Alles andere als „Milchtrinker“:

Vom Vereinsfest St. Bonifatius in Werden

 

ESSEN. Zum Vereinsfest St. Bonifatius fanden sich am Sonntag, 14.Juni, knapp 40 Mitglieder der Ruhr-Unitas nach dem lateinischen Choralamt in der Werdener St.Ludgerus-Basilika in den Domstuben ein. „Was hält uns noch in der katholischen Kirche?“ lautete das provokante Thema bei der Wissenschaftliche Morgensitzung, dem sich Dr. Werner Kleine stellte – ein leidenschaftlicher freier Vortrag mit einigermaßen nüchternen Feststellungen.

 

Kirche kaum noch gefragt?

 

Denn der Blick auf die Lebenswirklichkeit zeige, dass die Kirche ihre traditionellen Bindekräfte längst verloren habe, so der Verantwortliche für die City-Pastoral in Wuppertal. Anders als in früheren Jahrzehnten werde die Kirche selbst in entscheidenden Fragen auch medial kaum noch bemüht, vielfach fehle ihre Stimme schmerzlich im gesellschaftlichen Diskurs. „Wir stören nicht, aber keiner erwartet auch mehr etwas von uns“, erklärte Kleine. „Doch wenn wir relevant sein wollen, dürfen wir uns nicht nur mit uns selbst beschäftigen“.

 

Viele Gründe dafür lege derzeit Papst Franziskus in fast schonungsloser Weise offen. Aus der kirchlichen „Kontrastgesellschaft“ sei eine vielfach angepasste Institution geworden, skizzierte Kleine die vielen Berührungen und Angleichungen seit der antiken Welt – auch im Blick auf die Ausbildung der inneren Hierarchie und der strukturellen Verfassung der Kirche. Ihrem Wesen nach sei sie zwar „nicht von dieser Welt, aber in dieser Welt“, verwies der Referent auf das Wort Jesu und den Auftrag, der jedem getauften und gefirmten Christen gelte. Jedem sei im Sakrament der Firmung eine „Vollmacht wie von Amts wegen“ (Thomas von Aquin) erteilt, in der Welt zu wirken, seinen Glauben ins Wort zu bringen und gemäß dem Petrusbrief zu begründen.

 

Keine „Milchtrinker“ sein

 

Der eine, unteilbare Leib Christi vereine viele Talente und Aufgaben in sich. Doch aus vielen zum Glaubenszeugnis berufenen Laien seien „Milchtrinker“ und „Schwerhörige“ geworden, warnte Kleine mit Bezug auf den Hebräerbrief, und: Zu viele „Hirten“ teilten eine „Angst vor der Welt“. „Jetzt ist die Stunde der Laien“, forderte Kleine und mahnte zu einem neuen Blick auf die Tradition. „Der Wandel ist die Tradition der Kirche“, so der Theologe: „Wir brauchen eine Kirche freier, mündiger und erwachsener Christen. Denn wir sind zur Verantwortung herausgefordert.“

 

Viele Stichworte des Vortrags sorgten für eine teilweise heftige Diskussion um das Wesen der christlich verstandenen Freiheit nach der Aufklärung, um Gottes Gerechtigkeit, um Schuld, Sünde und Sühne, das Wirken des Heiligen Geistes, um den christlichen Weltdienst. Kritische Nachfragen zur Verfassung der Kirche, zu den Aussagen über Leitung und Hirtenamt auf allen Ebenen, aber auch zu den Sakramenten, der Liturgie, der Notwendigkeit der eigenen Fortbildung in Glaubensdingen und um die Berührungspunkte von Naturwissenschaft und Theologie zeigten: Hier blieb – ganz im Sinne des unitarischen Prinzips der Scientia - eine ganze Menge Gesprächsbedarf. Gerne sagte Dr. Kleine eine weitere Debatte zu.

 

Ausklang auf der Ruhr

 

Für die Ruhr-Unitas war neben der spannenden Debatte zum Vereinsfest auch die Aufnahme eines neuen Mitglieds im Altherrenverein eine besondere Freude. Und viele genossen den Nachmittag noch mehr als zwei Stunden hoch entspannt auf Deck: Die Weiße Flotte steuerte auf dem Baldeneysee und auf der Ruhr von Werden über Haltepunkt Hügel nach Kettwig und zurück. Viel goldene Sonne strahlte an diesem Tag am blau-weißen Himmel über dem Geburtsort von Unitas-Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff. Selbstverständlich, dass an dessen Geburtshaus in der Hufergasse in Werden zum Ausklang des Festes zu Ehren des Verbandspatrons das Bundeslied erschallte. Und ein Eis in Ehren war auch noch drin ...

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Weiterer Artikel: 14. Juni: Unitas-Vereinsfest in Essen-Werden




Veröffentlicht am: 15:26:00 15.06.2015
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