Kleine Zwischenbilanz am Haus

BORBECK, 30. August. Langsam wird´s was: Auch in den letzten beiden Wochen ist von der Oberhausener Firma Wettig noch eine Menge Schutt aus dem Haus befördert worden, Container um Container verließen hoch gefüllt das Gelände. Ein Ortstermin von Bernd Genser und Christof Beckmann vom Hausbauvereinsvorstand am Abend des 30. August zeigte: Nach der Entfernung aller nachträglichen Einbauten sieht das „Feldschlösschen“ innen nun wirklich wieder in etwa so aus, wie es einmal gedacht war.

Es lohnt sich in diesen Wochen, mit dem erhaltenen Originalplan von 1901 durch das Gebäude zu ziehen: Alle Zimmer werden - wie einst geplant und gebaut - wieder durch Querflure erschlossen, wo früher Dunkelheit herrschte, fällt nun Tageslicht ein. Der Aufbau fast aller Wände ist in Holzfachwerk aufgeführt, alle Fenster sind mit rundbogigen Oberlichtern gemauert. Hier sollen die großen Fenster wieder rekonstruiert werden. Blutrote Ledertapeten schmückten einst die Decke der nun geradezu riesigen Halle, die nach dem Abriss der eingezogenen Zwischendecken im Erdgeschoss freigelegt wurde. Der Blick hinter die teils brettharten Schichten von vielen in den letzten Jahrzehnten übereinandergeklebten  Tapeten beweist: Alle geputzten Wände, ehemals grün gestrichen, waren mit farbigen Rollbordüren abgesetzt. 

Überraschende Funde

Nicht nur eine einsame blau-weiße Lampe aus dem Wirtschaftswunder-Deutschland baumelt einsam an der Decke im ersten Obergeschoss - befreit aus einem abgerissenen Holzverschlag: Ein weiteres Stück Fußboden im ehemaligen Eingangsbereich der Gastronomie zeigt die schönsten Fliesen, wie sie um die vorletzte Jahrhundertwende verwendet wurden - zahllose Besucher werden an dieser Stelle vor vielen Jahren hier über die Schwelle getreten sein, um ihre Lohntüten zu erleichtern und ein Export zu zischen. Alle aufgefundenen Böden sollen, wo möglich, auch wieder in den Originalzustand zurückversetzt werden. Zugleich ist die Fichte- und Tannenholzlage freigelegt worden, auf denen die Bewohner und Gäste des Hauses früher standen. Wo der Erhaltungszustand der Unterbalken zu wünschen übrig lässt, wurden die Böden aufgenommen und entsorgt. Auch die darunter liegende Schlackenschicht, rund acht Zentimeter dick, aus den Borbecker Hütten einst als Abfallprodukt gewonnen und an einigen Stellen mit glänzender Fettkohle und Schieferplättchen gemischt, wurde entfernt. Hier wird ein neuer Estrich entstehen. 

Noch ist der Grundstein nicht gefunden, aber immerhin  steckte schon ein 5-Pfennig-Stück von 1921 zwischen den Fußbodendielen - gefunden von Georg Beckmann (s. Bild). Auch gab es in zur Rohrisolierung verwendeten alten Zeitungen bereits „Neuigkeiten von gestern“ zu lesen: Der Anzeigenteil lässt auf extremen Arbeitskräftebedarf im Ruhrgebiet vor rund 50 Jahren schließen. Alles in Allem: Es kann derzeit ein Stück Bauarchäologie im „Feldschlösschen“ betrieben werden, ein Haus gewinnt seine ehemalige Gestalt zurück.

Nach Abschluss der Entkernungsarbeiten werden in einem nächsten Schritt die neuen Grundrisse hergestellt: Der Trockenausbau beginnt, gleichzeitig werden die Elektro, Wasser- und Heizungsleitungen gelegt. Für viele Detailfragen sind nun in den nächsten Wochen Absprachen und Entscheidungen zu treffen.

 




Veröffentlicht am: 16:44:53 30.08.2006
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