Benedikts Erbe: Europa vor den Wahlen

 

ROM / BRÜSSEL. Seit genau 50 Jahren ist er nun Patron Europas: Benedikt von Nursia (um 480-543), der Einsiedler, Abt und Ordensgründer der Benediktiner. Sein Todestag, der 21. März, galt seit dem 11. Jahrhundert als sein Gedenktag, und die Benediktinerklöster rund um die Welt blieben bei diesem Termin, auch wenn der 11. Juli seit 1970 für die Gesamtkirche festgelegt wurde.

 

In unruhigen Zeiten legte er mit seiner Mönchsgemeinschaft östlich von Rom in den Bergen bei Subiaco und schließlich auf dem Monte Cassino den Grundstein für den entscheidenden Zivilisationsschub auf dem Kontinent. Unzählige Klöster entstanden als Zentren der Glaubensverbreitung und der Wissenschaft, aber auch als Innovatoren in Landwirtschaft, Architektur und in vielen anderen Lebensbereichen. Zahllose weitere Gemeinschaften warfen, inspiriert durch sein Vorbild, ein dichtes Netz von Klöstern über die damals bekannte Welt Europas und schwärmten schließlich in die entlegensten Gegenden rund um den Globus.

 

Benedikt: Schutzpatron Europas

 

Papst Pius XII. würdigte den Heiligen, „gesegnet der Gnade und dem Namen nach“, wie es in seiner am 21. März 1947 zum 1400. Todestag Benedikts veröffentlichten Enzyklika Fulgens radiatur (lat.: „Er wird leuchtend erstrahlt“) heißt: Gleich einem Stern in finsterer Nacht erstrahlt Benedikt von Nursia in hellem Glanz, eine Zierde nicht nur Italiens, sondern der ganzen Kirche. Wer sein hehres Leben betrachtet und den Zeugnissen der Geschichte über die düsteren und stürmischen Zeiten, in denen er lebte, nachgeht, wird zweifellos die Wahrheit des göttlichen Versprechens erkennen, das Christus seinen Aposteln und der von ihm gegründeten Gemeinschaft gegeben hat: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“.

 

Und Papst Paul VI. gab seinem Apostolischen Schreiben vom 24. Oktober 1964, mit dem er Benedikt zum „Schutzpatron Europas" erklärte, den sprechenden Namen Pacis nuntius (lat.: „Friedensbote“): „Es waren vor allem er und seine Söhne, die mit dem Kreuz, dem Buch und dem Pflug den Völkern vom Mittelmeer bis nach Skandinavien, von Irland bis Polen den christlichen Fortschritt brachten.“ Der heilige Benedikt, „dem es mit dem Licht der christlichen Zivilisation gelang, die Finsternis zu vertreiben und das Geschenk des Friedens leuchten zu lassen“, möge heute über das Leben Europas wachen und es „durch seine Fürsprache immer weiter wachsen lassen“, wünschte Paul VI. damals in seinem Schreiben.

 

Papst Franziskus und Benedikt

 

Im Vatikan stand Benedikt von Nursia heute im Rampenlicht: Papst Franziskus segnete die Benedikt-Fackel, die seit vielen Jahren am 21. März entzündet wird und diesmal von den Äbten der Benediktinerklöster Montecassino und Subiaco sowie dem zuständigen Bischof von Benedikts Geburtsort Norcia in den Vatikan gebracht wurde. Jedes Jahr wird sie in einer anderen europäischen Stadt entflammt und dann quer durch Europa zu Benedikts Grab in Montecassino gesandt. „Möge diese Initiative einen Frieden der Herzen fördern, den nur Christus schenken kann“, sagte Franziskus in seinem Grußwort auf dem Petersplatz.

 

Europas Bischöfe zu den Europa-Wahlen

 

Der Termin dieser Initiative italienischer Benediktiner, die ihren Ordensgründer als Patron Europas bekannter machen soll, trifft sich just mit dem Beginn der Vollversammlung der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE). Sie tagt seit heute in Brüssel. Für die entsandten Bischöfe der 28 EU-Mitgliedstaaten stehen vor allem die bevorstehenden Wahlen zum EU-Parlament vom 22. bis 25. Mai ganz oben auf der Tagesordnung. Ihr Ergebnis werde bedeutenden Einfluss auf die Richtung der EU in den kommenden Jahren haben und sich stark auf das Leben der Menschen in Europa auswirken, heißt es in der Ankündigung der dreitägigen Vollversammlung.

 

Am Donnerstag, 20. März, will die COMECE ihren Wahlaufruf an alle EU-Bürger veröffentlichen. Bbr. Reinhard Kardinal Marx, seit 2012 COMECE-Präsident, wird ihn bei einer Pressekonferenz vorstellen. Und wie in den vergangenen Wahljahren wollen die Bischöfe unterstreichen, wie essentiell die anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament für die Legislaturperiode 2014-2019 für unsere Demokratie sind: Alle EU-Bürger seien darum aufgerufen, vom 22.-25. Mai ihre Stimme abzugeben, so die Vertreter der katholischen Kirche. Die ernste wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise fördere Nationalismus und Populismus in allen Mitgliedsstaaten, das Kräfteverhältnis in der Welt verändere sich, und etliche bewaffnete Konflikte forderten die EU heraus, ihre Rolle in der Welt neu zu bestimmen.

 

Wiederholt bekräftigen die Bischöfe der COMECE als Repräsentanten der Bischofskonferenzen aller EU-Mitgliedsstaaten das Bekenntnis der Katholischen Kirche zum Europäischen Einigungsprozess, einem Friedensprojekt zwischen den Nationen. Und wollen jene zentralen Themen hervorheben, die alle Bürger der Friedensnobelpreis-Gemeinschaft im Blick behalten sollten: die Sorge um das Gemeinwohl und die Menschenwürde.

 

Der Text der COMECE-Erklärung zur Wahl wird ab dem 20. März 14:00 Uhr auf der COMECE-Homepage www.comece.org zugänglich sein.

 

 

 

 

LINKS:

Radio Vatikan: http://de.radiovaticana.va/news/2014/03/19/papst_segnet_benedikt-fackel/ted-782813

COMECE: http://www.comece.org/

Enzyklika „Fulgens radiatur“ von Papst Pius XII. zum 1400. Jahrestag des Heimganges des heiligen Benedikt von Nursia vom 21. März 1947,  Text der Enzyklika (deutsch)

Apostolisches Schreiben „Pacis nuntius“ von Papst Paul VI., Proklamation Benedikts zum „Schutzpatron Europas" vom 24. Oktober 1964




Veröffentlicht am: 15:40:30 19.03.2014
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