"Cor unum et anima una"
Zum 185. Geburtstag von Hermann Ludger Potthoff

 

ESSEN. Er war 25 Jahre alt, als er vor genau 160 Jahren sein Studium beendete und ins Priesterseminar in Köln zog: Bbr. Hermann Ludger Potthoff, als Sohn einer Bauunternehmerfamilie am 21. Januar 1830 in Werden geboren, der heute allen Unitas-Angehörigen als Stifter des ältesten bundesweiten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes gilt.

 

Praktiker trifft auf Studium

 

Sein Weg war nicht vorgezeichnet: Nach der Rektoratsschule war er zunächst auf der Bau- und Gewerbeschule in Hagen und arbeitete auf dem Bau: Als er Ende 1849 seine in Bonn studierenden Brüder Wilhelm und August besuchte, traf er in ihrem Freundeskreis auf eine ganz andere Welt. Er war zwei Jahre zuvor, 1847, als landsmannschaftlicher Zirkel mit dem Namen „Ruhrania“ gegründet worden. Für Hermann Ludger steht danach fest: Auch er will studieren, Priester werden. Ostern 1850 zieht er nach Bonn.

 

Die Freunde helfen beim Abitur, das er erst noch nachholen muss. Zum WS 1852/53 kann er endlich anfangen, wird immatrikuliert und darf Mitglied der Ruhrania werden. Schon zum SS 1853 übernimmt er deren Vorsitz und bleibt ihr Präses. In seiner Amtszeit baut er den Verein vollständig um: Er führt verpflichtende Vorträge und Debatten ein, am 2. Februar 1854 wird einstimmig der Name „Unitas“ angenommen, der Wahlspruch entsteht, am 3. März 1854 werden die Prinzipien und Statuten beschlossen.

 

Priester und Seelsorger

 

Und die Unitas wächst: Seit dem 8.12.1855 bilden die „Coeten“ Bonn und Tübingen den Gesamtverein „UNITAS“, einen Einheitsverband, der nur katholische Theologen aufnimmt. Bonner und Tübinger Unitarier gründen am 26.1.1859 den UNITAS-Coetus Münster, am 31.1.1875 wird die UNITAS in Würzburg gegründet. Fortan entstehen gemäß dem Verbandsprinzip neue UNITAS-Vereine - immer ausgehend von bestehenden Vereinen. Potthoff bleibt dem von ihm so stark geprägten Unitas-Verein und dem Verband weiter verbunden: Nach der Priesterweihe im August 1856 feiert er in Hardenberg/Neviges seine Primiz, ist sieben Jahre Kaplan in Kapellen-Gilverath und wird 1863 vom Kölner Kardinal von Geissel in die Diasporaarbeit nach Dresden „ausgeliehen“. Potthoff wird Stiftskaplan in der Hofkirche, leitet ein Waisenhaus, ist Hofprediger mit Wohnsitz in der Rosenstraße 28 und Königlich Sächsischer Konsitorialrat.

 

Auf Antrag des inzwischen 41-Jährigen beschließt die GV 1871 in Bonn-Poppelsdorf unter anderem die Herausgabe eines „Vereinsorgans für die Mitglieder der „clerikalen und akademischen UNITAS“. Generalpräses Poffhoff, ist die Schriftleitung übertragen, ab 1874 wird er „Urpräses“ der UNITAS genannt. 1886 übernimmt ein Mitgründer der UNITAS, Friedrich Ludger Kleinheidt aus Essen-Heisingen, die Aufgabe des Generalvikars der Erzdiözese Köln. Er holt den 56-jährigen Hermann Ludger Potthoff nach 23 Jahren in der Diaspora in seine Heimatdiözese Köln zurück und setzt ihn als Oberpfarrer in Burtscheid ein, heute Teil von Aachen. 

 

Öffnung für alle Fakultäten


Seiner Unitas leistet Potthoff ein Jahr später bei der außerordentlichen GV 1887 in Neuss einen weiteren wichtigen Dienst: Die UNITAS steht nun nicht nur Theologen, sondern Studenten aller Fakultäten offen, die Coeten, die Einzelvereine der UNITAS, nennen sich nun „wissenschaftliche katholische Studentenvereine UNITAS“. Potthoff setzt es gegen den Widerstand von Bbr. Franz Hitze durch.

 

Doch keiner ahnt, dass sein Leben seinen Lauf vollendet hat: Ein Jahr später, am 8. Oktober 1888, stirbt er im 59. Lebensjahr. Sein Grab auf dem Burtscheider Friedhof macht die UNITAS zu einem Denkmal. An seinem Geburtshaus in der Hufergasse 15 in Essen-Werden erinnert seit dem 15. Juni 1930 eine vom UNITAS-Verband angebrachte Bronzetafel an den Gründer der UNITAS, der ihr die Grundlagen und wesentlichen Strukturen gab. 

 

Unitarisches Testament

 

Sein „unitarisches Testament“, von dem jungen Student Hermann Ludger Potthoff 1854/55 zur Erläuterung der Statuten verfasst, wurde in der älteren UNITAS viele Jahrzehnte lang jeweils zu Beginn eines jeden Semesters vorgelesen. Es ist ein Dokument eines aufmerksamen und scharfen Beobachters, eines abgeklärten Menschenkenners und eines sehr praktisch veranlagten Seelsorgers, der ganz und gar in der Kirche zu Hause ist. Darin spricht er von „Einheit, aber nicht Einerleiheit“, erläutert, was „Lust zum Studium“, „stets offene Augen für das praktische Leben“ und „entschiedenes Handeln“ bedeuten. Und „Liebe zu Gott, Demut des Herzens, Freundschaft im Herrn“, wie er es ausdrückte. Vor gut 150 Jahren, schrieb der damalige Hofprediger in Dresden:

 

„Wer durch die UNITAS mein Freund geworden, für den war ich es ganz, so gut ich es konnte. Ich fragte nicht nach seinem Namen, seiner Landsmannschaft, nicht nach seinen Talenten allein. Je mehr er mir ein Unitarier schien, je mehr war er mir Freund. Das war mir Bedürfnis, das war mir heilige Pflicht. Man hat es zu öfteren gesagt, und selbst edle Naturen sprechen es heute wohl nach, das akademische Vereinsleben seien jugendliche, oft gut gemeinte, aber immerhin Träume, die in der Wirklichkeit des Lebens wieder in ihr Nichts sich auflösen würden. Ich habe diese Reden, sofern sie auch UNITAS betrafen, niemals verstanden, verstehe sie auch heute nicht und werde sie niemals verstehen. Was mir die UNITAS war, das war kein Traum, denn es war katholisches Leben, Fühlen und Handeln.“

„Cor unum et anima una / Ein Herz und eine Seele“ hieß der Wahlspruch, den Hermann Ludger Potthoff bei der 1. Generalversammlung des Unitas-Verbandes in Düsseldorf 1860 prägte. Und er wurde es selbst - „Herz und Seele“ der UNITAS. 

 




Veröffentlicht am: 17:55:39 18.02.2015
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