Aktuelles > Neuigkeiten > 378. Große Borbecker Gottestracht am 28. Mai

BORBECK. Am Sonntag, 28. Mai, zieht die 378. Große Borbecker Gottestracht durch den Stadtteil. Um 8.30 Uhr versammeln sich die Abordnungen auf dem Kirchplatz, die Messe beginnt um 9 Uhr in St. Dionysius. Anschließend zieht die Prozession mit dem Allerheiligsten am UNITAS-Haus Flurstraße/Möllhoven vorbei zur Kirche St. Immaculata. Nach dem Segen kehrt die Prozession zurück auf den Alten Marktplatz zum Abschlusssegen. Das Fest schließt mit einem gemütlichen Beisammensein am Jugendheim. 

Nach der Prozessionsordnung gehen die Gruppen auf dem Weg von St. Dionysius nach St. Immaculata (Segenstation) wie folgt: Kreuzgruppe, Kommunionkinder, Kindergarten, Pfadfinder, Banner und Fahnenabordnungen, Studentenabordnung, Ehrengarden, Kreuzgruppe, Messdiener, Sakramentsgruppe, Kirchenchöre, Musikkapelle, Gemeinden. Auf der Strecke von St. Immaculata zum Marktplatz (Segenstation): Kreuzgruppe, Kommunionkinder, Kindergarten, Pfadfinder, Banner und Fahnenabordnungen, Studentenabordnung, Gemeinden, Musikkapelle, Ehrengarden, Kreuzgruppe, Messdiener, Sakramentsgruppe, Kirchenchöre.

Traditionsreiche Prozession

Die „Große Borbecker Prozession“ ist eine Besonderheit im lokalen und regionalen Frömmigkeitsleben: Sie fand und findet nicht am Fronleichnamsdonnerstag selbst, sondern bereits am Sonntag vor dem Fest statt. Dieser Termin geht auf die Amtszeit des aus Dorsten stammenden Pastor Jacob Burrichter (1615-1636) zurück, als die damals länger nicht mehr begangene Gottestracht durch die auf Schloss Borbeck residierende Essener Fürstäbtissin Maria Clara Freiin von Spaur, Pflaum und Vallier (1614-1644) eine neue Belebung erfuhr. Ihre Anordnung aus dem Jahre 1628 legte den Termin der Borbecker `Hilligendracht' auf den Sonntag vor Pfingsten fest, weil die Fürstin sowohl an der Essener wie auch der Borbecker Fronleichnamsprozession teilnehmen wollte. Sie begleitete die Gottestracht, die fünf bis sechs Stunden zuerst über Vogelheim, wo der erste Segen gegeben wurde, über Bochold, Möllhoven und Schönebeck nach Bedingrade, über Frintrop und die Lipperheide, Dellwig und Gerschede zurück nach Borbeck führte, mit ihren Hofdamen in einer prachtvollen Kutsche. 

Der frühe Termin ermöglichte den Besuch von vielen Gläubigen über die Pfarrgrenzen von St. Dionysius hinaus. Die vielen an den Vorbereitungen beteiligten Pfarrgruppen sicherten der „Borbecker Gottestracht“ eine zeitweise große Prachtentfaltung, die nicht nur von der Geistlichkeit als Ausdruck einer besonderen lokalen und eucharistischen Frömmigkeit gewertet wurde. Ausdruck hierfür ist auch die Gründung von „Eucharistischen Ehrengarden“ im ganzen Gemeindegebiet und von Ausschmückungskomitees, die überall in der möglichst aufwendigen Ausstattung der Segensaltäre und des Prozessionsweges konkurrierten. Für den Schmuck der Prozession sorgten eigene, von „Brudermeistern“ geleitete „Fahnenvereine“, so im Bezirk Möllhoven, die Vereinigungen der Anwohner der Kirch- und angrenzender Straßen, im Bezirk Flurstraße, Wilhelmstraße und Schlossstraße. 

Im Jahr 1911 ist im Kirchenblatt der Gemeinde St. Dionysius zu lesen: „Damit aber die ganze Veranstaltung wirklich ein Fest werde, in welchem sich die Seele wieder recht lebendig zu Gott hingezogen fühle, sollten die Teilnehmer sich selbst stets bewusst bleiben, was sie begleiteten. Deshalb wurden folgende Regeln als Leitgedanken aufgestellt: „1. Jeder bleibe bei der Prozession bis zum Schlusse und verlasse besonders nicht an den Segensstationen nicht die Reihe, auch nicht auf kurze Zeit. 2. Jeden Augenblick erinnere man sich daran, dass der höchste König des Himmels und der Erde seinen Triumphzug hält und dass somit jedem Teilnehmer eine unermeßlich Ehre zuteil wird. 3. Nach diesen Gedanken und Gesinnungen richte sich auch die äußere Haltung. 4. Es muß deshalb alles Schwätzen und Lachen vermieden werden, diese Mahnung richte sich besonders an die Jünglinge und Jungfrauen. 5. Jeder beteilige sich eifrig am Beten und Singen. Beim Rosenkranz wird abwechselnd von der rechten und der linken Seite nach Gesetzen vorgebetet, die Weisungen der Brudermeister sind strikte zu befolgen. .... Werden diese Regeln befolgt, dann steht zu hoffen, dass die Prozession erbauend auf alle Teilnehmer einwirkt und dass dann auch der Lohn nicht ausbleibt, den der Heiland verheißt mit den Worten: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde ich auch vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist!“ Möge also von den Segnungen an den verschiedenen Stationen reicher Segen auf alle Teile unserer Pfarre niederströmen.“ („Die große Prozession“, in: KB 1(1911),27 vom 28.5.)

Der Schmuck von Schaufenstern und übrigen Fenstern verstand sich von selbst, die Schmuckartikel dazu waren bei den örtlichen Geschäften zu beziehen. Bis auf die Kriegsjahre wurde für die Musik auf Militärkapellen zurückgegriffen. In den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebte die Prozession einen besonders großen Aufwand. So berichtete 1921, im Jubiläumsjahr der 25 Jahre zuvor gegründeten Eucharistischen Ehrengarde, der Berichterstatter der ESSENER VOLKSZEITUNG, dass er gestehen müsse, „kaum eine schönere Prozession in den größten Städten der Rheinprovinz oder Westfalens gesehen zu haben.“(EVZ, Nr.11 vom 13.5.1921)

Bilder oben: Prozessionsbilder aus dem letzten Jahr 2005, Aufnahmen: A. Stölker

Im Bild unten: Die studentischen Abordnungen von Ruhrania (UV) und Nordmark (CV) passieren am 24. Mai 2006 den in einem guten Stück von der UNITAS am Morgen mit blau-weiß-gelben Fahnen geschmückten Prozessionsweg.










Veröffentlicht am: 17:36:59 24.05.2006
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