS-Mitgliedern sprechen.

Nicht nur Feiern prägen das Programm: Im Plenum, dem höchsten beschlussfassenden Verbandsorgan, soll auch gearbeitet werden - in der Tradition der Gründer und getreu dem Motto der Generalversammlung „Die Welt im Wandel - Chancen für das neue Jahrtausend“. Zu Vortragsveranstaltungen werden etwa Professor Dr. Willehad Eckert (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit) und Ministerialrat Dr. Friedhelm Jaeger (Referatsleiter und Vertreter des Bundesrates bei der EU) erwartet.
 

Zurück an den Ort der ersten Generalversammlung 1860

„Zum 100jährigen Bestehen des Düsseldorfer UNITAS-Zirkels kehrt der Verband an den Ort seiner ersten Generalversammlung von 1860 zurück,“ freut sich Professor Dr. Theo van Bernem, der das Bundestreffen federführend organisiert hat. Viele hier bekannte Persönlichkeiten waren und sind mit der UNITAS eng verbunden: Neben dem ehemaligen Ministerpräsidenten Karl Arnold auch Oberbürgermeister Josef Gockeln, die Ratsherren Herbert Vesper und Wilhelm Weilinghaus oder Franz Schweins, der unermüdlich und vornehmlich in den Altstadtlokalen für das Müttergenesungswerk sammelte. Traditionell eng verbunden sind die Unitarier mit der Kirche: Kölns Kardinal Meisner und Weihbischof Dick gehören ebenso zu den Mitgliedern wie Kardinal Miloslav Vlk, der Vorsitzende der Europäischen Bischofskonferenz. Auch Prälat Carl Klinkhammer zählte zu ihren Reihen - der Ruhrkaplan und Bunkerpfarrer rief die bundesweit bekannten Düsseldorfer Mittwochsgespräche ins Leben.

In seinem Jubiläumsjahr wollen der UNITAS-Altherren-Zirkel um Professor van Bernem und die aktiven Studenten des 1921 an der damaligen Medizinischen Akademie gegründeten Wissenschaftlichen katholischen Studentenvereins UNITAS Rheinfranken in Düsseldorf gute Gastgeber sein. „Unsere Heimatstadt ist eine liebenswerte Stadt, in der es sich zu studieren und zu leben lohnt“, so van Bernem.

Wer über die UNITAS mehr wissen will, kann den Verband auch mit einfachem Mausklick im weltweiten Internet besuchen (www.unitas.org).

Christof Beckmann


Stichwort: UNITAS-Verband
1847schlossen sich katholische Theologiestudenten an der Bonner Universität in dem Studentenverein Ruhrania zusammen. Aus ihm ging 1855 der UNITAS-Verband hervor. Er öffnete sich 1897 auch für Nichttheologen. Die älteste deutsche katholische Studenten- und Akademikervereinigung hat als erster studentischer Traditionsverband auch fünf UNITAS-Studentinnenvereine in Frankfurt, Bonn, Marburg, Gießen und Freiburg als vollberechtigte Mitglieder aufgenommen und zählt rund 9.000 Mitglieder. Der Verband vertritt über 50 aktive UNITAS-Vereine in Deutschland, der Tschechei und Kasachstan. Zu den Gründungen in den letzten Jahren gehören auch neue UNITAS-Vereine in Magdeburg/Erfurt und Prag. 
Die Grundsätze der Mitglieder sind „virtus, scientia, amicitia“, der Wahlspruch lautet: Im Wesenlichen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem aber Sorge für den Nächsten.“ Der Gründung des UNITAS-Altherrenzirkels in Düsseldorf 1898 folgte 1921 die Konstituierung des Studentenvereins UNITAS- Rheinfranken, deren Mitglieder auch in Neuss eine UNITAS Ripuaria ins Leben riefen.
 

 aus: unitas 1999/5




Veröffentlicht am: 10:26:49 12.05.1998
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