Kommentiert: Ausbau fordert Konsequenzen

NRW: Boom an den Hochschulen

 

DÜSSELDORF. Rund 129.000 Erstsemester an den NRW-Hochschulen - ein Plus von 9,2 Prozent im Vergleich zum Studienjahr 2012. Das sind die Zahlen nach vorläufigen Schätzungen für das Studienjahr 2013. Jetzt kommt der doppelte Abiturjahrgang im Studium an ….

 

Allein im startenden Wintersemester 2013/14 hätten sich bislang etwa 111.500 Erstsemester an den Hochschulen im Land eingeschrieben, davon 64.574 an den Universitäten und 28.683 an den Fachhochschulen. Das erklärte Wissenschaftsminis­terin Schulze, die heute mit Vertretern der beiden Landesrektorenkonferenzen der Universitäten und Fachhochschu­len erste Schätzzahlen zu den Studienanfängerinnen und Studienanfän­gern an Nordrhein-Westfalens Hochschulen vorstellte. Die kirchlichen und privaten Verwaltungshochschulen registrierten mit 17.269 Studienanfängern sogar ein Anmeldeplus von 22,5 Prozent. Insgesamt sind in NRW derzeit 673.000 Studenten eingeschrieben.

 

So viel Studenten wie nie zuvor

 

„Die aktuellen Zahlen belegen: die NRW-Universitäten bieten in diesem Wintersemester so viele Studienplätze an wie noch nie zuvor“, erläuterte der Sprecher der Landesrektorenkonferenz, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Sagerer. Was dies für die Entwicklung der Hochschullandschaft in den letzten Jahre bedeutet, drückt sich in runden Zahlen aus: Gegenüber dem Semester 2005/2006 sei die Zahl der Studienanfänger an den NRW-Universitäten um 50 Prozent und an den Fachhochschulen um 100 Prozent gestiegen. Er sehe dennoch „keine Notwendigkeit, Horrorszenarien an die Wand zu malen“, so der Rektor der Universität Bielefeld. „Die Hochschulen sind voll, aber nicht überfüllt.“ Durch langfristige Vorbereitungen auf den doppelten Abiturjahrgang mit Investitionen in mehr Personal, Räume und Infrastruktur sei es gelungen, den Erstsemestern weiterhin „die gleichen guten Studienbedingungen zu bieten“.

 

Forderung: Hochschulpakt ausbauen

 

Die aktuellen Daten zu den Erstsemestern allein in NRW beschreiben eine tatsächlich bislang außergewöhnliche Situation: Mitte der 60er Jahre studierten nicht mal doppelt so viele insgesamt - in ganz Deutschland. Allein in unserem Bundesland sind heute gut ein Viertel aller Studierenden bundesweit zuhause. Und damit ist klar, dass der aktuelle Run auf die Hochschulen eindeutige Konsequenzen fordert – gerade in NRW. In den Jahren bis 2020 wolle die Landesregierung allein rund zehn Milliarden in Maßnahmen für den doppelten Abiturjahrgang investieren, versprach die Wissenschaftsministerin heute. Und wies zugleich auf Berlin. Schon jetzt forderte sie eine „Neujustierung“ des Hochschulpakts ab 2016. „In den nächsten Jahren muss das Angebot an Masterstudienplätzen intensiv ausgebaut werden, da hier die Nachfrage erwartungsgemäß steigen wird. Dafür werde ich mich in den anstehenden Verhandlungen mit dem Bund stark machen“, so Schulze.

 

Dass sich immer weniger Studierende mit dem Bachelor-Abschluss begnügen, brachte Professor Sagerer von der Rektorenkonferenz noch eindeutiger auf den Punkt: „Die Politik muss den Hochschulen auch in Zukunft die dringend benötigten Mittel für die erforderlichen Studienplätze, insbesondere für den Aufbau von Masterstudienplätzen, zur Verfügung stellen. So liegen die Übergangsquoten zwischen den Bachelor- und Masterstudiengängen bereits jetzt über den Erwartungen. Erste empirische Erhebungen deuten an, dass zukünftig mit einer Übergangsquote in den Universitäten von über 70 Prozent zu rechnen ist. Um junge Menschen in ihrem Bildungsstreben zu bestärken und Zukunftschancen zu ermöglichen, ist es dringend erforderlich, Finanzmittel zum Ausbau von Masterstudienplätzen in einen zukünftigen Hochschulpakt aufzunehmen.“

 

Defizite: Noch klappt längst nicht alles

 

Auch für Prof. Dr. Martin Sternberg, den Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen NRW, geht an einer „Fortsetzung bzw. Verstetigung des Hochschulpakts“ kein Weg vorbei. Dass dieser Pakt 2015 auslaufe und dann personelle und räumliche Erweiterungsmaßnahmen zurückgefahren werden müssten, erfülle ihn mit Sorge. Die Qualität des Studienangebots lasse sich nur halten, wenn Qualitätsverbesserungsmittel weiterhin fließen und an die gestiegenen Studierendenzahlen angepasst werden. Auf die aktuelle Lage warf Sternberg aus Perspektive der Studenten einen ganz praktischen Blick: „Zu voll sind die Mensen an einigen Hochschulen. Hier hat der Ausbau nicht Schritt gehalten mit der Entwicklung der Studierendenzahlen. Wer auf die Essensausgabe oder an der Kasse so lange warten muss, dass der Anfang der nächsten Lehrveranstaltung verpasst wird, ist zu Recht unzufrieden. Land, Studentenwerke und Hochschulen müssen dort nachbessern.“

 

Ganz offensichtlich, so Sternberg, gebe es im Übrigen längst „Bedarfe“, die von den staatlichen Hochschulen derzeit aus finanziellen, organisatorischen oder anderen Gründen nicht gedeckt werden könnten. Das zeige der Blick auf die stark gestiegenen Studienanfänger- und Studierendenzahlen der privaten, kirchlichen und Verwaltungshochschulen - überwiegend Fachhochschulen. Sie stellten allein 15,5 Prozent der Erstsemester in diesem Wintersemester und seien zum Teil sogar kostenpflichtig.

 

„Zurücklehnen geht nicht!“

 

Auch an den Fachhochschulen müssten die Masterstudienplätze ausgebaut werden, um den Bachelor-Absolventinnen und –Absolventen eine faire Chance zu bieten, forderte Sternberg: „Es freut mich zu hören, dass sich Frau Ministerin Schulze für eine Masterkomponente in einer Fortsetzung des Hochschulpakts einsetzt! Für die Hochschulen und für das Land muss es heißen: Nach dem Semesterstart ist vor dem Semesterstart. Zurücklehnen und zufrieden sein mit den Einschreibungen im Jahr des doppelten Abiturs geht nicht.“

 

Ein klares Wort. Bei allen Beteuerungen der politischen Denominationen, die auch im Wahlkampf den Schlachtruf „Mehr Geld für Bildung“ wie eine Monstranz vor sich hergetragen haben: So massive Änderungen, wie sie derzeit das Bildungssystem durchmacht, wirken länger als eine Legislaturperiode. Hier müssen Planungen über den Tag hinaus greifen. Kurzfristiges Gebastel gab es jetzt erstmal genug.

 

 

 

Mehr Informationen zu der Entwicklung der jüngsten Studierendenzahlen in Nordrhein-Westfalen unter www.wissenschaft.nrw.de.

HINWEIS: In der kommenden Ausgabe der Verbandszeitschrift „Unitas“ nehmen wir das Thema auf. Die Redaktion nimmt noch gerne Hinweise und Anregungen entgegen.




Veröffentlicht am: 19:51:09 30.09.2013
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