Bbr. P. Werner Kriener im Alter von 94 Jahren verstorben

 

LIMBURG. Er war einer der ersten, die sich nach dem Krieg wieder der rekonstituierten Unitas anschlossen: Bbr. Pallottiner-Pater Werner Kriener, der am Morgen des 2. Dezember 2014 auf der Seniorenstation des Missionshauses in Limburg starb - 94 Jahre alt, 65 Jahre Pallottiner, 61 Jahre Priester und fast 136 Semester Mitglied des Unitas-Verbandes.

 

Am 14. November 1920 in Münster geboren, musste Bbr. Werner Kriener nach der Schule 1939 zum Reichsarbeitsdienst und studierte dann zwei Trimester Rechtswissenschaft. Er wurde zum Wehrdienst einberufen und kam im April 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Wintersemester nahm er das Jurastudium wieder auf und schloss sich im Juni 1946 der heutigen Unitas Rolandia-Burgundia, dem langjährigen Patenverein der Unitas Ruhrania in Münster an. Was ihn im Krieg durchhalten ließ, machte er nun konsequent: Mit der Gedankenwelt Vinzenz Pallottis und von Schönstatt vertraut, beschloss er, sich den Pallottinern anzuschließen. Im Oktober 1947 begann er das Noviziat in Olpe, legte am 11. Oktober 1949 die erste und am 11. Oktober 1952 die ewige Profess ab. Nach seinen Studien in Vallendar wurde er am 26. Juli 1953 dort zum Priester geweiht.

 

Ein „Nomade Gottes“

 

Erste Erfahrungen in der Seelsorge machte er in Lüneburg, wo viele Flüchtlingsfamilien aus Schlesien gestrandet waren. Doch kurz darauf wurde er selbst zum „Nomaden Gottes“: Für die Seelsorge der deutschen Gemeinde in Melbourne bestimmt, reiste P. Kriener als Schiffskaplan 1954 auf der „Anna Salen“ von Bremerhaven aus nach Australien. Hier lebte er bis 1957 in der Pallottiner-Gemeinschaft im Stadtteil Kew. Hier gab es auch eine Schönstatt-Kapelle, wo sich die deutschen Auswanderer gerne trafen. Zum Erlebnis wurden ihm die Olympischen Spiele 1956 in Melbourne, bei denen er auch die west- und ostdeutschen Mannschaften getrennt voneinander besuchte und zu Gottesdiensten einlud.

 

Abenteuer im Outback

 

1957 wurde Bbr. P. Kriener in die 3000 km entfernte Diözese Broome versetzt. In der Region Kimberley im Nordwesten Australiens arbeitete er für ein Jahr als Kaplan mit P. Kevin McKelson, einem australischen Pallottiner und einem der profundesten Kenner der Aborigines-Kultur. Für P. Kriener eine gute Schule für seine Seelsorge in verschiedenen Aborigines-Gemeinden: 1958 ging er für zwei Jahre in die seit 1901 von deutschen Pallottinern betreute Beagle Bay Mission, die bis heute für ihre Perlmuschel-Kirche bekannt ist. Dort sorgte er neben der Pfarrarbeit vor allem für die als Nomaden aufgewachsenen Aborigines-Jungen, die hier in bestimmten Monaten des Jahres Schulunterricht erhielten. Sie brachten dem Missionar aus dem Münsterland dafür das Lesen von Spuren der Kängurus oder Rieseneidechsen bei.

 

Pfarrer für die Aborigines


1960 versetzte ihn Bischof Johannes Jobst SAC nach Lombadina. Auch hier lernte P. Kriener, sich immer mehr in die Mentalität der Aborigines hineinzudenken und entwickelte liturgische Formen, die ihrem Leben entsprachen. Ab 1968 leitete er in Derby das kurz zuvor gegründete St. Joseph’s Schülerheim, das jungen Menschen die Vorbereitung für ein Studium ermöglichte und war nebenher Seelsorger am Lepra-Krankenhaus. 1973 ging Bbr. Werner Kriener als Pfarrer nach Hall’s Creek. In der mehrere hundert Quadratkilometer großen Gemeinde mit ihren knapp 400 Katholiken verbrachte er seine glücklichsten Jahre. Er besuchte die Viehstationen und Siedlungen der Aborigines, lernte ihre Sprache, Gesänge und Gebräuche und lud Jahr für Jahr zu bemerkenswerten Oster- und Pfingsttagen ein, die von den aus ihrer Tradition her geistgläubigen Aborigines gerne gefeiert wurden. Zu seiner großen Freude wurde er beim Papstbesuch 1986 in Alice Springs im Herzen Australiens mit einigen seiner Gemeindemitglieder von Johannes Paul II. empfangen.

 

1992 kehrte er noch einmal für ein Jahr nach Lombadina und anschließend für drei Jahre als Kaplan zu P. Wendelin Lorenz SAC nach Derby zurück, bevor er mit 77 Jahren aus gesundheitlichen Gründen um Rückversetzung nach Deutschland bat. Ab März 1997 lebte er zunächst einige Monate im Pallotti-Haus in Vallendar, anschließend im Missionshaus in Limburg und pflegte von dort eifrige Kontakte nach Australien und zu vielen Freunden in Deutschland, zu seiner Familie, Freunden aus der Kriegszeit und aus der Unitas. Mit großer Freude und Begeisterung erzählt er von seinem Wirken unter den Aborigines, auch vor den Missionaren auf Zeit (MaZ), die sich bei den Pallottinerinnen in Limburg auf ihre Einsätze in Übersee vorbereiteten.

 

Glaubhaftes Leben aus dem Evangelium

 

„Dass das Leben aus dem Evangelium und sein Einsatz als Priester Erfüllung und Glück schenkt, teilte er gerne in Wort und glaubhaft in seinem Leben mit“, würdigte Provinzial P. Helmut Scharler SAC  im Totenbrief das Wirken seines Mitbruders. „Darum sind wir P. Werner Kriener dankbar, nicht allein für seinen Einsatz in Australien, sondern auch für sein Zeugnis als alter Mitbruder in Limburg, der immer neu Begeisterung und Dankbarkeit für seine Berufung durch Jesus Christus ausstrahlte. Möge Gott Pater Kriener empfangen und ihm den Frieden schenken, den er sich in seinem Glauben ersehnt hat.“

 

Das Requiem feierten die Pallottiner am Hochfest der Immaculata, am 8. Dezember, in der Marienkirche der Pallottiner in Limburg und begleiteten Bbr. P. Werner Kriener zur Beisetzung auf dem Friedhof ihrer Gemeinschaft. R.I.P.
 




Veröffentlicht am: 17:53:09 08.12.2014
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