Aktuelles > Neuigkeiten > Akademischer Bautrupp - Mit Volldampf an der Flurstra├če

BORBECK. Was Sturm Kyrill nicht schaffte, der Samstag sollte es bringen: Einmal rund um das UNITAS-Haus und durch das Gelände fegen, mal wieder Ordnung schaffen - zu diesem Zweck trafen sich am Samstag, 3. März, ab 9 Uhr bei miesem Wetter 12 Bundesbrüder an der Flurstraße.

Bereits am Freitagnachmittag hatten uns zwei Anhänger-Touren von den inzwischen morschen und auseinanderbrechenden Polstermöbeln, Matratzen, von Kühlschrank und einer Menge Müll befreit. Auch am Samstag gab es zwei weitere Fahrten zum Recyclinghof an der Lierfeldstraße, die die zahllosen Farbeimer, Lacke und anderen Sondermüll, aber auch eine ganze Ladung Laubsäcke vom Gelände expedierten. Norbert Breiderhoff sei Dank! Nicht zuletzt aber den zwölf Spachtelaposteln, die nach Einweisung durch Bauleiter Reiner Schlenkermann auf die einzelnen Zimmer im ersten Stock ausschwärmten. „Major" Peter und Roderich besorgten leihweise drei Dampfgeräte, große Leiter, Verlängerungskabel und Heizlüfter bei Boels und holten bei Hornbach gleich auch noch ein paar Rollen schwarzer Plastiksäcke. Und nach und nach verteilten sich allenthalben Kabel durch die Gänge, um für Strom zu sorgen.

Eine bunte und alerte Truppe

Schon die Truppe selbst aber war geballte Energie: Frisch frisiert erschienen war Yoshi, Sebastian kam mit unvermeidlicher FAZ in der Jackentasche, Stefan Erdmann von Rolandia Münster reiste aus Arnsberg an, unser Berliner André Lipski kam gegen Mittag gleich von der Arbeit in der Klinik, fahrtechnisch dauerentnervt: CB, eine Augenweide und mit Affenzahn an der Mauer: Nikolaus Mantel im weißen Schutzanzug. Richie sorgte wie immer als „Mutter der Kompanie“ auch für ausreichend Fourage und Getränke. Allen ein Vorbild: der Zirkelvorsitzende Martin Gewiese mit verwegener Kappe, seinen 70 Lenzen und unitarischen 100 Semestern, wie wir feststellten (links)- er hatte einen kompletten Werkzeugsatz selbst mitgebracht. Überraschend stieß auch Lütte aus Würzburg, zum Heimatbesuch in Borbeck, zur Truppe, Lisa und Georg Beckmann besorgten nicht nur die eigens gebackenen Nussecken, sondern suchten sich auch ihr Arbeitsmaterial, um selbst mit anzupacken. Bald schon bot bereits das große Eckzimmer, frisch und fertig behandelt, beim zweiten Frühstück für eine ganze Kaffeekannengalerie und ein großes Büffet Platz, die scharfe Düsseldorfer Gulaschsuppe kam zu erneuten Ehren, Brötchen und Aufschnitt fehlten nicht.

Grauköpfe: Um Jahre gealtert …

Ansonsten flogen die Fetzen - und zwar um wortwörtlichen Sinne. Denn im Lauf der Stunden hatten sich einzelne Teams gebildet, die reihum die Zimmerwände in Angriff nahmen. Und wer kühle Temperaturen im Haus gefürchtet hatte, sah sich bald getäuscht. Die Dampfgeräte verwandelten manchen Raum in eine Tropenhalle, sodass bald fast das Wasser an den Fenstern herunterlief, andere behalfen sich mit Schwamm und Seifenlauge oder klatschen das Wasser gleich mit dem großen Strohbesen auf die mehrlagigen Tapeten. Die schlimmsten Dessins jeder Epoche der deutschen Geschichte traten bald zutage, aber schließlich auch die ursprünglichen Wandmalerien, die wie manches andere von diesem Tag gleich auch im Bild festgehalten wurde. Wo der Putz bröselte, half der Hammer, und an vielen Stellen wurde alles bis auf die mit Drahtgeflecht genagelten Fachwerkbalken freigelegt. Eine teilweise wirklich frustrierende Maloche, insbesondere an den dicken Putztapeten. Trotzdem Singen und Pfeifen hier, Fachgespräche diverser Disziplinen da: Ein akademischer Bautrupp par excellence. Das ganze Haus erfüllte ein einziges Rumoren, es hallte wieder vom kratzenden Grundgeräusch, zwischendurch lautstarkes Palaver, im Hintergrund aus einem alterschwachen Radio Musik und die kaum verständliche Konferenzschaltung der Samstagsspiele der Bundesliga. Und mancher ist in diesen Stunden um Jahre gealtert - zumindest optisch: Der allgegenwärtige Staub kroch in jede Pore, weiße Schläfen und die brettharte Haarpracht keltischer Krieger waren der Lohn für eine konzentrierte knüppelharte zwölfstündige Arbeit.

Fastenübung mit flottem Ausklang

Was mit vorrückender Stunde aber nicht anders zu erwarten war: Gegen 17 Uhr schwand das Büchsenlicht. Doch - wie sollte es anders sein -, traf unvermittelt Abhilfe ein: Eine aus dem Keller stammende gelbe Partyleuchte, vor allem aber zwei große Speziallampen von Norbert Breiderhoff projizierten bald zuckende Schatten auf die Wände, bis sich um Schluss der Einsatz auf die ehemalige Eigentümerwohnung konzentrierte. In Küche, Frühstücksraum und Flur drängelten sich noch zehn Unermüdliche, die bis über die Knöcheln in klebrigen Tapetenresten standen. Nicht überall reichte das Licht: In „den Horst sein Zimmer“ versuchten sich gar drei einsame Teelichte gegen die Dunkelheit zu behaupten, während André und Richie die letzten Papierreste im Funzelschein dieser Positionslampen von der Wand schabten. Das Finish in den Räumen übernahmen Peter und Roderich.

Früher oder später sammelten sich aber die letzten der Mohikaner schließlich doch wieder alle im Eckzimmer. Rund um eine auf einer Speisbütt platzierten ausgehängten Türe, die zum großen Tisch umfunktioniert wurde, sorgen die inzwischen ziemlich maroden Reststühle aus unserer Kneipe, Bierkästen und Eimer für Sitzgelegenheiten, während sich im schummrigen Licht einiger Teelichter eine unvermittelte längere Debatte über das Wesen der Messe und Fragen der Liturgie entspann. Wenn das kein unitarisches Erlebnis war! Chips und anderes Gebäck gingen derweil ebenso den Weg ihrer Bestimmung wie die beiden Alt- und Dampfbierkästen. Zwar tat sich auch bei zunehmender Entspannung der Heizstrahler ziemlich schwer, eine ausreichende Raumtemperatur zu sorgen, doch war flugs auch eine ausrangierte Decke vor die Türöffnung genagelt. Wie lange der Rest nach ein Uhr in der Nacht noch ausgehalten hat, ist bislang nicht bekannt …

Der Rest vom Schützenfest …

Nach dem regnerischen und kühlen Samstag zeigten sich Hof und Haus am sonnigen Sonntag von einer völlig neuen Seite: Kein Laub und Dreck mehr auf dem vorderen Bereich, letzte Laubberge sollen am kommenden Samstag bei einer weiteren Expedition entsorgt werden. Im Inneren jedoch war alles so wie zu erwarten: Die Reste vom nächtlichen Gelage und das verwüstete Büffet waren allerdings fix wieder zusammengepackt, die Leihgeräte wurden im Raum am Hauseingang gestapelt. Der überall sich knubbelnde Kabelsalat wurde entwirrt und sauber aufgerollt, aus allen Räumen das Werkzeug zusammengesucht, die Leitern- und Lampenbatterie sind aus dem pappenden Getümmel gerettet. Die inzwischen abgetrockneten Wände sehen zwar ganz manierlich aus, doch mehr als kurzes Durchfegen war aus Zeitgründen nicht drin. Die übrigen und nicht mehr zusammengepackten Tapetenreste türmen sich also noch in einigen Zimmerecken und im oberen Hausflur - vorerst leider nicht zu ändern. Aber auch hier noch mal besten Dank für die erneute Tour von Norbert - passend klappte am Sonntagmittag wieder die gute Leitung.

Immerhin bleibt nach dieser Aktion mal wieder die schlichte Erkenntnis, dass Viele gemeinsam viel schaffen können. Es konnte nur der erste Stock in Angriff genommen werden - zum Dachgeschoss kamen wir trotz Powereinsatz gar nicht erst, doch alles in allem: Ein Schritt weiter auf die nächsten Ereignisse zu. Denn der Stahlträger wird in dieser Woche erwartet, die Fenster kommen und sicher werden die Pützer bereits kritisch die Vorarbeiten prüfen. Wenn sie dann losgelegt haben und richtig gerade Wände entstehen, werden zwar leider auch die freigelegten denkmalträchtigen Malereien aus der Bauphase um 1900 wohl endgültig verschwinden. Aber jeder, der jetzt mitgearbeitet hat, wird in Erinnerung an seinen ordentlichen Muskelkater sagen können: Fast an jedem Zentimeter ist mein Spachtel drangewesen …

 

 




Veröffentlicht am: 10:31:14 04.03.2007
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