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Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Bbr. Dr. Eduard Ackermann

In memoriam: Bbr. Dr. Eduard Ackermann

Fast vier Jahrzehnte an den Brennpunkten deutscher Politik

 

BONN. Sie nannten ihn den „großen Strippenzieher“, „Ackerdoktor“, „Kohls treuen Statthalter“. Und kommentierten seine lange Zeit hinter den Kulissen der Macht in der Bonner Repubik mit dem Spruch „In Bonn ist jeder einmal dran, nur nicht der Edi Ackermann.“ Vor wenigen Tagen ist Bbr. Dr. Eduard Ackermann, einer der engsten Mitarbeiter von Helmut Kohl und nach Meinung vieler Journalisten in den achtziger und frühen neunziger Jahren „wichtigster Mann im Kanzleramt“, im Alter von 86 Jahren in Bonn gestorben.

 

Über Jahrzehnte kam kein Medienvertreter an ihm vorbei, dessen Tätigkeit seit 1957 auf der Bonner Politikbühne alle Rekorde brach. Viele Journalisten schätzten den „Geheimrat“, der die CDU-Fraktionsvorsitzenden und den Kanzler im kleinsten Kreis beriet. Nie im Rampenlicht vor laufenden Kameras, nie selbst Darsteller, nie in einem Wahlamt aktiv, bezeichnete er sich selbst allenfalls als „Souffleur, Kulissenschieber, gelegentlich auch Ratgeber und Helfer der Akteure“. Die große politische Rolle habe er nie spielen wollen.

 

Der Niederrheiner in Bonn

 

Geboren wurde Eduard Ackermann am 1. November 1928 in Geldern als Sohn eines Schreiners in einer sehr politisch aktiven Familie. Der Vater war im dortigen Kreistag Fraktionsvorsitzender der Zentrumspartei und späterer Sozialsekretär der Christlichen Gewerkschaften. Er hatte 1928 erfolglos für einen Sitz im Reichstag kandidiert, bekam als Schwierigkeiten mit den Nazi-Machthabern und wurde 1944 vorübergehend von der Gestapo inhaftiert. Nach dem Krieg hatte ihn die Besatzungsmacht in Kapellen als Gemeindedirektor eingesetzt.

 

Eduard Ackermann besuchte ab 1940 das Humanistische Gymnasium seiner Heimatstadt. Nach einer aktiven Zeit bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und dem 1950 abgelegten Abitur ging Bbr. Ackermann mit dem Berufsziel Lehrer zum Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie nach Mainz und dann nach Bonn. Hier wurde er im WS 1951 bei Unitas Stolzenfels rezipiert. Im WS 1952/53 übernahm er in dem 32 Aktive und Inaktive zählenden Verein das Amt des FM, wie der von ihm für die Verbandszeitschrift dort mit „Edi Ackermann, FM“ gezeichnete Semesterbericht ausweist.

 

Bei Unitas Stolzenfels kam er in Kontakt mit Bbr. Dr. Heinrich Krone, damals Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, und arbeitete seit 1953 als Redakteur für die von Krone herausgegebene politische Zeitschrift „Politisch-Soziale Korrespondenz". Anfang 1953 philistriert, wurde Bbr. Ackermann am 30. Mai 1956 mit seiner Arbeit „Die historiographischen Grundlagen der Methodik des Geschichtsunterrichtes an den höheren Schulen in Preußen und anderen deutschen Ländern seit der Jahrhundertwende“ zum Dr. phil. promoviert.

 

Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion

 

Durch „Papa Krone“, seinen politischen Ziehvater, den er als „väterlichen Freund" bezeichnete, kam Bbr. Ackermann  nun ganz in die Nähe der Schaltstellen der Politik. Bbr. Krone überredete ihn zur Aufgabe seines angestrebten Beruf als Pädagoge und berief ihn am 1. März 1957 zum Stellvertretenden Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bereits ein Jahr später übernahm Ackermann das Amt des Fraktionssprechers und stand seitdem in dieser Funktion fünf CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden als erfahrener und unentbehrlicher Mitarbeiter zur Seite:
 Nach Bbr. Krone arbeitete er mit den Fraktionsvorsitzenden Heinrich von Brentano, Rainer Barzel, Karl Carstens und schließlich mit Helmut Kohl zusammen.

 

Bbr. Ackermann, der seit der Jugend unter einer starken und zunehmenden Sehbehinderung litt, scheiterte in den 1960er Jahren beim Versuch, ein Bundestagsmandat zu bekommen. Doch in seinen Ämtern hatte der Ministerialdirektor, verheiratet und Vater eines Sohnes, längst eine Schlüsselstellung. Am 1. März 1977 blickte er auf eine 20jährige Tätigkeit als Pressesprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück, wie die Unitas unter dem Titel „20 Jahre Treue zur Fraktion“ berichtete. Ein Jahr später, 1978, würdigte die Verbandszeitschrift den „inzwischen wohl am häufigsten zitierten Mann in Bonn“ zu seinem 50. Geburtstag: „Er ist - trotz seines jugendlichen Alters - der dienstälteste Pressesprecher in Bonn“. Sein hauptsächliches Arbeitsgerät war ihm in seiner Tätigkeit vor allem das Telefon: An einem normalen Tag, so bekannte er, waren es rund 80 Telefonate mit in- und ausländischen Korrespondenten, in Krisenzeiten aber auch schon mal hundert.

 

„Carbonara“ im Kanzleramt

 

Als CDU-Fraktionschef Helmut Kohl am 1. Oktober 1982 zum Bundeskanzler gewählt wurde, nahm er Bbr. Eduard Ackermann mit ins Kanzleramt und übertrug ihm dort formal die Leitung der Abteilung 5 „Kommunikation und Dokumentation und politische Planung". Tatsächlich blieb „Carbonara", wie Kohl ihn wegen dessen Vorliebe für Pasta nannte, in dieser Funktion bis zu seiner Pensionierung vor allem Kohls persönlicher Pressesprecher und Vertrauter, sein Horchposten und Frühwarnsystem mit einem großen Netzwerk. In über 38 Jahren an den Schaltstellen und allen Brennpunkten deutscher Politik erlebte und beeinflusste er den Gang der Geschichte - sogar über die deutsche Wiedervereinigung hinaus, die er als das eindrucksvollste Erlebnis bezeichnete.

 

Der Unitas verbunden

 

Über seine Tätigkeit, einen der „interessantesten Jobs, die das politische Bonn zu vergeben hat“, legte Bbr. Ackermann ein Buch vor, das die Erfahrungen von fast vier Jahrzehnten nachzeichnet („Mit feinem Gehör – vierzig Jahre in der Bonner Politik“, Lübbe-Verlag, Bergisch-Gladbach, 416 Seiten). Und blieb auch der Unitas und vielen Bundesbrüdern weiter verbunden: Bei Unitas Stolzenfels berichtete er im Herbst 1996 in einem kleinen Kreis über „Mittelfristige Perspektiven der deutschen Politik", schilderte die Hintergründe zum Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt 1972 und die Ereignisse hinter den Kulissen, die 1990 zur deutschen Wiedervereinigung führten. Das „Jawort" der UdSSR zur deutschen Einheit, so Ackermann damals, sei demnach nicht erst auf der Kaukasus-Reise, sondern schon tags zuvor in Gorbatschows Moskauer Datscha gefallen. Zum 1. Januar 1995, nach Kohls letzter Wiederwahl, trat Bbr. „Ede“ Ackermann in den Ruhestand, 1996 veröffentlichte er sein Buch „Licht und Schatten der deutschen Politik: Bewährungsproben".

 

R.I.P.



CDU-Bundesparteitag: Bbr. Friedhelm Ost und "Ede" Ackermann




Veröffentlicht am: 16:44:24 13.02.2015
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