25 Jahre im Verband

Die Ruhrania: Der neue alte UNITAS-Verein

 

ESSEN / ERFURT. Mitte April 1990, vor 25 Jahren: Die Briefe sind verschickt. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der 103. Generalversammlung. Sie tagt vom 24. bis 27. Mai in Aachen. Und schon am ersten Tag beschließen die Delegierten: Der W.K.St.V. UNITAS-Ruhr und der W.K.St.V. Unitas Magdeburg/Erfurt werden neu in den Unitas-Verband aufgenommen. Jetzt trifft es sich natürlich bestens, dass die Ruhr-Unitas am 1. Mai 2015 zum 25-jährigen Bestehen des Brudervereins nach Thüringen aufbrechen wird. Das ganze lange Wochenende soll unter dem Eindruck der denkwürdigen Gründung im damaligen Norbertinum von Magdeburg stehen. Und es ist gut, dass die beiden Zwillinge aus Essen und Erfurt diesen Tag gemeinsam begehen.

 

Aufnahmeantrag bei der Unitas

 

Es war ein formvollendetes Schreiben, mit dem sich die Aktiven des „WISSENSCHAFTLICHEN KATHOLISCHEN STUDENTENVEREINS UNITAS RUHR“ damals an die Delegierten der Aachener GV wandten: Der neu konstituierte Verein sehe sich in der Tradition der 30 Jahre zuvor ins Leben an der damaligen PH Essen (Kupferdreh) gerufenen UNITAS St. Liudger und der 24 Jahren zuvor gegründeten UNITAS Robert Schuman an der Ruhr-Universität Bochum, hieß es in dem Brief: „Nach Rücksprache mit dem AH-Zirkel Essen im Sommer 1989 (Vorsitzender: AH Dipl.Ing. Wilm Böcker, Ehrensenior des W.K.St.V. Ruhr und mit dem AH-Zirkel Bochum (Vorsitzender AH Dr. Benno Eichholz) wurden im vergangenen Wintersemester ein Veranstaltungsprogramm aufgestellt und durchgeführt, verstärkte Keilarbeit betrieben und die Chancen für eine feste Etablierung von unitarischen Ortsinitiativen ausgelotet. Dabei konnten wir feststellen, da unter den betreffenden Zirkeln ein großer Wunsch zur Unterstützung dieses Anliegens bestand, dass gute Möglichkeiten zum weiteren Ausbau der Initiative gegeben und erste Erfolge vielversprechend sind.“ (14.04.1990, Ruhrania: Die „Wiederbegründungsurkunde“)

 

Klare Aussagen

 

Gut zwei Semester waren seitdem vergangen: Schon ein Jahr zuvor, am 28.6.1989, veröffentlichte die Unitas-Verbandszeitschrift im „Schwarzen Brett“ einen Artikel aus dem Revier. Unter dem Titel „WIR WOLLEN AN DIE RUHR!“ wurde fleißig Werbung für die neue Initiative gemacht: „Vielleicht wechselt auch der ein oder andere Bundesbruder - und sei es für kurze Zeit an eine der genannten Hochschulen? Auch im Ruhrbistum brauchen wir die UNITAS !“

 

Das Semsterprogramm war ambitioniert und setzte auf Inhalte: So organisierte der Verein u.a. im November 1989 in der KSG Bochum eine von weit über 100 Studenten besuchte Podiumsdiskussion zum Thema „Neue Armut: Deutschland auf dem Weg in die Zweidrittel-Gesellschaft“. Im Podium damals: Dr. Reinhard Marx, heutiger Erzbischof und Kardinal in München, damals Direktor der Kommende in Dortmund, und der evangelische Ordinarius Prof. Brakelmann. Ein Leserbrief an das Ruhrwort (RW 46: Ein heißes Eisen: „Arme ohne Lobby“!) forderte einen breiten gesellschaftlichen Konsens in Rat und Tat: „Sonst braucht sich niemand zu wundern, wenn sich bestimmte Kreise des radikalpolitischen Spektrums von rechts und links des Themas auf ihre Weise annehmen. Wir brauchen eine gemeinsame Front gegen Sozialdarwinismus und das Schüren sozialer Ängste: Radikale Töne gegen Flüchtlinge und Asylanten, Aus und Übersiedler, gegen Ausländer, Arbeitslose, Suchtabhängige, Aidsinfizierte und viele andere müssen Christen und Demokraten wachsam machen. Zu viele haben sich bereits von wohlfeilen Parolen einlullen lassen. Dies und vor allem unsere christliche Verantwortung deutlich zu machen, war und ist Anliegen des UNITAS-Verbandes." (17.11.1989, LESERBRIEF: Ein heißes Eisen - „Arme ohne Lobby“!)




Papst Johannes Paul II. mit den ersten Aktiven der zukünftigen Unitas Magdeburg/Erfurt

 

„Wir wollen an die Ruhr!“

 

Am Ostersonntag, 15. April 1990, wurden in Rom vier junge Studenten aus Magdeburg als extralozierte Bundesbrüder in die Unitas Ripuaria Neuss aufgenommen – das Fundament für die „Gründung eines neuen Unitas-Vereins in der DDR“ war gelegt (15.05.1990, Grundstein für Unitas Magdeburg/Erfurt in Rom gelegt). Im Mai 1990 berichtete das „Ruhrwort“: „UNITAS-Verein nun auch im Ruhrbistum aktiv“. Und tatsächlich blieb es bei der Generalversammlung eine gute Woche später nicht bei der Gründung der zwei Vereine im Revier und in Thüringen: Fünf weitere kamen insgesamt dazu – so in Hamburg, Münster und Köln, hieß es in dem Bericht. „Stürmisch gefeiert wurde von den in Aachen versammelten Delegierten auch die Aufnahme der UNITAS-Prag, deren Mitglieder aktiv an der demokratischen und politischen Neugestaltung ihres Landes beteiligt sind.“ (UNITAS-Verein nun auch im Ruhrbistum aktiv)

 

Nomen est omen

 

Anfang Oktober 1990 war es schließlich auf der anderen Seite der ehemaligen Grenzbefestigungen getan: Die Verbandszeitschrift berichtete von dem großen Publizierungskommers der Unitas in Magdeburg, die inzwischen den Beinamen „Ostfalia“ annahm. (04.10.1990, Gründung der UNITAS in Magdeburg) Am 2. Februar 1991 wechselte auch die Unitas Ruhr ihren Namen: Anlässlich des gefeierten 80. Stiftungsfestes der in Münster gegründeten Unitas Ruhrania unterzeichneten die Vertreter der Aktivitas und der Altherrenschaft die offizielle Vereinigungsurkunde. Zahlreiche Vereine kamen zum festlichen Kommers im Bochumer Stadtpark-Restaurant. Bbr. Dr. Reinhard Marx stellte als Direktor des Sozialinstituts des Erzbistums Paderborn die Kommersrede unter das Thema „1991 - 100 Jahre Sozialenzyklika Rerum Novarum ein Stück Kirchengeschichte, heute noch aktuell?“. Nach dem von Bbr. Pfr. Alfons Riesener gefeierten Festhochamt zum Vereinsfest Thomas v. Aquin in der Liebfrauenkirche in Bochum-Linden übernahm Bbr. Dr. Bernhard Koch die Wissenschaftliche Morgensitzung. Der Generalsekretär des Christlichen Gewerkschaftsbundes und Geschäftsführer des UNITAS-Bildungswerkes setzte das Thema des Kommerses mit einem Vortrag zu „Sozialpolitik aus christlicher Verantwortung“ fort.

 

„Erfolgreich das Unmögliche wollen“

 

Im Artikel für die Verbandszeitschrift berichtete Bbr. Klaus-Hermann Rößler vom Fest: „In der Tat scheint der Bestand von UNITAS Ruhrania bei einem Kreis von einem guten Dutzend Aktiver und ebensolcher junger Alter Herren nach vier Burschungen auf dem Kommers mit dem Unitarier-Versprechen auf die alte Ruhranenfahne fürs erste gesichert. Dass der AHV Ruhrania das Seine dazu beitragen will, damit der „Transfer“ des Vereins von der Münsteraner Werse an die Ruhr auch auf Dauer glückt, machte er dadurch deutlich, dass er die Übergabe der alten holzgeschnitzten Fuxenkasse mit einer „Beigabe“ von 5000 DM für einen bald zu gründenden Hausbauverein verband.“ Auch der AHB-Vorsitzende Mihm warb für die Unterstützung des Projekts. „Dem neu gewählten Senior Ruhraniae, Helmut Wiechmann, gelten die guten Wünsche des ganzen Verbandes, daß er die bisherige erfolgreiche Arbeit mit viel Unterstützung von allen Seiten weiterführen kann. Schließlich handelt es sich nach einem Aperçu, das Bbr. Eichholz zugesprochen wird, „bei uns Unitariern eigentlich immer um Leute, die ziemlich erfolgreich das für unmöglich Gehaltene wollen", so der Bericht. (13.02.1991, Unitas Ruhrania an der Ruhr „vor Ort“ gegangen)

 

Der Hauptverantwortliche für die Vereinigung von Unitas Ruhr mit der Unitas Ruhrania hatte inzwischen zugleich das Amt des Ehrenseniors übernommen: Bbr. StR Norbert Klinke aus Castrop-Rauxel beendete im Februar 1991 sein 27-jähriges Engagement für die überregional bekannte Schulbühne der Castrop-Rauxeler Gymnasien mit Shakespeares lyrischer Komödie „Was ihr wollt“ (20.02.1991, Schwerer Abschied und Aufbruch zu neuen Ufern). Doch unitarisch ging es erst richtig los: Den Hauptteil seiner Freizeit widmete er nun der Aktivitas im Ruhrgebiet. Und die sollte es ihm danken.

 

„Wir wollen Verantwortung übernehmen“

 

Der erste richtige Senior Helmut Wiechmann steckte am 1. Mai 1991 auf dem ersten Convent im 160. Semester des alten neuen Vereins den Rahmen für die Unitas-Arbeit im Revier ab. Seine Grundsatzerklärung gab die Verbandszeitschrift auszugsweise wieder:

„... Unser Semesterprogramm möchte ich unter einen Leitsatz von Dietrich Bonhöffer stellen: „Mag sein, daß der jüngste Tag morgen anbricht; dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht!“ Wir alle hoffen für eine bessere Zukunft unserer Welt, dürfen aber beider Hoffnung und beim Träumen nicht stehen bleiben: Wir wollen gestaltend mitarbeiten und Verantwortung übernehmen. Wenn tatsächlich viele meinen, daß morgen alles vorbei sein könnte, halten wir dagegen: Heute, im Jetzt, etwas Gutes tun, denn jeder Augenblick ist kostbar!

 

Und ich erinnere an ein Wort von Max Scheler: „Die Werte, die Tugenden, reiten auf dem Rücken unseres Handelns!“ Wir wollen uns also grundsätzlich vergewissern, daß unser Handeln den Werten entspricht. Wenn wir handeln, gestalten die Zukunft für den Nächsten mit. Zunächst aber auch für uns hier vor Ort. So in der Form unseres Semesterprogramms, in der Art, wie wir versuchen, andere für unsere Ziele zu gewinnen und nicht zuletzt in unserem sozialen Handeln. Damit ist die „Virtus“ in unserem Bekenntnis nach außen und innen gemeint, die uns gemeinsam tatkräftig die Welt gestalten hilft.

 

Dem UNITAS-Verband angehören heißt: Christ sein. In der Stille seines persönlichen Erlebens und in der Unruhe für den Anderen. Christsein heißt aber auch, sich Andersdenkenden zu stellen, sich einlassen in die wissenschaftliche Diskussion. Sich vor dem Anderen verantworten, sich nach außen hin öffnen. Wissenschaftlich tätig sein, wie es in unserem Prinzip „Scientia“ verlangt ist.

 

Beide sollen, so unser Bbr. Dr. Ludwig Freibüter, nicht zuletzt durch die „Amicitia“ durchdrungen sein. Dem Anderen im rechten Augenblick das Richtige in Liebe sagen dürfen. Das geht nur, weil wir uns alle und unser Tun unter das Kreuz des einen und wahren Freundes, Jesus Christus, stellen dürfen. Über allem und in allem steht das Kreuz als Zeichen der Erlösung.

 

So können wir uns gemeinsam auf den Weg machen, durch unser Handeln „Tugendhaftigkeit zu erlangen“. Darum sind wir wissenschaftlich tätig, offen für Andere. Darum dürfen wir Freunde sein, und um mit dem Bochumer AHZ-Vorsitzenden Dr. Benno Eichholz zu sprechen das Unmögliche für möglich halten. Mit der Devise unserer vergangenen Seniorate muß es für uns im Revier weiterheißen: „Wir an der Ruhr gemeinsam nach vorn!“ (01.05.1991, Ein Wort ins Semester)

 

… und daran hat sich wohl 50 Semester nach der Beantragung auf Aufnahme des Ortsinitiative an den Ruhruniversitäten in den Unitas-Verband auch nicht viel geändert. Weil ihr erster Senior passend heute auch noch Geburtstag hat: Ihm ein heftiges Gratulor!








Veröffentlicht am: 21:02:46 28.04.2015
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