Geistlicher Gesprächsabend mit Vikar Norbert Linden

BORBECK. „Am Anfang steht die Erschütterung!“ – Vikar Nobert Linden machte am Dienstagabend klar, was Advent bedeutet. Bei dem geistlichen Abendgespräch nach der gemeinsamen Messe in der Pfarrkirche gab er im Jugendheim von St. Dionysius einen starken und nachdenklich machenden Impuls in eine hektische Zeit.

Mit den Lesungstexten aus der Adventzeit wies er auf die Predigten des Jesuitenpaters Alfred Delp, der zwischen 1941 und 1943 in München-Bogenhausen die apokalyptische Kriegszeit in den Zusammenhang mit der Botschaft von der Menschwerdung setzte. Umkehren, Erwachen, Wecken und Standhalten sind Motive, aus denen Delp das Bild eines Menschen entwarf, der „aus der letzten Erschütterung“ lebt. Jedes Leben stehe immer in der Spannung zwischen Mittelmaß und Vollkommenheit – eine für viele schwer auszuhaltende Spannung. Doch werde in einem im unfassenden Sinne „adventlichen“ Leben die übergroße Sehnsucht des Menschen nach Erlösung, Heil und Angenommensein nicht zur Sucht oder von anderen Süchten überwältigt, so Kaplan Linden.

Das bedingungslose „Ja“ zum Anruf Gottes, die Offenheit und Bereitschaft für sein Wirken illustrierte er am Beispiel Mariens. „Sie ist die Urgestalt des adventlichen Menschen“, unterstrich er mit zwei Bildern, für deren vielschichtigen Inhalt er in einer gemeinsamen Betrachtung die Augen öffnete. Sehr unterschiedlich angelegte Gemälde zweier Maler aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigten Maria als vom Geist Überschattete (s. links, Konrad Witz, 1440) und als Mittlerin des Heils, als die „Immaculata“, deren Fest die UNITAS in diesen Tagen feierte, mit Attributen ihrer besonderen Erwählung. „Es ist aus gutem Grund das einzige Hochfest in dieser adventlichen Zeit“, erklärte Linden die besondere Stellung dieses Festes im Jahreskreis. Nach ihrem Vorbild komme es wesentlich für Christen darauf an, offen für das Wirken Gottes im individuellen Leben, für sein Wirken in der Geschichte und Welt zu sein. In diesem Sinne sei auch jede Hl. Messe „Advent“: Offen für die Berührung Gottes in der Eucharistie, sei der Mensch in besonderer Weise gesandt – und könne eine durch sie verwandelte Lebenshaltung zur praktischen Größe im Alltag werden lassen. 

Lange Diskussion im Jugendheim

Der theologisch dichte, aber sehr nachvollziehbare Impuls provozierte eine lange Diskussion unter den zehn Teilnehmern an dieser „Wissenschaftlichen Sitzung“ der besonderen Art. Viele Aspekte kamen zur Sprache. Sie reflektierten die alltägliche Vereinnahmung durch Beruf und Lebensumwelt, das mangelnde Glaubenswissen, Fragen um Himmel, Hölle, Tod und Auferstehung, das regelmäßige Gebet, die Rolle der Medien und des Konsums, aktuelle Auslandserfahrungen, persönliche Neuanfänge verschiedener Art, aber auch philosophische und historische Zusammenhänge.

Adventus - aventiure - adventure - event - Abenteuer: Nach diesem Abend bleibt sicher einmal mehr die Erkenntnis, dass die Auseinandersetzung mit dem herausragenden Ereignis der Menschwerdung Gottes für den von Christmas-Folklore umzingelten Menschen unserer Tage alles andere als eine einfache Übung bedeutet. Dass die Umkehr und das Bereitwerden für die Botschaft von Weihnachten vor allem zuletzt eine persönliche Angelegenheit ist. Und dass die Gemeinschaft von Gleichgesinnten, gleichermaßen Suchenden, die Sinne für das Vorankommen auf einem nicht immer einfachen Weg schärfen kann.

Mit dem herzlichen Dank an den Referenten überreichte Senior Richie Duckheim als „Ruhranen“-Souvenirs einen „Ruhr-Pott“ und einige Kleinigkeiten, die zur adventlichen Zeit passen. Dass die UNITAS Ruhrania im Frühjahr „ihren“ Vikar Norbert Linden ganz offiziell als Ehrenmitglied gewinnen wird – jetzt gab er gerne die Zusage -, freute am Dienstag übrigens nicht nur die studentischen Aktiven, auch die aus Datteln angereisten Michael und Birgitta Schneider, den Xhc und Werner Holthoff aus Gelsenkirchen.

 




Veröffentlicht am: 11:38:41 12.12.2006
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