Bischöfe sprechen über Situation der Christen im Irak

 

FULDA. Die Lage der Christen im Irak sei von „denkbar großer Dramatik“, erklärte heute Bbr. Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Der Kollaps der staatlichen Ordnung, das Aufblühen des islamistischen Terrorismus und die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten ab 2006 hätten dazu geführt, dass von mehr als einer Million Christen nur noch etwa 300.000 im Land geblieben seien. Viele flohen nach Europa und in die USA, andere in sichere arabische Nachbarländer. „Diese Geschichte des Niedergangs des irakischen Christentums, das in dieser Region seit fast zwei Jahrtausenden beheimatet ist, droht sich nun in diesen Monaten fortzusetzen“, erklärte Bbr. Schick. Am Horizont stehe „die düstere Möglichkeit von Vertreibung und Flucht aller Christen aus dem mesopotamischen Raum“.

 

Kalkulierte Gewalt

 

Die Terrormiliz ISIS, die sich neuerdings „Islamischer Staat“ nenne, habe rund ein Drittel des Staatsgebiets von Syrien und des Irak unter ihre Kontrolle und dort ein „Kalifat“ ausgerufen, das seinem Anspruch nach auch Jordanien, den Libanon, Israel und Palästina umfasse. Ihre „archaisch anmutende Gewalt“ entpuppe sich mehr und mehr als Teil einer kühl durchkalkulierten Strategie. Enthauptungen, gewaltsame Konversionen, Schutzgelderpressungen und Massaker an allen missliebigen Gruppen seien an der Tagesordnung. Die hohe Anziehungskraft auf religiöse Extremisten in den arabischen und in den westlichen Ländern sei beachtlich, so Schick: „Man darf hier durchaus von einer Attraktivität des Bösen sprechen.“

 

Aller geheimdienstlicher Expertise zum Trotz habe man in der westlichen Welt und den arabischen Staaten den heraufziehenden Sturm nicht erkannt. Obwohl inzwischen eine Entschlossenheit herangewachsen sei, dem Vormarsch von ISIS entgegenzutreten, ändere dies für die Kirche nichts an einer grundlegenden Überzeugung: Der Frieden im Allgemeinen und auch der Frieden im Mittleren Osten könne nicht das Ergebnis eines Waffengangs sein: „Nur wenn es im Irak und in Syrien gelingt, erträgliche Lebensverhältnisse für alle Menschen zu schaffen, wenn die Systeme der allgemeinen Unterdrückung und der Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen überwunden werden, können Fanatismus und die wachsende Neigung zur Gewalt besiegt und friedliche Gemeinwesen aufgebaut werden“, erklärte Bbr. Erzbischof Schick.

 

Pflicht zum Widerstand

 

Diese Einsicht entbinde „jedoch nicht von der Pflicht zum Widerstand gegen die entfesselte Gewalt, die ganze Staaten zu vernichten droht und menschliches Leiden unbeschreiblichen Ausmaßes“ hervorbringe. In den Beratungen der Vollversammlung sei deutlich zum Ausdruck gebracht worden, dass die deutschen Bischöfe die Bekämpfung der ISIS-Milizen für zwingend geboten halten: „Der begrenzte Einsatz von Gewalt erscheint uns in diesem Falle vertretbar und auch geboten, solange eine andere plausible Strategie nicht erkennbar ist. Der Angreifer muss aufgehalten werden, wie auch Papst Franziskus zum Ausdruck gebracht hat. Auch die irakischen Bischöfe ermahnen die Staaten an ihre Pflicht, den Untaten ein Ende zu setzen.“ Die militärischen und die nicht-militärischen Maßnahmen der Staatengemeinschaft müssten sich dabei in den kommenden Monaten vor allem an den Belangen der Flüchtlinge orientieren, die den bevorstehenden unwirtlichen Winter zu überstehen haben. Besondere Unterstützung verdienten die Kurden, die nicht nur den Kampf mit den ISIS-Milizen aufgenommen, sondern gegenüber den vertriebenen religiösen Minderheiten auch große Gastfreundschaft an den Tag gelegt hätten.

 

Bundesweite Kollekte für Flüchtlinge

 

Bei ihrer Herbstvollversammlung hatten die deutschen Bischöfe zur Situation der Christen im Nahen Osten beraten. Als Gast berichtete Erzbischof Emil Shimoun Nona von der chaldäisch-katholischen Erzeparchie Mossul im Irak von der Lage der christlich-irakischen Flüchtlinge in der Provinz Kurdistan. Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, informierte über die Hilfsmaßnahmen, die Caritas international und auch die anderen kirchlichen Werke schon seit Jahren im Mittleren Osten leisten – in Syrien und im Irak, aber auch in Jordanien und im Libanon. Die katholische Kirche in Deutschland wird zur Unterstützung der humanitären Hilfe für die Flüchtlinge am 11. und 12. Oktober 2014 eine Sonderkollekte in allen deutschen Bistümern durchführen.


Quelle: www.dbk.de





Veröffentlicht am: 17:56:11 23.09.2014
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