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Votum der 130. Generalversammlung des UNITAS-Verbands in Trier 

Pressemitteilung Montag, 21. Mai 2007

TRIER. Mit einem klaren Bekenntnis zu den christlichen Fundamenten Europas endete am Sonntag, 20. Mai, die 130. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS in Trier. In einem Appell an die derzeitige EU-Ratspräsidentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, unterstrichen die Delegierten ihre Forderung, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung aufzunehmen. Zugleich verpflichteten sich die Ortsverbände nach ihren viertägigen Beratungen, die Vertiefung und Sicherung des christlichen Wertefundaments Europas zum Querschnittsthema der gesamten Verbandsarbeit zu machen. Als Vorbild gilt dem ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Deutschlands darin das Lebenswerk und Erbe des UNITAS-Mitglieds Robert Schuman.

Mit überwältigender Mehrheit fordert der UNITAS-Verband die Aufnahme folgender Formulierung in die Präambel der Europäischen Verfassung: "Im Wissen um unsere Verantwortung vor Gott, unserem Gewissen und den Menschen". Nur so werde deutlich, „dass die universalen Werte, die das Kulturprinzip Europa ausmachen, sowohl den Wertvorstellungen derjenigen, die diese aus ihrem Glauben an Gott, wie derjenigen, die diese Grundsätze aus anderen Quellen ableiten, entsprechen“, so die Resolution des höchsten Verbandsorgans. Zugleich solle die Frage nach der Zukunft Europas in Zukunft in allen Bereichen des Verbandes, allen Ortsvereinen und Gremien, aufgegriffen werden. „Wir haben uns verpflichtet, die Arbeit für Europa zum durchgehenden Prinzip unserer gesamten Arbeit zu machen“, erklärte dazu der Altherrenbundsvorsitzende Heinrich Sudmann. Wir werden von dieser Generalversammlung den Auftrag nach Hause nehmen, den Europäischen Gedanken wieder populär werden zu lassen“, so die Vorsitzende des Hohe-Damen-Bundes, Dr. Claudia Bellen-Kortevoß.

Mit seiner Entscheidung folgte der Verband zugleich der Aufforderung von Papst Benedikt XVI., der den Mitgliedern zur 130. Generalversammlung seinen Apostolischen Segen erteilte. Eine nur auf ökonomischen Prinzipien gründende Union vermöge kein bleibendes, tragfähiges Fundament für das „gemeinsame Haus“ Europa zu sein, heißt es in dem Grußwort aus dem Vatikan an die Versammlung. Sozialer und geistig-kultureller Zusammenhalt seien als konstitutiver und identitätsstiftender Teil vonnöten. Damit das Christentum auch heute und morgen seiner formenden Rolle gegenüber Europa gerecht werden könne, brauche es aktive Christen, die für die lebensspendende Wahrheit des Evangeliums und für die unveräußerlichen Werte des Menschen einstehen, so das Schreiben: „In diesem Sinne an der Zukunft Europas und der ganzen Welt gestaltend mit­zuarbeiten, ist ein Auftrag auch und gerade an die Unitarier. So werden sie selbst als Christen zum Fundament Europas.“

Nein zu einem weltanschaulich indifferenten Land

Als prominente Redner sprachen bei den Festveranstaltungen der Generalversammlung der Trierer Ortsbischof Dr. Reinhard Marx und der ehemalige Luxemburgische Ministerpräsident und Präsident der EU-Kommission Dr. Jacques Santer. „Europa ist nicht zu verstehen ohne das Christentum", erklärte Bischof Marx – selbst Mitglied der UNITAS – beim Festkommers am Freitag vor rund 400 katholischen Akademikern. Der christliche Glaube sei mehr als eine historische Dimension. Das Christentum sei vielmehr eine „positive Vision auch für das 21. Jahrhundert". „Wir haben etwas Kostbares zu sagen", unterstrich Marx die Wichtigkeit der Botschaft Jesu, der „sich wirklich ganz in den Dreck der Welt gelegt hat". Daraus ergebe sich auch ein ganz besonderes Menschenbild. Darum sei es die Aufgabe der Christen, in Europa und der Welt dafür zu sorgen, dass „die Würde des Menschen nicht zur Disposition steht". Darum sei es die Aufgabe der Christen, in Europa und der Welt dafür zu sorgen, dass „die Würde des Menschen nicht zur Disposition steht". Marx warnte vor einer „neoantiken Welle" und einem „primitiven Kapitalismus", der dazu führe, dass „Arme, Kranke und Schwache" mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden. „Die Werte des Christentums sind die, die sich auf den Menschen beziehen", erteilte Marx neoliberalen Tendenzen eine Absage. Europa müsse mehr sein, als nur Ökonomie, es müsse eine „geistige Vorstellung von Europa" geben. Marx erinnerte daran, dass Europa „im Tiefsten ein geistiges Projekt" sei. „Wenn wir nur das Materielle in den Mittelpunkt stellen, ist Europa nur eine im Nirgendwo verlaufende Spätkultur, die den Weg des Niedergangs beschreitet", sagte Bischof Marx. Einer „Religion als Privatangelegenheit" erteilte der Bischof eine Absage. „Wir wollen niemand unseren Glauben aufzwingen", sagte Marx, „aber wir sagen ‚Nein’ zu einem weltanschaulich indifferenten Land".

Die Christen in Europa rief der Trierer Bischof dazu auf, sich im europäischen Einigungsprozess zu engagieren. „Europa ist das größte Friedensprojekt, das je in der Geschichte stattgefunden hat", betonte Marx. Daran gelte es mitzubauen und die christliche Botschaft einzubringen. „Christen haben eine Aufgabe in Europa", betonte der Bischof. Fehle die christliche Dimension in Europa, drohe eine unmenschliche Gesellschaft. „Der Mensch ist nicht Schöpfer, sondern Geschöpf", erinnerte Marx. Der Mensch könne nur da Mensch bleiben, wo er sein Maß nicht überschreite, sagte der Bischof. Es sei Aufgabe der Christen, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Das Christentum sei immer wieder unbequem und „Stachel im Fleisch der europäischen Geschichte" gewesen.

Das Gründungswerk von
Robert Schuman weiterführen

Dr. Jacques Santer zog beim abschließenden Festakt am Sonntag eine „ernüchternde Bilanz zum Stand des Europäischen Einigungsprozesses“. Europa, ein großes Friedenswerk, sei zum Opfers eines eigenen Erfolges geworden. „Europa hat seinen Sex-Appeal verloren. Aber kann man sich in einen Binnenmarkt verlieben?“ Inzwischen habe der Verfassungsvertrag mehr Schimpf und Schande über Europa gebracht, als jedes Integrationsprojekt zuvor. „Die aktuelle Krise der EU ist somit auch eine Legitimationskrise“, erklärte Santer. „Hier geht es nicht um die demokratische Legitimation, darum dass Europapolitik angeblich nicht hinreichend demokratisch legitimiert ist, es geht vielmehr um die grundsätzliche Legitimation europäischer Integrationspolitik.“ Der Ruf nach neuen Leitbildern zur Europapolitik sei nicht neu, doch das hieße, die Leitbilder der Gründervater in die Mottenkiste der Geschichte zu verbannen. „Doch ist die europäische Integrationspolitik heute keine Friedenspolitik mit anderen Mitteln mehr?“ fragte der ehemalige EU-Kommissionspräsident. „Die Motivationen der christlich motivierten Gründungsväter sind alle keineswegs obsolet geworden. Richtig ist, dass sie nicht mehr so recht greifen wollen, dass sie tatsächlich ihre ursprüngliche Schubkraft eingebüßt haben. Doch ich glaube vielmehr, dass man sie reaktivieren und an die neuen Gegebenheiten des neuen Jahrhunderts anpassen muss“, so Santer.

Die Reaktivierung der alten Leitbilder und die Suche nach neuen mache aber nur dann wirklich Sinn, wenn beide Vorhaben durch eine grundsätzliche Debatte über die Interessen Europas und der Europäischen Union flankiert würden. Leitbilder aber müssten von den EU-Bürgern akzeptiert werden. „Ich glaube, wir haben in Europa ein mentales Problem, an dem Europa nicht ganz unschuldig ist. Uns Europäern ist das Arbeitsethos abhanden gekommen. Heute gilt fast europaweit: Wenn Arbeit adelt, dann bleibe ich lieber bürgerlich.“ Diese Attitüde könne in den kommenden Jahren zu einem der größten Probleme der Europäischen Union werden. Zudem sei europäische Integrationspolitik auch heute immer noch eine Frage von Krieg oder Frieden, denn angesichts neuer Bedingungen fehle es an Bedrohungen nicht. Diese Einsicht müsse intensiviert werden. Das gelte auch für eine von ihm konstatierte „Fragilität des sozialen Friedens in Europa“. Die „bürgerkriegsähnlichen Zustände in Frankreich“, so Santer, könnten nur Vorboten drohender sozialer Konflikte gewesen sein, mit denen die Europäische Union in den nächsten Jahren verstärkt konfrontiert werde. Europa müsse darum sozialer werden. Dabei komme einer klugen Wirtschaftspolitik in „einer der politisch attraktivsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen der Welt“ eine Schlüsselrolle zu.

Der aus vielen Gründen kritisierte Entwurf des Verfassungsvertrags sei bürgernah und weitaus besser als sein Ruf. „Gelingt es nicht, die Bürger für die europäische Sache zu gewinnen, droht der EU die Erosion von innen“, mahnte Jacques Santer. „Scheitern wir, so bringen wir unsere Demokratie in Gefahr und vererben unseren Kindern und Enkelkindern eine dekadente Gesellschaft.“ Die Einigung Europas sei Mittel und kein Selbstzweck: „Wir brauchen Europa als Baustein für eine freie Welt. Heute hat unsere Generation die einmalige Chance, das Gründungswerk eines Robert Schuman weiter zu führen und zum ersten Mal unseren Kontinent in Frieden und Freiheit zu vereinen. Wir sollten wieder stolz auf das Erreichte sein und somit den Weg für die kommenden Generationen vorzeichnen.“ 

CB

Für mehr Informationen: 

Die Verbandshomepage im Internet unter www.unitas.org.
Die Homepage zur Generalversammlung: www.gv2007.de.


GruSS- und Segenswünsche des Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI.
, die Bischof Bbr. Dr. Reinhard Marx von Trier der Festversammlung verlas; Die christlichen Werte vertiefen und sichern. 130. Generalversammlung des Unitas-Verbandes in Trier –  - Artikel von Bbr. Christian Poplutz in der DEUTSCHEN TAGESPOST vom 24.05.2007; Christentum ist das Fundament Europas. Generalversammlung des katholischen Studentenvereins Unitas in Trier. Bischof Dr. Marx sprach bei der Generalversammlung des katholischen Studentenvereins Unitas in Trier - Pressemeldung des Bistums Trier vom 21. Mai 2007: Hier der Link zu MEHR BerichteN und Pressemeldungen.

 

 

 

 

 




Veröffentlicht am: 09:34:33 21.05.2007
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