ESSEN. Zu einem besonderen Hochfest wurde für die Unitarier an der Ruhr das Pfingstfest. Durch Handauflegung durch Ruhrbischof Dr. Hubert Luthe wurde Bbr. Helmut Wiechmann am Freitag vor Pfingsten als einer von drei Kandidaten in diesem Jahr zum Priester geweiht. Am Pfingstsonntag feierte er Primiz in seiner Heimatgemeinde St. Barbara im Nord-Stadtteil Kray.

Helmut Wiechmann v. Don Camillo, am 28. April 1951 in Essen geboren, absolvierte eine Malerlehre und eine Krankenpflegeausbildung, die er mit dem Krankenpflegeexamen am Gladbecker St. Barbara-Hospital abschloss. Mehrere Jahre war er aktiver St. Georgs-Pfadfinder in der dortigen Pfarrei St.Lamberti. „Eine rundum gute Sache und Prägung“, erinnert er sich heute. Die Bundeswehrzeit als Sanitäter in Itzehoe, Schleswig-Holstein, folgte. Der Wunsch, Priester zu werden, wuchs auf dem zweiten Bildungsweg, den er mit dem Abitur auf dem Ruhrkolleg in Essen beendete. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Auch während seines Studiums setzte er seine jahrlange Tätigkeit als Vormund fort, die er im Auftrag des Jugendamtes Essen und des Sozialdienstes katholischer Frauen in Bottrop für viele Kinder übernahm. Die intensive Sorge für die ihm Anvertrauten und die direkte Konfrontation mit harten Lebensschicksalen wurde für ihn zu einer lebensprägenden und dankbaren Erfahrung. Seiner zupackenden und lebensbejahenden Grundeinstellung gemäß ging er über die Vertretung der Jugendlichen vor Gerichten und anderen Einrichtungen noch hinaus, indem er eine Lebensgemeinschaft mit zwei Kindern gründete, mit denen er bis zu ihrer Volljährigkeit in einem gemeinsamen Haushalt zusammenlebte. Zum Lebensunterhalt trugen jahrelange Nachtdienste in verschiedenen Kliniken bei, wo er als Pfleger für kranke Menschen sorgte.

Nach seinem Eintritt ins Bischöfliche Priesterseminar absolvierte er ein Pastoralpraktikum in der Duisburger Arbeiterpfarrei St.Josef am Dellplatz. Dem Diplom folgte ein einjähriges Praktikum in St. Ludgerus, Essen-Rüttenscheid, 1998 in St. Urbanus, Gelsenkirchen-Buer, die Weihe zum Diakon und die Diakonatszeit in der Pfarrei Heilige Schutzengel in Essen-Frillendorf. „Im Laufe der Jahre wurde mir immer mehr bewusst, dass die Welt Priester braucht“, berichtete Helmut Wiechmann in seiner Vorstellung in der Essener Bistumszeitung „Ruhrwort“. Dass er sich das feste Ziel gesetzt habe, habe ihm auch über Zeiten hinweg geholfen, in denen er nicht sicher gewesen sei, ob es der richtige Weg sei. Gott schreibe auch auf krummen Zeilen gerade, meint Bbr. Helmut, dankbar für viele Begegnungen mit Menschen, die ihn auf seinem Weg der Berufung unterstützt hätten. 

Seine Bundesbrüder an der Ruhr - und nicht nur dort – schätzen die selbstlose, fröhliche, kontaktfreudige und glaubensfeste Art, mit der sich der erste Senior nach der Wiederbegründung der UNITAS-Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund stets seiner unitarischen Familie zugewandt hat. Nach seiner oft zitierten Forderung „Wir müssen was tun! Wir müssen uns stellen!“ prägte er das Leben der Ruhranen auf seine ganz besondere Weise und zeigte, dass sich der unitarische Burscheneid nicht zuletzt in der konkreten Begegnung mit dem Mitmenschen verwirklichen muss. 

„Alles, was ihr von jetzt an als Priester sagt und tut, ist allein sein Wort und sein Werk", sagte Ruhrbischof Dr. Hubert Luthe den Neupriestern in seiner Predigt in der Essener Münsterkirche. Das sei die Last ihres Lebens, aber zugleich Gottes überquellendes Geschenk. Luthe: „Wir danken euch, dass ihr euch der Hand Gottes stellt für uns, seine Kirche, und wir versprechen euch, mit euch Christen zu sein, damit ihr für uns Priester sein könnt.“ Die Ruhranen traten zur Priesterweihe ihres ersten Seniors im Salonwichs an. Bei Helmuts Primiz in der ehemaligen Bergbaupfarre St. Barbara, Essen-Kray, chargierten sie mit Ludgerus- und Ruhranenfahne gemeinsam mit dem hohen Vorort UNITAS-Cheruskia Gießen unter VOP Rainer Voss und VOS Lambert Klinke und der münsteraner Abordnung der UNITAS-Rolandia. Die Vorstände der AH-Zirkel, voran Essen mit dem Vorsitzenden Dr. Richard Wessendorf und eine starke Abordnung des Dortmunder Zirkels, gratulierten und übergaben wie der AHV UNITAS-Ruhrania ihre Geschenke zu Priestergewand, Stola und Erinnerungen an einen schönen Tag im Ruhrrevier – nicht zuletzt auch für Helmuts 90-jährige Pflegemutter Frau Anneliese Serno. 

Bbr. Wiechmann, der als Kaplan in die Pfarrgemeinde Liebfrauen in Bochum-Altenbochum kommen wird, erteilte seinen Bundesbrüdern und ihren Familienangehörigen einen „unitarischen“ Primizsegen – ein Hochfest für die Ruhr-UNITAS, zu der am Krayer Pfarrhaus bereits das passende Geschenk im Winde wehte: Eine Sonderanfertigung eines Banners der UNITAS, die mit Bbr. Helmut Wiechmanns tatkräftiger Unterstützung an der Ruhr sicher nicht so schnell untergehen wird.

Dr. Christof Beckmann, Essen

Aus: unitas 2000/3
 



Veröffentlicht am: 22:09:28 13.06.2000
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