Die Ruhr-Netzwerker: 
Pralles Programm – Großbaustelle voraus


RUHRGEBIET. Ein strammes und ambitioniertes Wintersemester-Programm liegt hinter der Aktivitas der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund. „Das war wenig zu toppen – aber wir haben es durchgezogen“, so die zufriedene Bilanz beim Dechargeconvent. Es habe den Anspruch des Verbandes und das Selbstverständnis der Ruhrania im Ruhrgebiet deutlich markiert. Immerhin legte die Ruhr-UNITAS unter dem Seniorat von Sebastian Sasse allein 12 Wissenschaftliche Sitzungen hin – nicht gezählt die religiösen und geselligen Veranstaltungen. Das kommende Semester im Essen-Borbecker „Feldschlösschen“ steht mehr im Zeichen von Hammer und Schuttcontainer – das im Juli 2004 erworbene Ruhranenhaus steht vor dem Umbau.


Philosophische, historische, religiöse Fragen, aber auch ganz praktische Themen standen im WS 2005/06 auf der Wissenschafts-Agenda. Zur letzteren Kategorie gehörte in der zweiten Semesterhälfte etwa Mitte Dezember eine Sitzung mit Bbr. Marc Schmidt von der renommierten Frankfurter Beraterfirma „Societät für Unternehmensplanung“ (SUP), einer der ältesten Personalberatungen in Deutschland und in der Schweiz. Bbr. Schmidt motivierte mit seinem Thema „Netzwerken: Berufs- und Karriereplanung für Studenten zu zielgerichtetem Studium und Kontaktpflege bereits während des Studiums. Nachdrücklich unterstrich er die Notwendigkeit, auch in der UNITAS den Netzwerkgedanken aktiv zu leben.

Das Vereinsfest Maria Immaculata wurde gleich doppelt gefeiert – in der gleichnamigen Kirche am neuen Standort der Verbindung und gemeinsam mit dem Essener UNITAS-Zirkel natürlich in der Geburtsstadt unseres Verbandsgründers Hermann Ludger Potthoff in Werden. Dort beschlossen die Ruhr-Aktiven das Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Verbandsbestehen.

Authentische Erfahrungen aus dem Nahen Osten bot Bbr. Dr. Baldur Hermans, der über die aktuelle Lage in Israel und Palästina berichtete. Brisante Nachrichten gaben der Sitzung mit dem Generalsekretär der Internationalen Katholischen Konferenz des Pfadfindertums (CICS) brennende Aktualität. Er konfrontierte mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen zur Lage in den Ländern des Nahen Ostens und revidierte in engagiertem und detailreichem Vortrag zu den vielschichtigen politischen, religiösen, wirtschaftlichen und militärischen Aspekten das meist eindimensionale Bild, das aus den gängigen Medien gewonnen wird. 

Das Jahr 2005 schloss mit geselligen Veranstaltungen, die wieder viele Gäste auf das Haus brachten: Nicht nur die Feuerzangenbowle mit dem gleichnamigen Film, sondern vor allem auch die Silvesterfète, bei der rund 100 Gäste in der Silvesternacht das UNITAS-Haus in Borbeck bevölkerten. Kneipe und Gesellschaftsraum an der Flurstraße füllten sich mit tatendurstigen Messdienern, engagierten Jung-Kolpingern, Aktivisten der Jungen Union, Tanzsportbegeisterten, unitarischen Bundesbrüdern und Bundesschwestern zu einem gelungenen Start ins Neue Jahr. 

„Heraus mit der Sprache!“ 

Anfang Januar versammelten sich über 40 Bundesbrüder und Gäste, Mitglieder der UNITAS-Zirkel in Essen, Bochum, Bottrop, Oberhausen, Castrop-Rauxel und Datteln, zum Neujahrsempfang mit Vortrag von Bbr. Pfr. em. Alfons Riesener. Er stellte klärende und provozierende Gedanken zur Situation der Kirche in der modernen Gesellschaft in den Mittelpunkt und erörterte anhand vielfältiger Quellen - von Descartes über Johannes Paul II. bis zu den Schriften von Benedikt XVI. - die Genese und Gestalt der Ideologien des 19. Jahrhunderts bis zum „Relativismus“ unserer Tage. Christen, so der in Billerbeck lebende Theologe, müssten jederzeit in der Lage sein, mit Argumenten die Bedeutung ihres Glaubens zu verteidigen und zu erklären, warum die christliche Lebensführung das „bessere Lebenskonzept“ sei. Reine Binnenverkündigung sei nicht hilfreich. „Für Christen lautet das Gebot der Zeit: Heraus mit der Sprache!“, betonte er. 

In diesem Geist stand am 12. Januar auch eine lebhafte Podiumsdiskussion der UNITAS Ruhrania an der Universität Essen zum Thema „Student sein .... – wozu dient das Studium?“ Unter Leitung von Ruhranen-Senior Bbr. Sebastian Sasse diskutierten Prof. Dr. Dieter Sturma, Institut für Philosophie, Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Historiker und Vertrauensdozent der Konrad Adenauer-Stiftung, Daniel Feldmann von der DPSG und Jörg Miller (Projekt „Uni aktiv“). Die lebhafte Debatte zum Wesen und Nutzen von Universität und Wissenschaft, zur Situation von Lehrenden und Lehrenden, bot als entscheidender Beitrag zum Oberthema des Semesterprogramms genug Stoff für die einen großen Bogen spannende Debatte. Nicht ohne die Erkenntnis, dass mit dem Mimikri von studentischen Verbänden an den Unis Schluss sein muss. 

Einem ganz anderen Thema widmete sich die ausgezeichnete WS zur Entstehung und Bedeutung des Kirchenrechts (CIC), zu dem der Bischöfliche Offizial des Bistums Essen, Pfr. Dr. Cleve von der unitarischen Heimatgemeinde St. Dionysius sprach. Viele Aspekte und Auswirkungen des 1983 zuletzt durch Papst Johannes Paul II. geregelten „Corpus“ des kanonischen Rechts goss der Kirchenjurist Dr. Jürgen Cleve in einem gut dreistündigen konzentrierten Vortrag und Austausch vor knapp 30 Bundesgeschwistern und Gästen in ein viele Diskussionen anregendes Gesamtbild. 

   

Das 95. Stiftungsfest:
An der Ruhr vor Anker gegangen


Ruhrbischof Dr. Felix Genn und Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger richteten besondere und sehr persönliche Grüße zum 95. Stiftungsfest am 28. Januar aus. Nach der von Pf. Dr. Cleve gefeierten Messe in St. Maria Immaculata trafen sich rund 70 Gäste zum von Senior Sebastian Sasse schwungvoll, mit Humor und Tiefgang in freier Rede geschlagenen Festkommers. Unter den Gästen im bis zum allerletzten Platz gefüllten Saal des Hauses: der hohe Vorort UNITAS Clara Schumann unter Leitung von VOP Elisabeth Fels, der mit großem Applaus bedachte Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll, Vertreter der UNITAS Winfridia aus Münster, angeführt vom designierten Senior Dirk Sandbrink, Angehörige der UNITAS-Zirkel Essen, Dortmund, Bochum, St. Augustin/Bonn und Datteln/Castrop-Rauxel. 

Als Festredner sprach Andreas Schmidt, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Mülheim/Essen, über christliche Grundwerte in der Politik. „Christliche Überzeugungen lehren Demut vor der übernommen Aufgabe und Verantwortung, sie motivieren uns helfen uns aber auch, angesichts der riesigen Herausforderungen in einer der größten Industrienationen der Welt nicht den Mut zu verlieren“, äußerte der CDU-Rechtspolitiker in seinem halbstündigen Parforceritt durch alle Themen der aktuellen Politik. Nachdrücklich bekannte er sich zu den Leitlinien der katholischen Gesellschaftslehre und der evangelischen Sozialethik. Sie seien in vielen Politikfeldern unverzichtbare Entscheidungsgrundlagen, erklärte er, und nannte insbesondere die Diskussionen um Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik und Sterbehilfe. „Die Würde des Menschen muss unantastbar sein“, unterstrich Schmidt unter großem Beifall. Die Familie bleibe die entscheidende Keimzelle der Gesellschaft. Sie allein garantiere eine stabile Grundlage für ein Land, das jetzt nicht „die Zukunft der nachfolgenden Generationen verfrühstücken“ dürfe. Viel Zustimmung erhielt sein Plädoyer für mehr familien- und kinderfreundliche Politik.

Ein bewegendes Wort richtete der Altherrenvereinsvorsitzende OStD Jörg Lahme an seine Aktivitas: „Wir erleben heute einen historischen Tag. Die Ruhranen sind im 95. Jahr ihres Bestehens im Revier fest vor Anker gegangen. Und die Arbeit geht jetzt richtig los.“ Der Aktivitas sprach er seinen Respekt für die in den letzten Jahren geleistete Arbeit aus. Mit den Beschlüssen vom Nachmittag werde nun die Anschlussfinanzierung für die anstehenden Bauarbeiten im Haus angegangen, in fester Hoffnung, dass die Ruhrania im Ruhrgebiet eine klare Chance habe. „Die Unterstützung des Altherrenvereins ist dabei sicher“, unterstrich der AHV-Chef. Diese Signale nahmen die Aktiven gerne auch vom Vorstand des Verbandes an: „Ihr habt ein tolles Haus, eine wachsende Altherrenschaft und die Zukunft vor euch! Packt´s an – mit uns könnt ihr rechnen“, ermunterte Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll die Ruhranen unter donnerndem Applaus. Mit dem Bau des neuen Heims mute sich die Revier-UNITAS viel zu, aber es werde sich lohnen. Dies unterstrichen auch die Vertreterinnen des Vororts UNITAS Clara Schumann: „Respekt für eure Semesterprogramme – das lässt sich mehr als sehen!“, lobte Vorortspräsidentin Elisabeth Fels. Schon oft sei sie immer wieder von der Gastfreundschaft, Begeisterung und wirklich unitarischen Gemeinschaft in Essen beeindruckt gewesen. „Was ihr hier mit einer vergleichsweise kleinen Aktivitas auf die Beine stellt, ist erstaunlich und wirklich vorbildlich!“ Ein Kompliment, das Senior Sebastian Sasse gerne entgegennahm: „Wir sind sicher: Borbeck wird das Heidelberg des Ruhrgebiets!“, erklärte er schmunzelnd unter großem Beifall der Festcorona. 

Alltagstaugliche Philosophie - und mehr ...

Die Reihe der Debatten auf dem Haus beschlossen weitere Wissenschaftliche Sitzungen, die sich etwa mit den philosophischen Grundfragen nach Wahrheit und Wirklichkeit beschäftigten. Einem durchaus nicht nur „akademischen“ Thema, wie die WS mit Diplom-Mathematiker Winfrid Knobloch zeigte. Er zerlegte die Dimensionen der Begriffe nach logischen Kriterien und Methoden und ermunterte, noch stärker hinter für „wahr“ oder „unwahr“ gehaltene Sachverhalte zu schauen. Es gelte, insbesondere die Techniken, Bedingungen und Auswirkungen medialer Vermittlung von Wirklichkeit, die Macht der Sprache und der Bilder einzuordnen. Eine Frage, die insbesondere in der Begegnung mit anderen Kulturkreisen eine große Rolle spielt. Dies unterstrich nicht zuletzt die von Martin Schwarz gestaltete Sitzung „Das Studium der Ostasienwissenschaften – Profile eines neuen Studienfachs“. Er berichtete, wie das Studium des Fachs an der Uni Duisburg/Essen angelegt ist, welche Entwicklungen im Kontakt zwischen dem Westen und dem Osten stattfinden, worauf ein solches Studium zielt und was ihn persönlich an der Beschäftigung mit dem boomenden „Land des Großen Drachen“ reizt.

Große Aufgaben voraus! - Gastronom gesucht

Für die Sommermonate wird die Ruhr-UNITAS nun Flexibilität zeigen müssen. Nach dem Stand der Dinge werden die Aktiven nun das Haus an Handwerkerkolonnen abtreten. Bis die Bauarbeiten starten, werden die Hausbewohner für ein gutes halbes Jahr eine neue Bleibe beziehen. Neun Studentenzimmer sollen in dem über 100-jährigen Borbecker Traditionshaus entstehen. Für die totalrenovierte Gaststätte im Erdgeschoss sucht der Verein nun ein geeignetes Pächterehepaar für die öffentliche Gastronomie: Wie im gesamten Haus sollen bei zügigem Fortschritt der Arbeiten spätestens bis zum Herbst sämtliche Böden, Wände, Decken, Heizung, Strom und Wasser erneuert sein. Hohe Raumdecken und neu eingebaute Fenster werden den ursprünglichen Raumeindruck wieder herstellen, die sanitären Anlagen sind vergrößert und komplett neu eingerichtet. Nach der vollständigen Renovierung stehen im Erdgeschoss mit Gastraum, Gesellschaftszimmer, großer Küche und Personalraum 178 m2 Nutzfläche zur Verfügung, zudem im Sommer der von großen, alten Platanen bestandenen Biergarten. Die unitarische Familie und Gäste von nah und fern sollen sich hier ganz zuhause fühlen. Das Motto: „Bei Freunden zu Gast“ – mit ihm soll zugleich auch die Beziehung zum Studentenverein deutlich werden. Bereits jetzt zeigen sich mehrere potenzielle Pächter interessiert.

Mehr Infos im Semestertagebuch auf www.unitas-ruhrania.org
Kontakt zum Hausbauverein: Dr. Christof Beckmann, Hülsmannstr. 74, 45355 Essen-Borbeck, Tel. 0201 / 66 47 57, 0171 / 41 48 620. 

(aus: unitas 2006, 2. Ausgabe)




Veröffentlicht am: 16:45:04 15.06.2006
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