Pfingsten: Der andere Weltklimatag

 

ESSEN. Die gute Botschaft: Es gab weder Hagel noch Schnee. Auch kein Sturm riss an den Dächern, alle Bäume blieben, wo sie standen. Und die 30 Grad und mehr, die im Vorjahr fast alles zum Erliegen brachten, gab es diesmal ebenfalls nicht. Allerdings: Wer am Sonntag noch beim klappernden Fahrradkonvoi zum Baldeneysee schwitzte, fror am Pfingstmontag fast am Gartenstuhl fest. Egal.

 

Mag sein, dass zutreffende Annahmen über den Sinn des kirchlichen Hochfestes inzwischen eher selten sind. Konsens scheint aber durchaus, dass es im Wesentlichen wohl auch um Gemeinschaft geht. Die Apostelschar, die sich zum Fest in Borbeck gemeinsam durch den Pfingstmontag schnatterte, war dafür allemal ausreichend gerüstet. Unter träge durchziehendem Wolkengrauen halfen adäquate Warm- und Kaltgetränke bei vitaminreicher Kost auf Mürbeteig durchs polyglotte Stimmengewirr und wer zwischen veritablem Dada-Geplauder, hochkompetenten Kulturanalysen zu polynesischen Ernährungsfragen und weltpolitischen Grundsatzerwägungen auch noch einen alten Pullover dabei hatte, war fein raus.

 

Selbst die Eichhörnchen blieben diesmal der Veranstaltung fern und drehten wohl lieber nochmal die Heizung im Kobel hoch. Auch die sonst so geschäftig-genervten Elstern kriegten maximal nur noch einen müden Sinkflug zustande und aufgeplusterte Tauben klebten, dick wie WM-Bälle, auf den Lindenästen. Als aber in der Dämmerung die Eisblumen an den Gemäßen hochkletterten, sollen sie schließlich doch gesichtet worden sein: Kleine blaue Flämmchen, die im Sturm der Argumente über heißgeplauderten Studi- und Philisterköpfen tanzten. Pfingsten: Begeisterung lässt sich offensichtlich auch im manifesten Klimawandel nicht aufhalten. Also: Semper in unitate. Ist auch schon wieder alles aufgeräumt.

 

Bei der Gelegenheit: Auch der Himmel war blau. Wirklich. Jedenfalls über den Wolken. Um 16:32 Uhr gab es einen kleinen, ungefähr zwei Zentimeter großen Ritz in der Wolkendecke. Eine Minute lang. Vielleicht haben es die meisten gar nicht gesehen. Aber wer es bemerkt hat, der legt heute darüber Zeugnis ab. Für alle diejenigen, die nicht sehen, aber trotzdem glauben sollen. Schließlich war ja Pfingsten.






Veröffentlicht am: 14:12:19 26.05.2015
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