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Nigeria: Land der Hoffnung

WS mit Pfarrer Sylvester Ejike Ozioko

 

Die größte Nation Afrikas stand am Mittwoch, 13. Juni, im Mittelpunkt der Wissenschaftlichen Sitzung bei Unitas Ruhrania: Pfarrer Sylvester Ejike Ozioko berichtete über Licht und Schatten in Nigeria, dem mit fast 190 Millionen Einwohnern und über 250 Sprachen bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents. Sein Vortrag geriet zu einer bitteren Bilanz – gegen die er selbst in Wort und Tat seine ganze Glaubenshoffnung setzt.

 

Das Erbe der Kolonialherren

 

Nigeria teilt das Schicksal fast aller Nationen Afrikas: Das 1914 von der englischen Kolonialmacht ohne Rücksicht auf kulturelle und religiöse Traditionen aus vielen unabhängigen Völkern und Königreichen „verschmolzene“ Land wurde 1960 unabhängig. Nach zehn Jahren voller Unruhen, Staatstreichen und dem „Biafra-Krieg“ war der Aufbau demokratischer Strukturen jedoch bald zum Scheitern verurteilt, ständig wechselnde Militärdiktaturen förderten eine grassierende Korruption.

 

Derzeit durchlebe Nigeria, das seit 1999 wieder zu einer zivilen Regierung zurückkehrte, erneut eine schwere Phase seiner Geschichte, so Father Sylvester. Für ihn die Folge aus der Zeit der Kriege und instabilen Regierungen: „Die Jugend ist völlig orientierungslos, jeder kämpft um das nackte Überleben.“ Unglücklicherweise habe sich die Hoffnung auf den derzeit amtierenden Präsidenten als trügerisch erwiesen. Denn für ihn stehe angesichts einer galoppierenden Inflation und wachsenden Verarmung nicht die wirtschaftliche Gesundung im Vordergrund. Stattdessen fördere er vor allem eine zunehmende Islamisierung.


 

Ein erschüttertes Land

 

Zugleich werde das Land durch die Schläge radikaler islamistischer Gruppen wie Boko Haram und den marodierenden „Fulani Herdsmen“ erschüttert – mit massiven Folgen für die öffentliche Sicherheit, die wirtschaftliche Erholung und das Vertrauen in den Staat. „Fast täglich gehen Bomben in Kirchen, Moscheen und auf Marktplätzen hoch, töten und vernichten Eigentum in Millionenhöhe – und leider schließen sich viele junge und ungebildete Nigerianer diesen Gruppen an, ohne Achtung vor dem Leben“. Entführungen mit Lösegeldforderungen würden zum Geschäftsmodell, Raubüberfälle, Prostitution und verbreitete Kinderarbeit zur Überlebensstrategie. Sylvester Ozioko, der mit sieben Geschwistern aufwuchs, erlebte, dass seine eigene Mutter in die Hände einer Bande jugendlicher Entführer fiel.

 

„Werkstatt des Teufels“

 

Der immer wieder deutlich werdende Grund für die fortschreitende Verwahrlosung sei vor allem eines: Die Armut. Gegen sie sei allein Bildung die beste Strategie. „Ein leerer Kopf ist die Werkstatt des Teufels!“, zeigte sich Pater Sylvester überzeugt. „Und ohne Bildung ist Armut vorprogrammiert.“ Fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung sei jünger als 15 Jahre, viele Millionen gingen zu keiner Schule. Für ihn „eine Zeitbombe für die Zukunft“. Doch er setzt eigene Aktionen dagegen: Mit dem „Kirikiri Star (Kleine Sterne)-Projekt“, das an die „Kommission für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden“ seines Bistums Nsukka im ostnigerianischen Staat Enugu angeschlossen ist. Das Ziel: Kindern aus armen Familien den Schulbesuch zu ermöglichen, sie abzuholen, zu fördern und zu begleiten, damit sie aus der Armut geholt werden.

 

Lebendige Debatte

 

Für seinen klar strukturierten Vortrag gab es viel Applaus, aber auch eine ganze Reihe interessierter Nachfragen zur Situation und Zukunft der Kirche im Land, zum gelebten Glauben, zur Zusammenarbeit der Religionen und der Lage in der Zivilgesellschaft, zu den Möglichkeiten politischer Einflussnahme und vielen anderen Aspekten. Dass die große Leidenschaft des Referenten übersprang, zeigt nicht nur die Verabredung für die Teilnahme am Gottesdienst der englischsprachigen afrikanischen Gemeinde in Essen, für die Sylvester Ozioko als Pfarrer tätig ist. Auch kam bei einer spontanen Sammlung für das spendenfinanzierte Patenschaftsprojekt einiges zusammen. Im inoffiziellen Teil ging es bis in die frühen Morgenstunden – wie so oft - um viele Fragen des interkulturellen und interreligiösen Dialogs. Und wieder wurde deutlich: Hauptsache, er findet statt.





Veröffentlicht am: 13:51:09 14.06.2018
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