Ruhrania plädiert für eine Akzentuierung
der europapolitischen Ausrichtung des UNITAS-Verbandes

ESSEN. Die Endfassungen der beim Convent am Sonntag, 25. März, einstimmig verabschiedeten Anträge und die ebenfalls beschlossene Resolution des Aktivenvereins des W.K.St.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund an die 130. Generalversammlung in Trier sind auf dem Weg. In diesen Tagen werden sie von Senior Sebastian Sasse an den Vorort UNITAS Frankonia Eichstätt versandt, um formal geprüft und von der Verbandsgeschäftsstelle den an alle Verbandsgliederungen verschickten GV-Unterlagen beigefügt zu werden. Ziel der Anträge ist eine Verankerung der aktiven Verpflichtung des UNITAS-Verbandes zur Mitgestaltung des vom christlich-abendländischen Geist geprägten Europa. Vorausgegangen waren vier Wochen intensiver Debatten und eine enge Abstimmungen zwischen den Aktivenvereinen an der Ruhr und der UNITAS in Thüringen: Die Ostfalia in Erfurt hat die wesentlichen Entscheidungen des Ruhr-Convents in einer eigenen Variante ebenfalls abgestimmt.

Verbandspatron Robert Schuman?

Hauptpunkt der zwei Anträge und der verabschiedeten Resolution ist zweifellos ein Antrag, der für einige Debatten sorgen wird: Er rührt an das seit der Straßburger GV vor gut 100 Jahren unverändert gültige Grundgesetz des Verbandes. Gegenstand ist die Erweiterung der Zahl der Verbandspatrone: Neben die Gottesmutter Maria, den Hl. Thomas von Aquin und den Hl. Bonifatius soll im Falle seiner Seligsprechung auch Bbr. Robert Schuman treten. Noch steht diese Ehre für Bbr. Schuman, selbst nach Abschluss des diözesanen Verfahrens im Bistum Metz, zwar „in den Sternen“ (vgl. Stellungnahme von Domkapitular Joseph Jost vom Februar 2007, zuständiger Postulator der Causa Schuman in Rom), doch die Ruhranen halten daran fest: „Die UNITAS“, so die Antragsbegründung, „sieht sich seinem Erbe in besonderer Weise verpflichtet und dokumentiert ... ihren innigen Wunsch, dass ihr aus dieser Region stammende Bundesbruder Robert Schuman durch die Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wird. Sein Vorbild und Werk, das in herausragender Weise für die lebendige Ausgestaltung der unitarischen Prinzipien steht, soll den Bundesschwestern und Bundesbrüdern im ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Europas durch sein Mitpatronat auf Dauer Orientierung und Ansporn sein.“

Eher technischer Natur ist der Antrag um Erweiterung der Verbandsämter um einen „Beirat für Europa- und Gesellschaftspolitik“. Seine Aufgabe soll die Formulierung europapolitischer Positionen und die Förderung aktiver Beschäftigung mit europarelevanten Themen im Verbands- und Vereinsleben sein. „So wird“, heißt es in der Antragsbegründung, „die Förderung des europäischen Gedankens und die Vertiefung der Einheit Europas aus christlicher Verantwortung dauerhaft im UNITAS-Verband institutionalisiert.“ Damit zielt der Antrag auch auf eine Verlebendigung des verdienstvollen Robert-Schuman-Seminars des UV in Berlin, das auf diese Weise noch mehr internationalen Austausch beflügeln könnte.

Neugründung Europas gefordert

Die Zielrichtung der Resolution, die der Ruhr-Convent der Trierer GV vorlegt, wird bereits im Vorspann deutlich: „Fünfzig Jahre nach Abschluss der Römischen Verträge, in einer Zeit, in der wegen der Beratungen um eine Europäische Verfassung eine geistig-geistliche Neubesinnung, ja Neugründung Europas notwendig erscheint, will der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS, dem großen Vorbild und Erbe seines Mitglieds und `Vater Europas´Robert Schuman verpflichtet, seinen Beitrag zur Wiederbelebung der `Idee Europa´ leisten.“ Angesichts der besonders hinsichtlich der Verfassungskrise deutlich gewordenen Lähmung und Blockade der fortschreitenden europäischen Einigung solle die Resolution nachdrücklich klarstellen, was die „Idee Europa“ bedeute. Sie will zugleich die Bereitschaft verdeutlichen, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, Menschen für das Kulturprinzip Europa zu begeistern.

Gottesbezug für die Europäische Verfassung

Der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS bekenne sich, wie es im Resolutionsentwurf heißt, „zu Europa aus Prinzip“. Europa bezeichne danach „nicht nur einen geographischen Raum, sondern steht für eine bestimmte Lebensform, deren Kraft in die ganze Welt hinaus ausstrahlt.“ Dies kennzeichnet der Antragstext mit „Grundeinsichten über das Wesen des Menschen“, aber auch mit Ausführungen zum Verhältnis von Staat und Kirche. Nachdrücklich fordern die Antragsteller vor allem, einen Gottesbezug in die Präambel der Europäischen Verfassung aufzunehmen. Mit Bezug auf Äußerungen von Papst Benedikt XVI. und seinen Vorgänger Papst Johannes Paul II. wird die Rolle des Christentums für das Werden der europäischen Zivilisation deutlich herausgestellt. „Dieses Europa steht allen Staaten offen, die sich zu seinen universalen Prinzipien bekennen“, lautet die Schlusspassage und fordert zudem: „Im übrigen plädieren wir für eine Aufnahme Israels in die EU.“

Mit der Resolution folge der älteste katholische Akademikerverband Europas seinen Prinzipien „virtus“, „scientia“, „amicitia“ und verstehe sie als „Selbstverpflichtung und als Aufforderung an alle anderen Menschen guten Willens, gemeinsam für die Verwirklichung der universalen Werte, die Europa ausmachen, zu streiten.“ Sie will dazu beitragen, die grundsätzliche Ausrichtung des Verbandes noch klarer zu definieren und sie noch stärker zum Thema der inhaltlichen Arbeit zu machen.

Bereits jetzt warten die in der Sache über den Austausch mit den Thüringischen Bundesbrüdern dankbaren Ruhranen gespannt auf die Diskussionen, die Anträge und Resolution in den Aktiven- und Altherren-/Hohedamen-Vereinen bundesweit auslösen werden. Die Richtung dürfte jedem anderen Convent klar sein. Man wird sehen, wie weit der Gesamtverband den Grundanliegen der Antragsteller folgen wird.

HIER ZUM GESAMTEN TEXT VON ANTRÄGEN UND RESOLUTION.

 




Veröffentlicht am: 10:04:28 02.04.2007
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