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Vortrag von Bbr. Richard Laudage beim UNITAS-Zirkel Essen

ESSEN. Einem großen Thema stellte sich am Mittwoch, 6. Juni, das Monatstreffen des Essener UNITAS-Zirkels im Rüttenscheider Restaurant „Istra“. Referent der Wissenschaftlichen Sitzung war Bbr. StD a. D. Richard Laudage aus Essen-Kettwig, der im vergangenen Jahr seinen 80. Geburtstag beging. 1952 hatte er sich in Münster der UNITAS Burgundia angeschlossen und war 35 Jahre als Religionslehrer in Essen tätig. Auf besonderen Wunsch hatte sich aus Zirkel-Veranstaltungen der letzten Monate sein Beitrag ergeben, der unter dem Oberthema „Geheimnis des Glaubens" stand.

Vor rund 25 Gästen entwickelte Bbr. Laudage am Beispiel des Festes „Christi Himmelfahrt" wesentliche Glaubenswahrheiten. Ausgehend vom Kirchengebet des Himmelfahrtsfestes entfaltete er mehrere Einzelaspekte, insbesondere die „Verherrlichung Christi" durch seine „Erhöhung" und „Inthronisation zur Rechten des Vaters". Die Glaubenden seien bereits durch die Taufe als „Glieder am Leibe Christi" ebenfalls zu Gott „erhöht". Auch ihre Vollendung liege in ihrer Auferstehung von den Toten und ihrer Himmelfahrt. „Die Voraussetzung dafür ist unsere Teilhabe an seiner „Erniedrigung am Kreuze", an seinem totalen Dienst an unseren Brüdern“, erklärte Bbr. Laudage mit Hinweis auf das 22. Kapitel des Evangelisten Lukas: Die Teilhabe am Reich (Königtum) konkretisiere sich im gemeinsamen Mahl am Altar als Gestalt des Bundesschlusses. Die Berufung des Menschen zur „Herrlichkeit Gottes in Christus", dem „fleischgewordenen Wort Gottes" (Jo 1, 14) gebe ihm Anteil an der Auferstehung und der Himmelfahrt Christi. Die wesentliche Bedeutung des Festes bestehe für den Christen in "unserer Vergöttlichung, die nach 2 Kor 5,21 durch einen `heiligen Tausch´ zustande kommt", wie Bbr. Laudage erklärte. (Bild rechts: Himmelfahrts-Darstellung aus Florenz)

Bild links:  Evangeliar aus St. Vitus in Mönchengladbach, Köln oder Gladbach um 1130|40, Pergament, ULB Hs 530, fol 14v Majestas Domini (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt)

Mit Blick auf die Tageslesungen, die das Ereignis der Himmelfahrt selbst schildern (Apg 2) und dessen Sinn im Lichte des Alten Testamentes theologisch entfalten (Eph 1, 17-23 und Hb 9, 24-28; 10, 19-23) wandte sich der Referent der Rede von der „Erhöhung des Messiaskönigs" und dem „Sitzen zur Rechten Gottes" als Schriftbeweis für Jesu Gottessohnschaft  zu. Er verwies auf die aus Psalm 110 inspirierte Vision des sterbenden Stephanus (Apg 7, 55-56), in der er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen sieht: „Stephanus ist damit als „Blutzeuge" (gr. martys, Märtyrer) für Jesus jener, dessen „Glaube in der Liebe (bis in den Tod hinein) wirkt" (Gal 5, 6) und dessen Glaube und Liebe wir nachahmen sollen, um ebenfalls zu Gott „erhöht" zu werden“, so Bbr. Laudage.

Eine Veranschaulichung der Motive der „Herrlichkeit", der „Verherrlichung", des „Sitzens" (Thronens) und der „Rechten Gottes" brachten Beispiele aus der christlichen Ikonographie: Ottonische Prachtevangeliare oder Mosaiken aus Ravenna zeigten die bildliche Umsetzung der Begriffe und ihrer Bedeutungen. Weitere Illustrationen zeigten Christus in der „Mandorla" als Bild für die „heilige Seite" Gottes. Auch verwies Laudage auf das Sitzbild der Goldmadonna aus dem Essener Münster, die, nach dem Vorbild des Thrones Salomos mit Gold überzogen, ihrem Sohne als „Thron" dient. Die theologisch sehr dichte Erläuterung des Bildes von der „Weizenähre" als „Sitz" bzw. „Thron" der zum Sterben und Fruchtbringen bestimmten Weizenkörner, vom „Thronen Gottes und des Lammes" (Apk) bezog er auf die „Majestas Domini", die Gott/Christus auf der Erde und dem Regenbogen als Zeichen seines Bundes mit den Menschen thronend zeigt. 

Bild rechts: Kirchen-Fresko Südtirol: Primo Maestro di San Giovanni in Villa: "Maiestas Domini".

Mystik, Identität und eine lebhafte Diskussion 

Tief in die Mystik führten schließlich die Erläuterungen des Vortragenden zur „Rechten Gottes“ - ein Ansatzpunkt für eine ganze Reihe von Fragen in der Diskussion, die insbesondere die Themen von „Person“, „Identität“, „Verwirklichung“ des Menschen und seine Begegnung mit Gott betrafen. Der Mensch sei nur aus der Identifizierung mit seinem Schöpfer und Erlöser wirklich zu begreifen, betonte Bbr. Laudage. Der aus der aufklärerischer Tradition stammenden Rede von der „Selbstverwirklichung“ einer „autonomen Person“ erteilte er eine klare Absage. Vom großen „Geheimnis des Glaubens“ zeuge der Begriff vom in sich dreifaltigen Gott selbst: Dies sei Ausdruck für sein im tiefsten auf Begegnung und Liebe, Austausch und Kommunikation/Dialog angelegtes Wesen. Der im Glauben in dieses Geheimnis hineingenommene Mensch erfahre aus dieser Wesenheit seines Schöpfers und aus einer lebendigen Beziehung mit ihm seine eigentliche Berufung und Bestimmung. Freilich bleibe, so Laudage, die seit Beginn des Christentums bestehende Spannung zwischen dem Erbe der griechischen Philosophie und der Offenbarung, die sich schwer auflösen lasse.

Bild oben: Mosaik aus Sant' Apollinare Nuovo (Ravenna), V sec.: la cena, Bild rechts: Christus Pantokrator, Mosaik

Heute, so weitere Redebeiträge und Diskussionspunkte, ließen sich Aspekte und Zusammenhänge dieser komplexen Materie nur noch sehr schwer praktisch vermitteln. Mit Blick auf den schulischen Unterricht und die Weitergabe des Glaubens in Familie und Gemeinde müsse vor allem zunächst der Erziehung zur „Bildfähigkeit“ der Heranwachsenden neue Bedeutung zukommen. Viele dieses Glaubensgeheimnis versinnbildlichende Motive in Kunst und der Liturgie selbst seien für immer mehr Menschen kaum noch zu entschlüsseln und verlören zunehmend ihre eigentliche Bedeutung. Eine Anfrage auch an die Kirche, so kritische Anmerkungen aus der unitarischen Runde: Sie schrecke in der Auslegung der Schrift oft vor wesentlichen Themen zurück oder tue sich mit ihrer Deutung und in der Sprache schwer. Eine Herausforderung aber auch für jeden um seinen Glauben ringenden Christen, der in der Welt sein Zeugnis in Wort und Tat abzulegen habe. Bbr. Dr. Otto Hermans erinnerte nicht zuletzt nachdrücklich an Karl Rahners Aussage, dass die Kirche der Zukunft eine mystische sein müsse ... - eine Veranstaltung mit vielen Aspekten und Anknüpfungspunkten für weitere Diskussionen, wie der Zirkelvorsitzende Bbr. Martin Gewiese anmerkte.

 




Veröffentlicht am: 09:25:16 06.06.2007
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