Vereinsfest bei Weltmeisterschafts-Wetter


Sonne, Sonne – nicht eine Wolke am Sonntag, 11. Juni, beim Vereinsfest zu Ehren des Verbandspatrons Bonifatius. Es begann um 
9.30 Uhr mit der als lateinischem Choralhochamt gefeierten Hl. Messe in der Basilika zu Essen-Werden. Über 30 Bundesbrüder und Gäste versammelten sich anschließend in den „Domstuben“ gegenüber der Werdener Hauptkirche zur wissenschaftlichen Morgensitzung mit dem emeritierten Philosophen Prof. Dr. Georg Scherer. 

Der Referent stellte den über 30 Mitgliedern des Essener Unitas-Zirkels und der UNITAS Ruhrania in seinem einstündigen Vortrag den unitarischen Verbandspatron Thomas von Aquin in seiner epochemachenden und aktuellen Bedeutung vor. Das Format des von seinem Lehrer Albertus Magnus aus Paris nach Köln berufenen Scholastikers, der sich in seiner Jugend dem damals modernen Reformorden der Dominikaner angeschlossen hatte, lasse sich zunächst aus seiner Rezeption des Aristoteles erkennen. Sie habe eine Bildungsrevolution und eine Wende der abendländischen Zivilisation ausgelöst, ohne die das Christentum keine Weltreligion geworden wäre. „Die Neuzeit und der Beginn der modernen Naturwissenschaft liegt damit viel früher, als zumeist angenommen“, so Scherer. Zum anderen habe sich das Denken des Thomas mit dem Begriff der Schöpfung auch der Natur des Schöpfers (creators) zugewandt, den er als der Schöpfung immanent und allen Dingen „intime“ erkannte. Damit sei der jüngst aufgeflammte Streit um die Evolutionstheorie vom Aquinaten bereits längst beantwortet worden. 

 

Insbesondere komme seinem Denken eine große Rolle bei der sich immer wieder stellenden Frage nach der Menschenwürde zu. Thomas habe die gottgeschaffene menschliche Person in ihrer gottgegebenen Freiheit als  das „Allerwürdigste“ der gesamten Schöpfung definiert, liefere demnach eine Antwort auf alle Grundlagen, die ein Staat oder Gemeinwesen nicht aus sich selbst heraus erschaffen könne. Mit Blick auf den am selben Tag begangenen Dreifaltigkeitssonntag habe Thomas nicht zuletzt die Grundlagen einer Trinitätslehre entworfen, die erst in der Theologie unserer Zeit ihre Früchte bringe. Die Dreipersonalität in ihrer Einheit und Übereinstimmung („in unitate“) sei „per amorem et communicationem“ Ausdruck des „Göttlichen Wir“, von dem Papst Benedikt XVI. als früherer Kardinal gesprochen habe. An der bei Thomas „subsistente Relation“ genannten interpersonalen Trinität habe auch der Mensch seinen Anteil,  dessen Glauben die Vernunft vorauszugehen habe (ratio et fides). Den vielfältigen, mit Anekdoten versehenen Gedankengängen schloss sich eine Diskussion ein, die einen Bogen von der Antikenrezeption des Philosophen, seine Nähe zum islamischen Kulturkreis, der Philosophie Averroes, Avicennas, einer skeptischen Einschätzung des Referenten zu den Chancen eines interkulturellen Dialogs der beiden Weltreligionen Christentum und Islam und den Grundfragen der Ethik heute schlug.

 

Großen Gedanken muss auch ein gutes Essen folgen: „Dem Thomas hätte das gut gefallen“, war zu vernehmen. Nach dem Mittagsessen begab sich die Versammlung auf´s Schiff: Um 15 Uhr startete die „Kettwig“ zu einer zweistündigen Bootstour mit Abstecher durch die Schleusen auf den Baldeneysee zu einer Rundfahrt nach Kettwig. Gut 20 Teilnehmer am Vereinsfest genossen die Fahrt bei dem herrlichen Wetter. Den Organisatoren, UNITAS-X Martin Gewiese, dem Senior Sebastian Sasse und dem Consenior Daniel Muschellik herzlichen Dank! 




Veröffentlicht am: 17:16:41 11.06.2006
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