Christen im Nahen Osten: Bericht zur Lage

Unitas lädt am 22. Juni zum Gesprächsabend mit Experten

 

ESSEN. Die derzeitige Lage der Christen im Nahen Osten ist am Mittwoch, 22. Juni, Thema eines Gesprächsabends des wissenschaftlichen katholischen Studentenvereins Unitas Ruhrania. Als Experten zugesagt haben Hermann-Josef Großimlinghaus, Vizepräsident des Deutschen Vereins vom Hl. Lande e.V. (Köln) und Jan Jessen, Leiter des Politik-Ressorts der NRZ und Vorstand der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen e.V.. Die Veranstaltung beginnt um 20.15 Uhr im Unitas-Haus „Feldschlößchen“ an der Flurstraße 67, Essen-Borbeck.

 

Christliche Kultur stirbt

 

Während sich bei uns im Land die Debatten auf Fragen von Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge, Kosten, Unterbringung, Kriminalität, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus fokussierten, droht eine Jahrtausende alte Kultur auszusterben. Abermillionen sind inzwischen vor Krieg und Terror geflohen, suchen Schutz im eigenen Land, in überforderten Nachbarländern oder machten sich auf den weiten geffährlichen Weg nach Europa und in andere Länder der Welt. Dabei gehen die christlichen Kirchen am Ort ihres Ursprungs einer ungewissen Zukunft entgegen: Die millionenfache Flucht der Gemeindemitglieder, die Zerschlagung der Kirchenstrukturen, zerstörte Kirchen und Gemeindehäuser gehört zu den schwersten Prüfungen für das reiche und vielfältige christliche Erbe im gesamten „Heiligen Land“.

 

Papstappelle gegen Gewaltexzesse

 

Immer wieder hat darum Papst Franziskus in seinen Appellen nicht nur auf die Situation der Flüchtlinge hingewiesen. Es wurde oft überhört, aber auch bei seinen Besuchen auf Lampedusa und Lesbos forderte er mehr Schutz für die zurückgebliebenen Christen und anderer religiöser Minderheiten in der Krisenregion. Noch im Mai mahnte er zu einem größeren Einsatz der internationalen Gemeinschaft, „weise und gerecht" auf die „beispiellose Gewalt" zu antworten. Besonders die Christen in Syrien und im Irak litten unter den Gewaltexzessen, so der Papst.

 

Bewusstsein schaffen

 

Die Kirche in Deutschland bemüht sich ebenfalls seit vielen Jahren, ein stärkeres Bewusstsein für diese Entwicklungen in der Öffentlichkeit zu schaffen - durch Kontakttreffen mit Kirchenvertretern vor Ort, durch den Stephanustag für die verfolgten Christen nach Weihnachten, aber auch mit der Palmsonntagskollekte, mit dem auf die bedrückende Lage im Vorderen Orient aufmerksam gemacht wird. In ihrem Aufruf 2016 stellten die deutschen Bischöfe unmissverständlich klar: „ Nach fünf Jahren Krieg ist Syrien weitgehend zerstört. Hunderttausende haben den Tod gefunden, Millionen sind auf der Flucht“, so die deutschen Bischöfe. In den Herrschaftsgebieten des sogenannten „Islamischen Staats“ gebe es für die Christen keine würdigen Lebensmöglichkeiten. „Wir sind überzeugt: Auch die Katholiken in Deutschland sollten das ihnen Mögliche tun, damit die Christen des Heiligen Landes in ihrer Heimat verbleiben oder bald wieder dorthin zurückkehren können. Hier geht es um die Existenz des Christentums in der Ursprungsregion unseres Glaubens.“

 

Dramatischer Exodus der Christen


Zum „dramatischen Exodus der Christen“ äußerte sich auch Erzbischof Dr. Ludwig Schick, der sich unlängst bei einem Blitzbesuch in Syrien eigenes Bild von der Lage gemacht hatte. Der Bamberger Erzbischof, „Außenminister“ der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und Unitas-Mitglied, forderte entschlossenes Handeln vor allem beim Thema Waffenexporte. Die Christen würden zwischen den Mühlsteinen der Konflikte zermahlen, so der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Bei einer im März von der DBK mit Experten, Wissenschaftlern und Kirchenvertreter organisierten Konferenz in Rom erklärte Schick im März, die Zahl der Christen im Irak sei inzwischen auf etwa 200.000 geschrumpft, auch in Syrien lebten nur noch etwa 300.000 Christen.

 

Kirche ohne Zukunft?

 

Hat die Kirche im Nahen Osten also noch eine Zukunft? Am Mittwoch, 22. Juni, geben dazu zwei berufene Gesprächspartner Auskunft. Profunde Kenntnisse der Region bringt Hermann-Josef Großimlinghaus in die Debatte ein: Der langjährige Geschäftsführer der Kommission Weltkirche in der Deutschen Bischofskonferenz hat zahlreiche Reisen im Nahen Osten unternommen und ist amtierender Vizepräsident des Deutschen Vereins vom Hl. Lande e.V. mit Sitz in Köln. Die Initiative, deren Anfänge bis ins Jahr 1855 zurückgehen, unterstützt zahlreiche christliche Einrichtungen im Heiligen Land. Als Organisator zahlreicher studentischer Wallfahrten in die Region ist Bundesbruder Grossimlinghaus, Mitglied der Unitas, Redaktionsmitglied der Verbandszeitschrift und Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV), auch vielen Bundesbrüdern und Bundesschwestern aus der Unitas bekannt.

 

Aus dem journalistischen Bereich stammt der zweite Gesprächspartner Jan Jessen. Der Leiter des Politik-Ressorts der Neuen Ruhr-Zietung (NRZ) ist in den letzten Jahren sehr stark besonders in der Arbeit für Christen im Irak engagiert. Als Vorsitzender der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen e.V. ist er Mitinitiator einer Aktion, durch die mit vielfacher Unterstützung von Firmen, Institutionen und Privatpersonen in kurdischem Siedlungsgebiet ein „Ruhrgebiets-Dorf“ errichtet werden konnte. Mit-Vorstandmitglied Rudi Löffelsend hatte bereits im vergangenen Wintersemester bei einer Veranstaltung des wissenschaftlichen katholischen Studentenvereins Unitas Ruhrania am 1. Februar 2016 von der öffentlichkeitswirksamen Hilfe für Christen berichtet.

 

 

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Veröffentlicht am: 14:17:58 10.06.2016
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